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Das sagen die Anderen übers KuZe

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2016                            

Verhaftet wegen homosexueller Handlungen: Studis sprechen über Strafe, Angst und Identitätsfindung

Anders denken, anders fühlen und anders bestraft werden: UPride und Amnesty Potsdam sprachen bei einem Themenabend im KuZe über die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen. Mit Gewalt und Haftstrafen wird weltweit versucht, zur traditionellen Partnerschaft zu erziehen. Uniater zeigte in improvisierten Szenen, dass Angst auch kreativ sein kann.

 

Diskriminierung von Andersdenkenden und vor allem Andersfühlenden gibt es überall auf der Welt. Nur weil sie nicht (nur) das andere Geschlecht lieben oder sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen, werden Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Intersexuelle (LGBTI) ausgegrenzt. Vor allem im afrikanischen, asiatischen und osteuropäischen Raum wird das Lieben des gleichen Geschlechts oder Geschlechtsidentitäten fernab der traditionellen Norm mit Gewalttaten oder willkürlichen Inhaftierungen geahndet.

 

„Homosexualitäten und Strafe turnt mich ab. Es turnt mich ab, dass es so etwas gibt“, begrüßte Naana Lorbeer von Queeramnesty das Publikum. „Homosexualitäten* und Strafe“ war der Titel des KuZe-Themenabends, zu dem UPride, die Hochschulgruppe für lesbische, schwule, bi-, inter-, asexuelle sowie Transsexuelle Studierende in Potsdam, und die Stadt- und Hochschulgruppe Amnesty International Potsdam am Donnerstagabend (21. Januar 2016) in den studentischen Kulturort geladen hatten. Der Name war von einer Ausstellung im Schwulen Museum Berlin inspiriert. Das Sternchen zeigte, dass es auch um Trans- und Intersexuelle ging. Der Fokus des Abends lag aber vor allem auf Homosexualität.

 

Todesstrafe für Händchen halten

Den Anfang machten Naana Lorbeer und Claude Beier von Queeramnesty Berlin, einer Untergruppe von Amnesty International mit dem Themenschwerpunkt LGBTI, die uns einen kurzen Überblick über den Stand Andersfühlender weltweit präsentierten. Sie reisten mit uns über die Weltkarte zu all den Ländern, die gesetzlich oder individuell gegen nicht-traditionelle Liebe vorgehen. Und das, obwohl jeder Achte bis Zehnte homosexuell sei, sagte Naana.

 

Claude erzählt die Geschichten verfolgter und inhaftierter Menschen, die nicht nach traditioneller Norm lieben.

Gesetzlich verboten sind „homosexuelle Handlungen“, nicht Homosexualität. Laut Definition bedeutet das, dass man nur bestraft wird, wenn man in flagranti erwischt wird. In der Realität sieht das anders aus. In vielen konservativen Ländern werden Geständnisse erzwungen, Analuntersuchungen ohne Einverständnis vorgenommen und willkürlich inhaftiert, sobald die Vermutung einer nicht-traditionellen Sexualität entsteht. Die Strafen reichen von Geldstrafen in Russland über langjährige Gefängnisaufenthalte bis hin zur Todesstrafe in Nigeria.

 

Bitte nur normgerechte Gender-Performance

Üblich ist zudem das Rückerziehen zu traditionellem Verhalten. In Südafrika sind „corrective rapes“ verbreitet, das Vergewaltigen homosexueller Frauen, um sie zu einem Mann zurückzuführen. In Asien gibt es psychiatrische Klinken, in denen mit medizinischen und psychologischen Methoden LGBTs bekehrt werden sollen. Oft wird bereits das Abweichen von der heimischen Gendernorm bestraft. Claude erzählte von einem Kameruner, der verhaftet wurde, nur weil er Baileys getrunken hatte. „Alle leiden darunter, denn alle müssen sich normiert verhalten“, um nicht als anders wahrgenommen zu werden, empfand Naana.

 

Tina bittet ihren Vater, ihre sexuelle Orientierung zu akzeptieren.

Tina bat ihren Vater, ihre sexuelle Orientierung zu akzeptieren.

Wie aktuell das Thema in Europa ist, darauf verwies ein Zuschauer, als er von seinem Besuch eines russischen TV-Studios erzählte: „Ich musste in Polizeigewahrsam ins Studio aufgrund meiner sexuellen Orientierung.“ Auch für Tourist*innen gilt das russische Gesetz zum Verbot des „ Propagierens von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen.“ Darunter fällt auch Händchen halten in der Öffentlichkeit.

 

Selbst in toleranten Ländern wie Deutschland sind Individualverbrechen gegen Homosexuelle nicht auszuschließen. Vor allem in Zeiten, in denen der Nationalismus sowie Fremden- und Andersfeindlichkeit erstarken, sind Diskriminierung und Hass nicht selten Gründe für Straftaten. „Die Menschen fühlen sich als Freiwild“, wusste Claude zu berichten. Daher müssen auch in Deutschland Hassverbrechen gegen LGBTs stärker in die Gesetzgebung eingebunden werden.

 

Nylonstrümpfe, Coming-Out und Panik

Nach dem thematischen Input aus harten Fakten und Lebensgeschichten wurde die Bühne für die Kreativität frei gemacht und auch das Publikum konnte mitmachen. Das Potsdamer Improtheater „Uniater“ ließ die Zuschauer*innen Regie führen. Zuerst rief jede*r passende Begriffe in den Raum: Der Oberbegriff war Angst. In zehn verschiedenen Gefühlen zeigten Tina Berthold und ihre Schauspielkolleg*innen Markus und David Herausforderungen von Homosexuellen: unter anderem die Panik vor dem Entdeckt werden, das ewige Versteckspiel und das verwirrte und unsichere Coming-Out. Die Emotionen wechselten von Verliebtheit zu Panik zu Selbstbewusstsein.

 

David und Markus werden beim Flugblätter drucken für die nächste Demo erwischt.

David und Markus wurden beim Flugblätter drucken für die nächste Demo erwischt.

In einem zweiten Szenario spielte Uniater drei Szenen, die im Dreiecksformat wechselten: versteckt Flugblätter drucken im Keller, ein Wiedertreffen zwischen Mann und Frau, nachdem die Frau nun eine Freundin hat und schwanger ist, sowie ein Coming-Out eines Transsexuellen, der sich die Nylonstrümpfe seiner Freundin leiht. Das Publikum tobte. Die Emotionen schwirrten auch im Saal zwischen Ohnmacht, Sicherheit und Angst.

 

“Ich will ein Junge sein”

Daran knüpfte Angelina Schüler an. Sie ist Künstlerin und Autorin des Buches „Keine Zeit für Kunst“. Für den Themenabend hatte sie einen Tagebucheintrag ihrer Kindheit mitgebracht, in dem sie von ihrer Geschlechtsfindung im Alter von neun Jahren erzählte. Das kleine Mädchen stellte auf dem Schulhof fest, dass sie lieber ein Junge wäre. Es gab so viele Vorteile: Jungs petzen nicht, Jungs prügeln sich um Schokoriegel und Jungs haben keine Brüste. Über ihre Idee, ihr Geschlecht zu ändern, waren sowohl die Lehrerin als auch ihre Eltern wenig erfreut. Auf die Frage, welches Geschlecht sie dann lieben würde, verneinten sie die Idee des kleinen Mädchens, Jungs zu lieben: „Jungs mögen Mädchen. Mädchen mögen Jungs. Basta.“ Mit Witz und Charme zeigte Angelina die Wirren in der Identitätsfindung und dass Sex (das biologische Geschlecht), Gender Roles (gesellschaftliche Erwartungen an das Geschlecht) und Gender Performance (eigene Verkörperung des Geschlechts) nicht immer zusammenspielen müssen. Der Applaus toste, auch als Angelina eine zweite Geschichte, dieses Mal aus ihrem Buch, vortrug.

Angelina erzählt von ihren Erlebnissen bei der Suche nach dem eigenen Geschlecht.

So hatte der Abend von ernsten zu traurigen Geschichten noch eine amüsante Wendung genommen. Sebastian Adamski, Mitorganisator und Vorsitzender von UPride, war begeistert von den vielen Besucher*innen. Der Saal war voll und es mussten sogar noch extra Stühle in den Gang gestellt werden. „Wir haben mehr oder weniger provoziert. Wir hätten nicht gedacht, dass es so voll wird“, freute sich der Mitbegründer der Hochschulgruppe.

 

Dementsprechend steht einer erneuten Kooperation mit Amnesty Potsdam nichts im Weg. Darauf können wir uns jetzt schon freuen. Abschließend möchten wir für Interessierte noch einige wissenswerte Punkte aufführen, die uns als Zuschauer*innen sowohl erschreckt als auch empört haben. Im Übrigen weicht die speakUP in diesem Artikel bewusst von der üblichen Gender-Kenntlichmachung ab, um allen Genderrollen gerecht zu werden.

Von Katharina Golze

2015                            

Wunderbare Reise-Erlebnisse

Der dänische Freigeit Kristian Harting tritt am Donnerstag im Kuze, Hermann-Elflein-Straße, auf

 

von Ralf Thürsam

 

Losgelöst, erleichtert und begierig aufs Leben. Auf jede Minute. Es zählt, was Du daraus machst, findet Kristian Harting. Im Lied „Traveller“ ist der Songwriteraus Dänemark ein Reisender. Doch es ist mehr ein Streifzug, der in seinem Kopf vonstatten geht. An Orte, so wundervoll. Zu tausenden Stimmen, so ungehört. Zu Gesang, so kostbar. Zur mäßig schnellen Gitarre dargeboten, damit man gleich mitreisen kann. 

 

Nicht zum ersten Mal thematisiert Harting (s)eine Wanderschaft, ob nun real oder eingebildet. Doch auf seinem jüngsten Album „Summer Of Crush“ bietet er neue Ansichten. Dabei gleitet er mit Eleganz durch die zwölf neuen Lieder. Diese sind zwar überwiegend akustisch grundiert, doch damit nicht genug: Harting – ganz Meister wohlgeformter wie jäher Akzente und im Besitz einer hellen, dabei wandlungsfähigen Stimme – , bezieht nicht nur einmal alte analoge Tasteninstrumente oder raunenden Background-Gesang ein. Die erzeugen mal ein sanftes Western-Flair oder erreichen kurz nach dem Beginn eine durchaus gefahrvolle melodramatische Größe. Geisterhaft und mit wüsten Fuzz-Effekten. Tonnenschwer, scharfkantig und bedrohlich wie die Felsen im Death Valley. Einlullen lassen verbietet sich, denn massive Rhythmen und wuchtige Stromgitarren sorgen schon dafür, dass niemand abschweift. 

 

Harting, der Reisende, stellt sich damit irgendwie in die lockere und selbstredend unvollständige Nachfolge von Morricone oder gar Lee Hazlewood. Zudem zelebriert er eine Nähe zu Krautrock, Psychedelic- Pop und Blues-Fragmenten aus Westafrika. „Ich bin ein folkiges Trip-Hop-Blues-Metal-Universum“, sagt der Freigeist über sich und das musikalische Spektrum, das ihm zu Gebote steht. Der Däne, der sich in seiner Heimat einst mit Trash Metal und Lärm-Bands verausgabte und vor zehn Jahren Ruhm mit der Gruppe Dream Jockey erntete, lässt nichts unversucht, um Stimmungen auszuloten. Ob laut oder leise. Traumhaft oder unvorhergesehen.

 

Erschienen in der MAZ vom 08.12.15 auf Seite 22

 

 

 

 

Raum zur Improvisation

Das studentische Kulturzentrum Kuze hat am Wochenende zehnjähriges Jubiläum gefeiert.

 

Von Ricarda Nowak

 

Innenstadt. Anstoßen auf den Happy Birthday: das studentische Kulturzentrum Kuze in der Hermann-Elflein-Straße 10 hat am Wochenende sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Dafür hat das Team um Kuze-Veranstaltungsleiter Sören Boller ein dreitägiges, vollgepacktes Programm – samt feiner, selbst kreierter Verpflegung – auf die Beine gestellt, das am Sonntag mit einer Verkaufsausstellung des Offenen Kunstvereins im Kunstwerk endete. Am Nachmittag waren Familien zum Basteln sowie zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Junge Leute haben im Theatersaal Geschichten erzählt – Ergebnisse des Erzählprojekts „Ich und Du, Müllers Kuh“.

 

Zum Auftakt am Freitag gab es in der Kuze-Kneipe ein Konzert von „Hildegard von Binge Drinking“. Am Sonnabend fand ein Impropedia-Spezial der legendären Impro-Gameshow statt: Fünf Spezialfragen, gestellt von einem Experten aus Potsdam, galt es zu beantwortet. Wer´s verpasst hat: Seit Sommer 2013 führt Showmaster Thomas Jäkel an jedem zweiten Freitag im Monat durch Impropedia. Der Offene Kunstverein präsentierte Malerei, Grafik, Plastik, Fotografie für jeden Geldbeutel. Das bundesweit einmalige Projekt Kuze wurde im November 2005 aus der Taufe gehoben, um einen zentralen Veranstaltungsort für die auf Babelsberg, am Neuen Palais und in Golm verteilten Studenten zu schaffen. 

 

Besonders freut man sich über „stetiges ehrenamtliches Engagement“ diverser Nutzergruppen, der Mitglieder des Ekze (Verein zum Erhalt des studentischen Kulturzentrums), der Studenten und anderer Unterstützer des Projekts, die das Kuze „zu dem gemacht haben, was es heute ist“, so die Geschäftsführerin Sabine Finzelberg. Gestützt wird das Zentrum von einem kleinen Angestelltenteam sowie dank finanzieller Förderung und des Engagements des Studentenwerks.

 

Erschienen in der MAZ vom 30.11.15 auf Seite 21

 

 

 

 

Zehn Jahre Studentenkultur in Potsdams Innenstadt

Geburtstagsfeier im Kuze

 

Vor zehn Jahren wurde das studentische Kulturzentrum Kuze in der Potsdamer Innenstadt eröffnet. In kombinierter Trägerschaft mit einem Kunstverein und dem Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität Potsdam gilt das Modell als weithin einmalig.

 

Innenstadt. Das studentische Kulturzentrum Kuze in der Hermann-Elflein-Straße feiert an diesem Wochenende sein zehnjähriges Bestehen. Ein Ort der Kultur ist das Grundstück bereits seit der Wendezeit, hier die „Erste unabhängige Kunstfabrik“ eröffnete. 1998 übernahm der Offene Kunstverein das Zentrum, aus der „Kunstfabrik“ wurde das „Kunstwerk“, doch für den Verein allein war die Immobilie zu groß.

 

Nun kam der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität Potsdam ins Spiel, der nach einem zentralen Anlaufpunkt für Potsdams Studenten suchte. In öffentlich-privater Partnerschaft mit der Grundwert Gesellschaft GWF des Berliner Unternehmers Dietrich Garski wurde die Immobilie 2004/05 mit einer Gesamtinvestition von 1,2 Millionen Euro und 80-prozentiger Förderung für die gemeinsame Nutzung durch Kunstverein und Studenten ausgebaut. Im Streit um Baumängel kam es zwischen Nutzern und Grundstückseigentümer später zum Zerwürfnis, das mit Insolvenzgefahr und drohender Zwangsversteigerung existenzgefährdend wurde.

 

Ende 2012 übernahm das Studentenwerk die Immobilie. Das Kuze hat sich als studentisches und Kulturzentrum in der Innenstadt fest etablieren können. Ermöglicht wird der Betrieb durch viele ehrenamtliche Helfer. Pro Monat kommen nach Einschätzung von Kuze-Veranstaltungschef Sören Boller mehr als 1000 Nutzer und Gäste auf das Gelände.



Das Programm

Ein Konzert des Würzburger Duos „Hildegard von Bingedrinking“ eröffnet diesen Freitag um 20 Uhr das Festwochenende. Als zweite Band sind Zement aus Würzburg angekündigt.

Am Sonnabend um 17 Uhr gibt es einen Empfang beim Offenen Kunstverein. Um 19 Uhr folgt im Theatersaal ein Impropedia-Spezial mit Improtheater- und Talk-Show. Um 23 Uhr startet die Jubiläumsparty in der Kneipe.

Am Sonntag um 15 Uhr wird in der Galerie des Offenen Kunstvereins eine Verkaufsausstellung eröffnet. Von 15 bis 19 Uhr gibt es einen Familienbastelnachmittag mit Kaffee und Kuchen im oberen Ausstellungsraum. Junge Menschen präsentieren ab 16 Uhr im Theatersaal Ergebnisse des Erzählprojekts „Ich und Du, Müllers Kuh“.

Zu allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei.

 

Von Volker Oelschläger

 

Erschienen in der MAZ vom Opens external link in new window28.11.15

 

 

 

 

Abschließend stark gealtert

 

10 Jahre KuZe

von Oliver Dietrich

 

Ein bisschen leise: Das studentische Kulturzentrum Kuze feierte an diesem Wochenende seinen zehnten Geburtstag. Mit seiner Subversivität protzen musste es noch nie.

 

Zehn Jahre können eine verdammt lange Zeit sein – oder so schnell vergehen, dass man kaum mitbekommt, dass eine ganze Dekade vorüber ist. Manchen Dingen würde man zehn Jahre Bestand auch gar nicht zutrauen. Und dann sind sie doch unerschütterlich da und erfreuen sich bester Gesundheit, gerade weil sie Energie daraus beziehen, dass immer ein Damoklesschwert über ihnen hängt.

 

Vielleicht ist das studentische Kulturzentrum Kuze, das am Wochenende seinen zehnten Geburtstag feiert, eines dieser seltenen Dinge, die öfter mal knarren und knirschen müssen, damit man sie bemerkt. Weiß Gott hat gerade dieses Objekt in der Hermann-Elflein-Straße 10 genug unter dem Status gelitten, eine dieser letzten Inseln in der Innenstadt zu sein, die sich der Veränderung um sie herum widersetzen. Ohne dabei eine vorwurfsvolle, grimmige Visage aufzusetzen – wir sind noch da, uns kriegt ihr hier nicht weg –, dieser ganze unbeugsame Trotz steht dem Kuze einfach nicht. Es ist einfach da, es läuft gut, es hat genug Bedeutung, um durch entspannte Bescheidenheit strahlen zu können.

 

Weder Pinte noch Flirtbörse

Wie viele gute Geschichten beginnt auch die vom Kuze mit dem Epilog, dass früher alles ganz anders war. Gut, zehn Jahre sind zwar noch zu jung, um zum alten Eisen des Potsdamer Aufbruchs zu gehören, wie es das Archiv oder die Dortu65 tun. Aber den Ruf einer erschwinglichen Studentenpinte, in der das Bier in Strömen fließt, hat das Kuze lieber an das Pub à la Pub abgetreten – das sichert so das Überleben. Auch eine Flirtbörse wie der Nil-Club ist das Kuze nie gewesen, wer die „Kultur“ im Namen trägt, hat einen gewissen Ruf zu verlieren. Mittlerweile haben dort so viele Veranstaltungen stattgefunden, dass an diesem Wochenende ein Kuze-Pullover demjenigen winkt, der der genauen Zahl beim Schätzen am nächsten kommt.

 

Dabei hatte das Kuze vor zehn Jahren nach monatelangen Rangeleien um ein passendes Objekt und um Fördergeld vor allem mit dem Gegenwind der Studierendenschaft an der Potsdamer Uni zu kämpfen: In den Augen von Grün-Alternativer Liste (GAL) und dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) war das Objekt, das unter dem Regiment der Offenen Linken Liste (oll) durchgesetzt wurde, ein Sammelbecken linker Chaoten, die sich eine alles ausschließende Trutzburg errichten wollten. Hochschulbeef gab es reichlich: Kuze-Referent Christian Kube (oll) „bedachte einen GAL-Abgeordneten mit den Worten ,Du Hoschi!’ und ergänzte das mit einem erhobenen Mittelfinger“, liest man in einem Protokoll der Sitzung des Studierendenausschusses. Der RCDS stellte kurzerhand mit Clas Hasslinger einen Referenten ins Kuze ab, ein souveräner Typ, der auch mal im Anzug ins Kuze kam – und von dem eher erwartet wurde, dass er den Laden infrage stellen würde. Aber nichts dergleichen, Hasslinger machte einfach mit, packte an und schrieb schließlich als letzten Satz in den Rechenschaftsbericht: „Und abschließend bin ich stark gealtert.“ Ein Satz, der bei den Machern des Kuze heute noch für Gelächter sorgt – und der Beginn des Burgfriedens war.

 

Statt Punkrock gibts jetzt eine Anwohner-Hotline

Der nächste große Schlag kommt dann 2012: Der Besitzer des Kulturzentrums, eine Firma aus dem Umfeld des Berliner Immobilienunternehmers Dietrich Garski, ist insolvent – der auf 25 Jahre geschlossene Mietvertrag enthält dadurch ein Sonderkündigungsrecht. Zwar gibt es eine kulturelle Bindung für das Objekt, das mit öffentlichen Mitteln gefördert wurde – aber eine Zwangsversteigerung würde in dieser exponierten Innenstadtlage zweifellos Investoren anziehen. Während die Kuze-Macher noch zittern, bereitet das Potsdamer Studentenwerk schon den Kauf vor. Das Kuze rettet sich mit dem Trocknen der Tinte auf dem Kaufvertrag.

 

So Punkrock wie zu den Anfangszeiten ist das Kuze längst nicht mehr. Zeiten ändern sich. Heute gibt es ein „Sorgentelefon“, dessen Nummer alle Anwohner haben, falls es doch mal zu laut wird, ein Trennzaun auf dem Hof sorgt dafür, dass sich keine größeren lauten Gruppen bilden, und die Konzerte enden und beginnen meistens rechtzeitig.

Der freie Eintritt wird hart verteidigt - und wenig gewürdigt

Aber, und das ist eben die andere Seite, immerhin gibt es jetzt jeden Abend eine Tresenschicht, die den Laden schmeißt. Das war nicht immer so, noch vor zwei Jahren hatte das Kuze plötzlich den Ruf, ein weiteres Feldbett in einer Schlafstadt zu sein – das Licht blieb oft abends aus, die Kneipe zu. Immer weniger hatten Lust, sich abends noch unbezahlt an den Tresen zu stellen, oft haben Bachelor-Studierende auch gar keine Zeit mehr dazu. Für Engagement und Ehrenamt sind tendenziell schlechte Zeiten angebrochen. Und auch im Kuze merken sie, dass der so eisern verteidigte freie Eintritt gar nicht für mehr Besucher sorgt: Was nichts kostet, kann auch nichts wert sein, scheinen viele zu denken. Es ist eine komische Welt geworden, in der der Mainstream auf die Brieftasche schielt.

 

Ins Stocken gerät inzwischen trotzdem nichts mehr, auch wenn keine Freiwilligen die Türen des Kuze einrennen, gibt es derzeit ausreichend Ehrenamtler. Und manchmal wird eine Tresenschicht auch zum Erfolgsrezept: Den „Rock’n’Roll-Tresen“ von Michael Schallert, Steffen Brumme und René Dohrmann gibt es seit drei Jahren an einem Samstag im Monat, und jedes Mal ist das Kuze voll, oft bis an den Rand der Kapazitäten – dann müssen eben Stars wie die Berliner Band Rotor unter falschem Namen spielen, um den Abend unter Kontrolle zu halten.

 

Die Bands kommen alle gern wieder, heißt es, auch wenn man im Kuze kaum was verdienen kann. Dass das so ist, liegt aber vielleicht gar nicht an der Organisation, am Charme, an der Herzlichkeit – sondern einfach am Essen. „Fuddern wie bei Muddern“ heißt das Rezeptheft, das es zum zehnjährigen Jubiläum gegen eine Spende geben wird und das Rezepte wie Rotkohl-Buletten und vegane Tote Oma enthält. Angeblich bringen manche Bands ihre Tupper-Dosen mit zum Konzert. Aber vielleicht ist das ja auch nur eines dieser Gerüchte, die nach so vielen Jahren einfach entstehen müssen.

 

Erschienen in der PNN vom Opens external link in new window28.11.2015 auf Seite 2

 

 

 

 

Das Publikum sagt, wo es langgeht

Im studentischen Kulturzentrum (Kuze) wird am Freitag das fünfte Potsdamer Improvisationstheater-Festival eröffnet

 

Von Volker Oelschläger

 

Innenstadt. Mit einem klassischen Fünfkampf wird am Freitag, 30.Oktober, um 20.15 Uhr das fünfte Potsdamer Impro-Theaterfestival im studentischen Kulturzentrum (Kuze) eröffnet. Mit den spannendsten, berührendsten und aktuellsten Geschichten ringen fünf Improvisateure um den Titel „Meister des Abends“. Dabei dreht sich alles um die Zahl Fünf und natürlich die Gunst des Publikums. Das Improtheater-Festival präsentiert eine der schnellsten und wendigsten Kunstformen: Die Darsteller arbeiten ohne vorherige Probe, allein inspiriert durch die Vorschläge und Zurufe des Publikums. 

Aber „keine Angst, in Ruhe zuschauen ist auch erlaubt“, sagt Thomas Jäkel, der künstlerische Leiter des Festivals. Zur Jubiläumsausgabe steht unter dem Motto „Die Quintessenz der 5“ die Fünf im Vordergrund. Fünf Shows werden sich allein am Eröffnungswochenende mit dieser Zahl befassen. Die inspirierende Kraft der Fünf wird am Sonnabend, 31. Oktober, um 20.15 Uhr vom Berliner Impro-“Theater ohzne Probe“ (TOP) offengelegt. Fünf Ort, fünf Charaktere und fünf verschiedene Zeiten sollen sich durch die Geschichten dieses Abends ziehen. Um 22.15 Uhr geht das TOP in einer Late-Night-Show mit Gästen in die zweite Runde. Begrüßt wird der Genre-Spezialist John Remak, der in San Francisco bereits seit 20 Jahren mit komplett improvisierten Theaterstücken in wechselnden Stilen vom Autorentheater bis zum Broadway-Musical begeistert. Remak improvisiert in diesem Jahr erstmals in Europa. 

Am Sonntag, 1. November, um 20.15 Uhr wird Remak in „Take 5 Stories“ mit weiteren Darstellern fünf Szenen improvisieren. „Fragments of Life“ ist der Titel des nächsten Improabends am Montag, 2. November, mit der aus Tel Aviv stammenden Inbal Lori. Die Show beginnt um 20.15 Uhr mit einem Publikumsgespräch über Lebensträume, Wünsche, Ängste. 

Das zweite Wochenende steht ganz im Zeichen des „Bachelor of Impro“: Fünf studentische Improgruppen wetteifern in verschiedenen Kategorien um den Publikumspreis „Bachelor of Impro“. Jede Gruppe bringt ein eigenes improvisiertes Bühnenformat mit nach Potsdam, wo es zusammen mit Spielern der anderen Gruppen auf die Bühne gebracht wird. Mit dabei sind in diesem Jahr Uniater Impro (Potsdam), HSP (Münster), Rababakomplott (Jena), Notausgang (Berlin) und Freilos (Wien).

 

Erschienen in der MAZ vom 28.10.15 auf Seite 22 ( Tipps und Termine )

 

 

 

IMPRO IM KULTURZENTRUM KUZE

Nicht zu ernst, bitte

von Theresa Dagge

 

Das Impro-Festival des studentischen Kulturzentrums Kuze feiert fünften Geburtstag.

 

Je blöder die Ideen, desto blöder die Szenen auf der Bühne. So fasst Thomas Jäkel die impulsgebende Rolle des Publikums zusammen. Jäkel ist künstlerischer Leiter des Impro-Festivals im studentischen Kulturzentrum Kuze – und moderierte am Freitagabend die Eröffnungsshow. Und das so unterhaltsam wie ein Showmaster. Er entscheidet über das Format der Darstellung: Soll gesungen oder getanzt werden? Soll es ein Gedicht oder gleich ein ganzer Heldenepos sein? Was genau geschieht, entwickelt sich dann natürlich erst im Spiel auf der Bühne. Das Publikum aber ruft Schlagworte in den Raum, die das Grundgerüst der Geschichte bestimmen. So soll eine Darstellerin eine spontane Rede über Horst Seehofer, Pegida und Nazis halten.

 

Ohnehin beweist der Abend, dass politisch brisante Fragen die Potsdamer Zuschauer umtreiben. Mehrfach wünscht sich das Publikum Themen wie die Flüchtlingskrise oder TTIP.

 

Jäkel klammert diese Vorschläge zumeist vorsichtig, aber bestimmt aus, entscheidet sich stattdessen für simplere Ideen. Vollkommen zurecht, denn das Improvisationstheater verfällt durch seine Spontaneität leicht ins sketchhafte und eignet sich weniger, komplexe Problematiken auszubalancieren.

 

Das Festival, das in diesem Jahr vom 30. Oktober bis zum 7. November stattfindet, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Die Quintessenz der fünf“ – passend zum fünften Geburtstag, den das in Potsdam einzigartige Improvisationstheater feiert. Impro – das bedeutet spielen ohne Skript und festgelegte Handlung. Die Darsteller auf der Bühne interagieren mit den Zuschauern und verflechten deren Ideen zu Geschichten, Liedern und auch im Tanz. Das Spontane ist das Aushängeschild der Improvisation, sagt auch Sören Boller, Veranstaltungsmanager im Kuze. „Das Publikum freut sich natürlich über die Komik, die aus der Spontaneität entsteht. Es will überrascht werden.“

 

Wo das Spontane für komische Momente sorgt, steht es manchmal aber auch den Spielern im Weg. So etwa, wenn die Kollegen auf der Bühne einen guten Impuls nicht aufnehmen. „Das ist immer ärgerlich“, sagt Uwe Ulrich, Gewinner des Titels „Meister des Abends“ nach der Vorstellung. „Das Wichtigste ist, dass man fokussiert bleibt und nicht zu viele Baustellen aufmacht.“ Und tatsächlich lassen die zu komplizierten Handlungsstränge den Spielverlauf irgendwann langatmig erscheinen. Umso komischer ist es aber – und genau das ist eben nur im Improtheater möglich –, als eine Darstellerin das Problem erkennt und ausruft: „Aber das ergibt doch gar keinen Sinn!“

 

Mehr improvisiert wird am heutigen Montag – mit der Solokünstlerin Inbal Lori. Ab 20.15 Uhr im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10.

 

Erschienen in der Opens external link in new windowPNN vom 02.11.15 auf Seite 20

 

 

 

Theater mal anders: Improvisiert und spontan

Was die Darsteller spielen, liegt in den Händen der Zuschauer – Bei diesem Festival wird eine der schnellsten und kollaborativsten Kunstformen präsentiert: Improvisiertes Theater. Das Besondere an dieser Theaterform ist, dass sie ungeprobt und inspiriert durch die Vorschläge des Publikums auf der Bühne entsteht. Damit ist sie tagesaktuell, einmalig und überraschend.

 

Die Jubiläumsausgabe des Potsdamer Improtheater Festivals in diesem Jahr steht unter dem Motto „Die Quintessenz der 5“. Um diese Quintessenz des Improvisationstheaters herauszukitzeln, kommen Gruppen und Darsteller nach Potsdam, die mit dieser Vielfalt experimentieren. Nicht nur die zwei geladenen, international hochkarätigen Gäste Inbal Lori und John Remak werden das Festival bereichern. Auch das weitere vielfältige Programm verspricht Abwechslung. In der Eröffnungsshow wird in einem klassischen Impro-Fünfkampf der Meister des Abends ermittelt. Mit spannenden und aktuellen Geschichten ringen fünf Improvisateure um den Titel. Ein weiteres Festivalhighlight ist der Bachelor of Impro, bei dem fünf studentische Gruppen aus verschiedenen Regionen zusammen kommen, um sich den Publikumspreis in verschiedenen Kategorien zu ergattern. Die Zuschauer erwartet ein abwechslungsreiches Programm, das die vielfältigen Möglichkeiten des improvisierten Theaters widerspiegelt. M. Lückenhaus

 

5. Potsdamer Improtheater Festival, 30.10.-7.11., Kuze, Hermann-Elflein-Str. 10, Eintritt: 7 Euro, erm. 4 Euro, 5er-Ticket 30 Euro, erm. 18 Euro, www.improfestival-potsdam.de

 

Erschienen in der Opens external link in new windowEVENTS-Ausgabe vom November 2015 auf Seite 54

 

 

 

5. Potsdamer Improfestival

Die Jubiläumsausgabe steht unter dem Motto „Die Quintessenz der fünf“. Mit der „Quintessenz“ möchte das Festival in diesem Jahr einerseits die Jubiläumszahl „Fünf“ in den Vordergrund stellen, andererseits die Quintessenz des improvisiertes Theaters herauskitzeln. Gruppen und internationale Improspieler werden nach Potsdam eingeladen, um mit dieser Vielfalt experimentieren zu können. Die Zuschauer erwartet ein abwechslungsreiches Programm, dass auch die Vielfalt der unterschiedlichen Formen der Improvisation zeigt. Und auch in diesem Jahr gibt es wieder den freundschaftlichen Wettstreit „Bachelor of Impro“, bei dem studentische Improtheatergruppen aus verschiedenen Regionen um die Publikumspreise wetteifern. Jede Gruppe bringt ein eigenes improvisiertes Bühnenformat mit nach Potsdam. Dieses wird dann zusammen mit anderen Gruppen auf die Bühne gebracht. Das besondere an einem Improtheater ist, dass es ungeprobt und inspiriert durch die Vorschläge des Publikums auf die Bühne gebracht wird. Bis 7. November.

 

Erschienen im Magazin Opens external link in new windowFriedrich vom November 2015 auf Seite 14

 

 

 

 

“Wir wollen nicht viel mehr als die Welt retten”: Das Potsdamer Improtheater Festival hat Geburtstag

Dieses Jahr zelebriert das Potsdamer Improtheater Festival seinen fünften Geburtstag. Unter dem Motto „Die Quintessenz der 5“ feiert es mit spannenden Gästen und jeder Menge Kreativität jegliche Spielarten dieser speziellen Theaterform. Ein Interview. Von Angelina Schüler.

 

 

Es kühlt sich ab in Potsdam. Zum Glück bin ich im warmen Büro des Studentischen Kulturzentrums (KuZe) und schaue auf die Programmtafel. Jedes Mal sind die Spalten für Veranstaltungen proppevoll. Sören Boller, Verantwortlicher für den vollen Terminkalender und Mitglied im Organisationsteam des Festivals, räumt mir einen Sitzplatz frei. Ich mag das kreative Chaos, das irgendwie auch etwas mit Improvisation zu tun hat.

 

speakUP: Was ist das Potsdamer Improtheater Festival und wodurch grenzt es sich von anderen Festivals ab?

 

Sören: Das Impro Festival sind neun Tage, an denen wir verschiedenste Arten des Improvisationstheaters nach Potsdam holen und im KuZe zeigen. Wir haben einzelne Spieler_innen, einzelne Gruppen und internationale Stars eingeladen. Es grenzt sich durch viele Sachen ab. Einmal ist es das einzige Improtheaterfestival in Brandenburg. Außerdem grenzt es sich durch den Ort ab. Denn es ist ein nicht-kommerzielles Festival, das durch die Unterstützung der Studierenden und den Partner_innen zu günstigen Konditionen angeboten werden kann. Die studentische Fokussierung ist bei uns das Besondere. Zum Beispiel findet am zweiten Wochenende der Bachelor of Impro statt, bei dem studentische Improgruppen aus Deutschland und Österreich miteinander spielen. Bei unseren internen Workshops tauschen sich die jeweiligen Gruppen aus und unterrichten ihre Improformate, was ganz außergewöhnlich ist. Normalerweise buchen wir Trainer_innen, doch die Gruppen trainieren sich diesmal gegenseitig.

 

speakUP: Das klingt alles sehr vielschichtig. Wann habt ihr denn mit der Planung eures Festivals angefangen?

 

Sören: Das ist schwer abzugrenzen, weil wir viel aus den vorherigen Jahren mitnehmen. Dieses Jahr hatten wir die ersten Ideen im April.

 

speakUP: Was habt ihr euch denn für euer Jubiläum überlegt?

 

Sören: Das Festival soll generell die Leute herauslocken und zeigen, was Improtheater alles kann. Wir wollen hochklassige Sachen, aber auch verschiedene Stilrichtungen zeigen. Davon wollen wir in diesem Jahr nochmal die Quintessenz herauskitzeln. Das ist auch unser diesjähriges Motto. Unsere beiden Stargäste in diesem Jahr sind Inbal Lori aus Israel und John Remak aus San Francisco. Inbal Lori wird am Montag (02. November) mit einer Solo-Impro zu sehen sein, was sehr ungewöhnlich ist. Sie wird ein Impro-Stück ganz allein auf der Bühne präsentieren. John Remak wird in zwei Shows zu sehen sein. Einerseits am Samstag (31. Oktober) in der Late Night Show ToPs und Gäste vom Theater ohne Probe. Dort kann man auch die Menschen hinter der Figur auf der Bühne kennenlernen. Zwischendurch werden Impro-Szenen gespielt, die vom Interview inspiriert wurden. Einen Tag später wird John Remak bei Take 5 Stories Regie führen und mit fünf englischsprachigen Impro-Künstler_innen aus Berlin fünf Geschichten improvisieren. Wie genau das aussieht, wissen wir noch nicht.

 

speakUP: Was hat sich in fünf Jahren Improtheater Festival bewährt und was hat sich geändert?

 

Sören: Bewährt hat sich auf jeden Fall der Bachelor of Impro. Wir haben gemerkt, dass es für alle Teilnehmer_innen eine großartige Zeit ist, sich dort mit anderen Leuten zu treffen und auszutauschen. Auch für das Publikum ist es toll. Es entstehen großartige Sachen und die Leute genießen es unheimlich, was da auf der Bühne passiert. Deswegen behalten wir das auch bei. Wir haben allerdings den Modus etwas geändert. Dieses Jahr bringen die Gruppen spezielle Bühnenformate mit, die sie den anderen beibringen. Uniater, die Potsdamer Improgruppe, präsentiert dieses Jahr ihr neues Format Mechanik des Seins. Wir sind außerdem dabei geblieben, dass wir einen oder mehrere Hauptacts buchen. Wir haben früher das Festival mit sehr vielen Einzelspieler_innen bestritten und für jede Show einen eigenen Cast zusammengestellt. Jetzt versuchen wir, mehr mit Gruppen zu arbeiten. Das verringert den Organisationsaufwand deutlich und außerdem ist ein etabliertes Format dadurch gesichert.

 

speakUP: Wir haben jetzt viel über euer Festival geredet. Warum habt ihr euch generell für Improtheater entschieden?

 

Sören: Improtheater ist immer anders und es bleibt stets spannend. Das ist das Tolle daran. Wir wissen im Prinzip überhaupt nicht, was passieren wird. Jedes Mal, wenn ein neues Stück entsteht, entsteht es live auf der Bühne und zusammen mit dem Publikum. Je nachdem, wer da ist und wie die Stimmung ist, entsteht etwas gemeinsames Neues. Und das wird es nur an diesem Abend geben. Es ist nicht reproduzierbar. Wir können es auch nie wieder haben. Es ist so schön, dass wir dieses im Moment sein, das wir oft in unserem Leben vermissen, weil wir immer vorausplanen, beim Improtheater tatsächlich sogar müssen. Wir müssen den Moment genießen, denn der kommt garantiert nie wieder. Das ist ein Reiz, der nur in dieser Kunstform vorhanden ist. Darum geht es: Das Hier und Jetzt zu erleben.

 

speakUP: Was sind eure Wünsche für das Jubiläum und darüber hinaus für das zehnte Jubiläum?

 

Sören: (lacht) Das zehnte Jubiläum! Unser Wunsch für dieses Jahr ist natürlich, dass der Theatersaal aus allen Nähten platzt und alle Shows ausverkauft sind. Und dass die Leute denken: „Das also ist Improtheater. Davon hätte ich gerne mehr.“ Für die nächsten Jahre hoffen wir wieder auf gute Kooperationen und Unterstützung, damit wir die „Marke“ Potsdamer Improtheater Festival weiter festigen können. Außerdem wird die Welt sowieso durch Improvisation immer besser. Impro heißt „Ja“ sagen, kooperieren und gemeinsam etwas aufbauen. Das sind Werte, die wir uns mehr in der Welt wünschen. Insofern wollen wir natürlich nicht viel mehr als mit Improtheater die Welt retten. Diesem Ziel wollen wir in fünf Jahren ein Stück näher gekommen sein.

 

Der Artikel ist erschienen bei Opens external link in new windowspeakup.to am 28.10.15.

 

 

 

 

Das Potsdamer Improtheaterfestival feiert mit seiner fünften Ausgabe Jubiläum und erforscht unter dem Motto „Die Quintessenz der fünf“ die Vielfalt einer faszinierenden Kunstform

Improtheater – das bedeutet, den Sprung ins kalte Wasser immer wieder zu wagen und sich dabei das Wasser auch noch vorstellen zu müssen. Requisiten gibt es meistens wenige und bis auf ein Thema oder ein paar Stichworte nichts, das vorher festgelegt ist. Improtheater bedeutet, dass sich ein paar Leute spontan aufeinander und auf ein vorher unbekanntes Thema oder Stichwort aus dem Publikum einstellen und daraus aus dem Stegreif Szenen oder ganze Geschichten entwickeln. Eine Kunst, die man nicht bis ins Letzte erlernen kann und die doch gelernt sein will, in ständiger Übung.

 

Der Improvisationskunst „auf die Quintessenz“ gehen


Diese wohl offenste Theaterform wird in Potsdam einmal im Jahr ausgiebig gefeiert. Da sich das Fest zum fünften Mal jährt, die Fünf sich hervorragend für Jubiläen eignet und auch symbolisch einiges hergibt, ist das diesjährige Improtheaterfestival nicht nur Jubiläumsausgabe, sonder eben dieser Zahl gewidmet. 

Wenn die Theatersportler am Freitag, den 30. Oktober in den Startlöchern stehen, um eine Woche lang das Improtheater zu feiern, geschieht das unter dem Motto „Die Quintessenz der fünf“. Daraus ergibt sich eine weitere Bedeutungsebene: Das Festival will zugleich erforschen, was der Kern des Improtheaters, eben die Quintessenz ist. Viele Gruppen aus ganz Deutschland und auch internationale Improspieler werden nach Potsdam eingeladen, um die Vielfältigkeit dieser Kunst zu zeigen, das Gemeinsame und das Gegensätzliche zu finden.

 

Zwei Festivalwochenenden: Vom Fünfkampf bis zum „Bachelor of Impro“

 

Am ersten Wochenende wird es fünf Shows rund um die Zahl Fünf geben. Zunächst gibt es einen Fünfkampf unter fünf ImprovisateurInnen um den Titel „Meister des Abends“. Hernach gibt es eine Show des Festivalensembles „Theater ohne Probe“ um fünf Orte, fünf Charaktere und fünf Verschiedene Zeiten, sowie eine Latenightshow, ergänzt durch die zwei internationalen Stars der Improszene, Inbal Lori aus Israel und John Remak aus San Francisco. 

Am zweiten Festivalwochenende, am 6. Und 7. November, findet wie bisher jedes Jahr im Rahmen des Festivals der freundschaftliche Wettstreit „Bachelor of Impro“ statt, bei dem studentische Improtheatergruppen aus verschiedenen Regionen um die Gunst des Publikums werben. Der „Bachelor of Impro“ wird je nach Beifall in unterschiedlichen Kategorien verliehen.


Spontan, aber nicht oberflächlich


Jede der teilnehmenden studentischen Gruppen bringt ein eigenes improvisiertes Bühnenformat mit nach Potsdam, wo es zusammen mit Spieler_Innen der anderen Gruppen auf die Bühne gebracht wird. Mit dabei sind in diesem Jahr uniaterIMPRO (Potsdam), HSP (Münster), Rababakomplott (Jena), Notausgang (Berlin) sowie Freilos (Wien). Die Themen der Gruppen reichen von philosophischen zu zeitaktuellen und politischen Fragen und verraten bereits, was Improtheater bei aller Spontaneität sicher nicht ist: Oberflächlich.

 

Artikel erschienen als Tipp der Redaktion auf Opens external link in new windowberlinonline.de am 28.10.15

 

 

 

 

 

Die Quintessenz der Improvisation 5. Potsdamer Improfestival im Kuze

Die Jubiläumsausgabe des diesjährigen Potsdamer Improtheater Festivals steht unter dem Motto „Die Quintessenz der 5“. Mit der Quintessenz wolle das Festival sowohl die Jubiläumszahl Fünf in den Vordergrund stellen, als auch die Quintessenz des improvisierten Theaters herauskitzeln, erklären die Veranstalter. Das Improtheater Festival präsentiert eine der schnellsten und kollaborativsten Kunstformen: improvisiertes Theater. Auf der Bühne entstehen die Inhalte durch das Zusammenspiel von Schauspielern und Zuschauern, die ihre Ideen einbringen.

 

„Beim Improtheater steht für uns im Vordergrund, Menschen zusammenzubringen. Aber keine Angst, in Ruhe zuschauen ist auch erlaubt“, erklärt Thomas Jäkel, künstlerischer Leiter des Festivals. Die Veranstalter präsentieren am ersten Wochenende ab dem 30. Oktober fünf Shows rund um die Zahl  Fünf mit einem Festivalensemble, dem Theater ohne Probe und den beiden international hochkarätigen Stargästen Inbal Lori und John Remak. „Die Zuschauer erwartet ein abwechslungsreiches Programm, das auch die Vielfalt der unterschiedlichen Formen der Improvisation zeigt“, sagt Sören Boller, Organisator des Improtheater Festivals. Beim „Bachelor of Impro“ kommen am zweiten Festivalwochenende fünf studentische Improgruppen aus verschiedenen Regionen zusammen, um im gemeinschaftlichen Wettstreit den Publikumspreis „Bachelor of Impro“ in verschiedenen Kategorien zu ergattern. Jede Gruppe bringt ein eigenes improvisiertes Bühnenformat mit nach Potsdam, wo es zusammen mit Spielern anderer Gruppen auf die Bühne gebracht wird. Mit dabei sind in diesem Jahr uniaterImpro (Potsdam), HSP (Münster), Rababakomplott (Jena), Notausgang (Berlin) sowie Freilos (Wien).

 

Der US-amerikanische Langform- und Genre-Spezialist John Remak von der Gruppe Bats Improv aus San Francisco improvisiert in diesem Jahr zum ersten Mal in Europa. Seit über 20 Jahren begeistert er das Publikum in San Francisco mit komplett improvisierten Theaterstücken im Stile von Autorentheater. Für das Potsdamer Festival führt John Remak exklusiv Regie bei „Take 5 Stories“. Die aus Tel Aviv stammende Inbal Lori hat sich als energetische, kraftvolle und doch sensible Impro-Schauspielerin in Deutschland und Europa einen Namen gemacht. In ihrem Solostück „Fragments of Life“ schlüpft sie gekonnt in alle Rollen, die sich in der Improvisation auftun. „Natürlich überrasche ich mich auch selbst immer wieder, was für Geschichten ich da in mir finde“, kommentiert sie die Frage nach dem kreativen Prozess in der Solo-Improvisation. Ihre Show beginnt mit einem Gespräch: Unbefangen und zugleich intensiv unterhält sich Inbal mit einem Zuschauer im Publikum über Lebensträume, Wünsche und Ängste. Dieser persönliche Austausch ist die Inspiration für das improvisierte Geschehen, das Inbal im Anschluss auf die Bühne bringt. PNN

 

Potsdamer Improtheater Festival vom 30. Oktober bis 7. November im Studentischen Kulturzentrum Potsdam; Karten kosten 7 Euro, ermäßigt 4 Euro. Näheres unter www.improfestival-potsdam.de

 

Einmal auf Mehr und zurück

Die Potsdamer Band Bullgine veröffentlicht ihr Debüt „Creating Ripples“. Am Freitag ist die Record-Release-Party im Kuze


Was laut wird, beginnt mit einem zarten Rauschen: Wellen, die in einem gleichmäßigen Rauschen auslaufen. Dieser meditative Sog dient nicht nur als Intro, sondern markiert auch den Rahmen, in dem sich die Band auf ihrer ersten EP „Creating Ripples“ bewegt – das Meer als Sehnsuchtsort, die Unendlichkeit des Wassers als kreative Balance. Nun mag der Metaphorik des Meeres ab und an etwas Abgedroschenes anhaften, muss sie doch allzu oft für irgendetwas herhalten. Für die Potsdamer Band, die im Namen schon die Bezeichnung für einen dampfbetriebenen Motor trägt, zu einer Zeit, als Dampfschiffe die Segelschiffe ablösten, passt diese aquatische Bildsprache jedoch perfekt.

 

Dabei sind die fünf Musiker von Bullgine alles andere als eine Freddy-Quinn-Cover-Band, der man in Hafenkneipen begegnen würde, mögen sie sich selbst auch gern in einer matrosenhaften Ironie darstellen. Musikalisch wird eher eine Postrock-Schiene mit Progressive-Elementen gefahren, die sich in atmosphärischen Geschichten und einem dichtem, verspielten, latent brachialen Sound äußert, der immer wieder von einlullendem Gesang getragen wird.

 

Am Freitag gibt das Quintett um den Bassisten Marcel Raven, Gitarrist Otto Breit, Mastermind und Leadgitarrist Georg Käppler, Sänger Rainer Schönherr und Schlagzeuger Andreas Schulze ihre Record-Release-Party im studentischen Kulturzentrum Kuze, einem der wenigen kulturellen Hotspots, die sich noch sattelfest in der Innenstadt halten. Der Laden, der für Montagskultur und Rock’n’Roll-Tresen berühmt ist, wurde nicht zufällig gewählt: Die Location stand schon fest, bevor die Aufnahmen fertig auf Band waren.

 

Keine Überraschung natürlich, dass das Cover des Debüts in Blau gehalten ist, schließlich ist der Blick auf den Ozean Programm. Doch auch das aquafile Songwriting zieht sich wie ein roter – Verzeihung: blauer – Faden durch die sechs Songs, die wieder mit einem Meeresrauschen enden. Ein Konzeptalbum? Als „einmal aufs Meer und wieder zurück“ könne man die EP schon verstehen, sagt Sänger Schönherr. „Wir bedienen uns aber auch der Seefahrt-Metaphorik, um darin aktuelle Themen zu verpacken.“ Hört man das auch?

 

Und wie: Gleich im ersten Song „Downside Up“ – mit dem Bauch nach oben, was wohl für Fische, Schiffe und Matrosen dasselbe bedeutet – gibt es einen deutlichen Shanty-Einfluss zu hören. Wir verlassen den Hafen und schnell wird aber deutlich, wohin sich das Schiff bewegt: Gleich zu Beginn der Reise wird es dramatisch. Das zweite Stück „The Hullton Mowl-Uffan File“ ist ein akzentuierter, kurzer Song, bei dem der Gesang immer an der Heiserkeit kratzt. Im Track „Sharks“ dagegen stark elegische Elemente, die die Zeit bis zum Zerreißen dehnen – weit weg vom langweiligen Viervierteltakt. Dieses Hymnische passt sich natürlich ins Konzept der Band ein, was bis zum positivistischen, von Dur durchtränkten Songs wie „Alive“ führt, der geradezu popmusikalische Bausteine verwendet.

 

Dahinter steckt aber auch viel kompositorische Arbeit, etwa beim Schlagzeug, dass darum bemüht ist, nicht zu sehr in den Vordergrund zu geraten, sondern das Zusammenspiel der Gitarren zu stützen. Bullgines Dynamik liegt nicht in den großen, strukturellen Überraschungen: Die Songs sollen sich entwickeln, sollen nachhallen. So entstehe die Musik auch immer lange vor den Texten, außerdem werden die Stücke auf zwei Ebenen komponiert: „Die Songs sind zum einen für den Zuhörer, aber zum anderen auch für Musiker geschrieben“, sagt Bassist Marcel Raven. Musiker hören die Musik nämlich mit einem anderen Ohr.

 

Ganz so schnell konnte es da auch mit der Aufnahme nicht gehen, die im heimischen Proberaum gemacht wurde, mit bescheidenem Equipment: „4-Kanal analog mit einer abenteuerlichen Verkabelung“, wie Gitarrist Käppler sagt. Allerdings sei man im Proberaum auch nachlässiger als im Studio. Die ersten Aufnahmen entstanden bereits im März 2014, dann ging es Schritt für Schritt weiter, im Mai dieses Jahres waren dann sechs Songs so weit fertig. Und dann der Rückschlag: In den Proberaum der Musiker sowie in benachbarte Räume wurde eingebrochen, mitgenommen wurde nur, was transportabel war und möglichst teuer aussah – der Rest wurde durch die Gegend geworfen, die Gitarren lagen im Raum verteilt herum. Diese Respektlosigkeit sei eigentlich das Schlimmste gewesen, das Equipment sei versichert gewesen – auch wenn der Ersatz bürokratisch ist und noch ewig dauern wird. Die anderen Bands hatten weniger Glück.

 

Jetzt geht der Blick aber wieder geradeaus, zunächst steht das Konzert an, was nach so viel stickiger Luft im Proberaum ersehnt wird. „Beim Songwriting hat bei uns eine gewisse Routine eingesetzt, aber live haben wir noch Luft nach oben“, sagt Käppler. Das Beste aber sei immer noch, einen Song zum Arbeiten zu haben, gibt er zu. Am Ende wird es die Band also doch wieder in den sicheren Hafen namens Proberaum ziehen.  

 

von Oliver Dietrich

 

Nicht nur ein Schiffsmotor

RECORD-RELEASE der Potsdamer Band Bullgine


Bullgine- das ist nicht nur ein alter amerikanischer Schiffsmotor, sondern auch der Name einer Potsdamer "Post-Rock"-Band. Und "nomen est omen" bei Bullgine. "Wir wollten einen Namen, der zu unserer Musik passt", erzählt Gitarrist Otto. "Und Bullgine drückt die Kraft aus, die dahinter steckt." Zum Power-Sound tragen die verschiedenen Einflüsse der Bandmitglieder bei. Sänger Rainer zum Beispiel hat schon in Metal-Combos das Mikro geschwungen, Otto war musikalisch im Bereich Ska-Punk tätig. In Ihren Songs greifen Bullgine gern alltägliche Probleme Potsdamer Musiker auf. In "Sharks" geht es um die schwierige Proberaumsituation in der Stadt, etwa als letztes Jahr zahlreiche Räume auf dem Brauhausberg wegfielen. Zu "The Hullton Mowl-Uffan File" wurden die fünf Jungs von ihren Erfahrungen mit dem Potsdamer Nachtleben inspiriert: Hier verarbeiten sie ihr Erlebnis, nach anstrengender Probe nirgendwo mehr das wohlverdiente Feierabendbier bekommen zu haben. Am 25. September stellen Bullgine ihr erstes Album "Creating Ripples" vor. Die Record-Release-Party findet im KUZE in Potsdams Hermann-Elflein-Straße statt. Einlass ist um 20 Uhr. Musikalische Unterstützung bekommen Bullgine von New Meat. Für alle, die sich den "Kraft-Rock" der Band auch zu Hause auf die Ohren geben möchten, haben die Jungs natürlich die frisch gepresste Scheibe im Gepäck. Wer das Konzert verpasst, kann die CD zukünftig außer bei weiteren Gigs auf der Homepage und bei "Silverspeed Records" in der Lindenstraße in Potsdam kaufen.

 

Von Stefan Kahlau

Die Hölle ist ein Kaff in Sachsen-Anhalt

André Herrmann las im Kuze aus seinem Roman „Klassenkampf“

 

Wie fängt man ein Buch an, das den Bogen von einer verkorksten Jugend als anhaltinisches Landei bis zum gescheiterten Potsdamer Germanistik-Studenten schlägt? Am besten so: „Dem Geruch nach zu urteilen, war ich bereits vor drei Wochen auf tragische Art und Weise verstorben. Reglos lag ich auf der Couch in meinem Zimmer. Ich war am Ziel. Sofort nach meiner mündlichen Abiprüfung war ich in eine andauernde Starre verfallen, seit Tagen hatte ich mich nicht mehr bewegt.“

 

Der Leipziger Autor André Herrmann hat mit seinem Debütroman „Klassenkampf“, aus dem er am Montag im studentischen Kulturzentrum Kuze las, nicht nur ein Generationenporträt geschaffen, sondern eines der erfrischend witzigsten Bücher überhaupt. Glücklicherweise hebt sich der Leipziger Duktus der Lesebühnen schon seit Langem wohltuend vom Einheitsbrei der übrigen Slammer ab, die unisono in derselben Stimmlage ihre Pointchen verpacken – das hat Herrmann nicht nötig: Seine Geschichten leben von Eloquenz und gut dosierter Rhetorik. Wie er seine Figuren im tiefstanhaltinischen Dialekt losquasseln lässt – „Aldr, die hamm üübelst ’n Rad ab!“ – noch dazu onomatopoetische Spitzen – „Krrz, Kch, Krr!“ – dazwischenwirft, wie sie sonst nur in Comicheften zu finden sind, erzeugte anhaltendes Gelächter. Überhaupt hat man den Theatersaal des Kuze noch nie so brechend voll erlebt – was bestimmt auch daran lag, dass Herrmann zwei Wochen zuvor Gast in der „PotShow“ im Spartacus bei Marc-Uwe Kling war, der sich ja über einen Gästemangel noch nie beklagen konnte. Vielleicht ist das ja ein bisschen Aufwind für die – was Besucherzahlen angeht – manchmal schwächelnde Montagskulturreihe im Kuze.

 

„Irgendwie ist das Buch ja auch in Potsdam entstanden“, sagt Herrmann. 2012 war er schon mal bei der „PotShow“ und las Kurzgeschichten, bis Sebastian Lehmann und Marc-Uwe Kling – der im Roman als Marc-Udo Kling verewigt ist – auf ihn zukamen: „Schreib bloß ein Buch!“ Genau das hat Herrmann nun gemacht: Bis auf zwei Zeitsprünge erzählt der knapp 400-seitige Roman, der auch als Hörbuch erschienen ist, chronologisch von 2005 bis 2014 die Geschichte des Protagonisten André Herrmann – Achtung, Autobiografiefalle! –, mehr Überlebenskünstler als Student, den es immer wieder in sein Geburtskaff in Sachsen-Anhalt zurückzieht.

 

Dort trifft er nicht nur auf alte Freunde wie den unberechenbaren Maik und dessen imaginären Zwillingsbruder Mirko, oder „Victory-Micha“, der sich im Silvesterkrieg kleinen Finger, Ringfinger und Daumen absprengte, sondern auch auf alle gestrandeten Gestalten seiner Jugend, denen er widerwillig zu einem Klassentreffen begegnet: „Der Frevel aus Las Vegas wurde in eine Mehrzweckhalle in Sachsen-Anhalt verlegt.“ Diese „Kleinstadt, in der jeder eine Thunderdome-CD besitzt“, ist zugleich Hölle und Identitätsort.

 

Herrmann transportiert den anhaltinischen Lokalkolorit auf eine überspitzte Ebene, die ihre Energie durch die anarchischen Dialoge und die feinen Beobachtungen zieht: Die einzige Perspektive, die man als junger Mensch in Sachsen-Anhalt noch haben könne, sei Gangster-Rap, schreibt Herrmann etwa. Vielleicht ist das aber gar nicht der schlechteste Ort, um seine Jugend zu verbringen – zumindest wenn dabei solche Geschichten herauskommen. 

 

von Oliver Dietrich

 

Jetzt ist Ruhe

Der „Rock'n'Roll-Tresen“ geht in die Sommerpause

 

Er ist schon eine Instanz der Stadt geworden, dieser Potsdamer „Rock’n’Roll-Tresen“, der an jedem ersten Samstag im Monat zwei zünftige Rock'n'Roll-Bands auf die Bühne schickt. Jetzt heißt es erst einmal Sommerpause im studentischen Kulturzentrum Kuze, auch wenn es nicht gerade nach Sommer aussieht. Zum Abschiedskonzert am vergangenen Samstag wurde es jedoch noch einmal richtig voll: Zwei Berliner Bands waren eingeladen worden. Oddjobmen machten den Anfang, und wer danach noch nicht genug hatte, der bekam im Anschluss noch The Loranes serviert. Keine schlechte Wahl.

 

Für Oddjobmen gehört Posing zum guten Ton dazu, auch wenn die Verkleidung irgendwo zwischen seltsam und belustigend angesiedelt war: Gitarrist Behrang Alavi, der vor Kurzem noch mit seiner anderen Band Samavayo ein Gastspiel im Kuze gab, hatte sich eine Art Anglerhut tief ins Gesicht gezogen, noch witziger sah aber der Sänger aus: Wer ihm dieses Jürgen-von-der-Lippe-Gedächtnishemd im Hawaii-Look rausgelegt hatte, bleibt wohl sein Geheimnis. Musikalisch war schnell klar, wohin die Reise geht: Oddjobmen haben offensichtlich viel wertvolle Probenzeit damit verbracht, die Queens of the Stoneage zu hören – genau so klang nämlich das Ergebnis: viel atmosphärisches Teppichgeplänkel, und die Stimme des Berliners Nico Kozik ähnelte schon frappierend der Stimmlage von Josh Homme, der die Queens of the Stoneage aus dem kalifornischen Palm Desert in die ganze Welt exportierte.

 

Musikalisch ging das jedoch prima, Epigonen hin oder her. Oddjobmen waren vielleicht zu jung, um den Rock'n'Roll erfunden zu haben, aber alt genug, um ihn solide zu spielen – und zwar schön schmutzig, wie es sich gehört. Da war auch die Überraschung in Form eines Punksongs, der wohl irgendeine Coverversion sein musste, alles andere als deplatziert. Eine Extrawürdigung hat auf alle Fälle der Schlagzeuger verdient, der präzise wie ein Uhrwerk spielte und die Band in Schwung hielt. Ein feines Konzert, das zu Recht ganz viel Applaus erhielt.

 

Den bekamen aber auch The Loranes, die jedoch Rock'n'Roll der ganz anderen Machart lieferten: ein bisschen weniger energisch als die Vorgänger, ein bisschen mehr alte Schule. Und mit einem gepflegten Grunge-Einschlag, der ganz lässig auf einen Proberaum in einer Garage schließen lässt – nur dort entstehen so breite Klänge an der Schnittstelle zwischen den 80er- und den 90er-Jahren. Vielleicht hat da aber auch ein wenig das äußere Erscheinungsbild hineingespielt: Ganz in Schwarz stand das Trio auf der Bühne, und kollektiv mit Schüttelfrisur – eine Modeerscheinung, die ihren Zenit eigentlich schon überschritten haben müsste. Das musikalische Missverständnis der Generationen nach dem ursprünglichen Rock'n'Roll der alten Zeiten war ja immer der Versuch, den Blues aus der Musik auszusparen: Diesen Fehler machten The Loranes jedoch nicht. Eigentlich ein Jammer, dass diese Band spät in der Nacht ohne die verdienten Zugabe-Rufe von der Bühne gelassen wurde.

 

Es wird ein langer Sommer für die werden, die sich an diese regelmäßigen Samstage gewöhnt haben: Der nächste „Rock'n'Roll-Tresen“ ist erst wieder Anfang September geplant. Die lärmgeplagten Anwohner der Hermann-Elflein-Straße wird diese Ruhephase bestimmt nicht stören. Und für alle anderen beginnt ja nächstes Wochenende bereits die Festivalsaison: Zum Saisonauftakt beim „Rock in Caputh“ wird es auch wieder Rock'n'Roll geben. Oliver Dietrich

Erschienen in der Opens external link in new windowPNN vom 04.05.2015

 

 

 

Tucholskys Claire

„Else Weil, genannt Pimbusch“ im Kuze

 

Else Weil ist wohl eine der tragischsten Figuren der Geschichte: eine Frau mit Visionen, die zum Vorbild taugt – und dann im Strudel der Ereignisse jäh aus dem Leben gerissen. Viel weiß man heute nicht über Else Weil, nicht mal die Umstände ihres Todes sind geklärt. Aber mit einem Namen bleibt sie auf immer verbunden: Kurt Tucholsky, dessen Muse und kurzzeitige Ehefrau sie wurde und die ihm als Figur der Claire in Tucholskys Erzählung „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ diente, das 1912 im Axel Junker Verlag Berlin erschien und einer subtil-erotischen Sensation gleichkam.

 

Die Potsdamerin Mechthild Klann will am Mittwoch Else Weil aus der drohenden Vergessenheit holen: Mit ihrem Solotheaterstück „Else Weil, genannt Pimbusch“ erzählt sie die Geschichte einer der ersten deutschen Ärztinnen – ihre Bühnenpartner sind eine Reiseschreibmaschine, ein Akkordeon und eine Tabakspfeife.

 

Else Weil wurde 1889 als Tochter des jüdischen Kaufmanns Siegmund Weil und dessen Frau Franziska in Berlin geboren und begann nach dem Abitur, an der Königlichen Friedrich Wilhelms Universität Berlin – die heutige Humboldt-Universität – zunächst Philosophie zu studieren, schrieb sich aber nach nur einem Semester in das Fach Medizin ein. Eine Pionierin, sicherlich: Nach ihrer Doktorarbeit über Halluzinationen und Wahnvorstellungen bei Frauen erhielt sie 1918, im letzten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges, ihre Approbation – als eine von 90 Frauen in ganz Deutschland. 1920 heiratete sie Kurt Tucholsky, den sie knapp zehn Jahre zuvor bei einem gemeinsamen Ausflug nach Rheinsberg kennenlernte. In der Figur der Claire verewigte Tucholsky sie: Den Spitznamen sollte sie nie wieder ablegen. Lang hielt diese Ehe freilich nicht: 1924 wurden sie wieder geschieden.

 

1933, mit der Machtergreifung der Nazis, verlor Else Weil ihre Zulassung, so wie alle jüdischen Ärzte, sie legte sich ihren Geburtsnamen zu – vermutlich auch, um sich selbst mit dem Namen Tucholsky nicht zu schaden – und flüchtete 1938 schließlich nach Paris. Lange hielt die Freiheit nicht: 1940 marschierten die Deutschen in Frankreich ein, als Staatenlose wurde Else Weil im Sammellager Drancy interniert, von wo aus im September 1942 ein Zug ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geschickt wurde – ob Else Weil während der Deportation oder erst in den Gaskammern starb, ist ungeklärt.

 

„Mich hat dieses Weiterkämpfen, dieses Komische im Tragischen ihrer Persönlichkeit fasziniert“, sagt Mechthild Klann, die ursprünglich auch mal in einer Männerdomäne arbeitete: Nach dem Mathematik-Studium kam sie an das Potsdamer Geoforschungszentrum, machte später jedoch in Bochum eine Ausbildung als Figurentheaterspielerin. Das Stück über Else Weil ist ihr erstes Solotheaterstück: „Es ist nicht textlastig, viel geschieht über Bilder und Bewegungen.“ Figurentheater sei eben die Form, die ihr am nächsten sei.

Von 1910 bis 1942 ist es natürlich ein weiter Bogen, den die Biografie von Else Weil spannt. Das Stück beginnt in einer alten Ziegelei, wo Else Weil mit 1700 anderen Frauen interniert war, schrittweise erinnert sie sich an ihre Zeit in Berlin zurück. Grundlegend tragisch sollen diese Erinnerungen jedoch nicht werden: „Als Else Weil als Kindermädchen arbeitete, wurde eines der Kinder später ein berühmter Clown“, sagt Mechthild Klann. Oliver Dietrich

 

„Else Weil, genannt Pimbusch“ am Mittwoch, 11. März, um 20 Uhr im Kuze, Hermann-Elflein-Str. 10, weitere Vorstellungen am 14. und 15. März. Eintritt: 8, erm. 6 Euro.

 

Erschienen in der Opens external link in new windowPNN vom 10.03.2015

 

 

 

 

2014                             

“Nichts hält so lange wie ein Provisorium”: Das 4. “Potsdamer Improtheater Festival” im KuZe

Computer, E-Mails, Internet und viel Theater – das diesjährige Potsdamer Improvisationstheater Festival verbindet digitale Medien mit analogen Kunstformen. Vom 14. bis zum 22. November wurde dabei im Studentischen Kulturzentrum Potsdam (KuZe) getreu dem Motto „Impro verlinkt“ mit und durch das Internet Improtheater gespielt. Von Kyra Brandt.

Wir befinden uns im Wissenschaftsjahr 2014, dessen Thema „die digitale Gesellschaft“ ist. Aus diesem Anlass steht das diesjährige Potsdamer Improtheater Festival unter dem großen Thema des World Wide Webs und will damit zeigen, dass die Kunstform des Improvisationstheaters nicht an der technischen Entwicklung vorbei geht, sondern – ganz im Gegenteil – den Link in neue Medien spielend schafft.

Wie auch in den vergangenen drei Jahren wird das nicht-kommerzielle Festival vom KuZe ausgerichtet und dabei unter anderem vom Studentenwerk Potsdam und auch von studentischen Organisationen wie dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) unterstützt. Außerdem sind auch dieses Jahr wieder studentische Improgruppen aus verschiedenen deutschen Städten eingeladen, um gemeinsam Theater zu spielen. Potsdam wird dabei durch die Theatergruppe “Uniater” vertreten.

Das Licht in dem kleinen Theatersaal im KuZe geht aus und es ertönen Computergeräusche, gefolgt von der Ansage „Sie sind drin!“. Sodann erscheint Thomas Jäkel, der künstlerische Leiter des Festivals, auf der Bühne und begrüßt unter lautem Applaus das Publikum. Er eröffnet das Festival mit den Worten „Ich freue mich auf die kommenden Tage!“.

“Spezial-Impropedia” eröffnete das Festival

 

Als Eröffnungsshow gibt es dieses Jahr eine Spezial-Impropedia. Die Impropedia ist ein Theater-Format, bei dem improvisiertes Theater inspiriert von einem Gespräch mit einem Experten gespielt wird. Improvisiertes Theater heißt, es werden Szenen aus dem Stegreif gespielt, ohne vorherige Probe und nur auf der Grundlage von Ideen aus dem Publikum. Als Experte gilt bei der Impropedia jeder, der sich mit einer bestimmten Sache oder auf einem bestimmten Gebiet besonders gut auskennt. Zum Beispiel waren schon einmal ein Chinesisch-Experte, ein Flugzeug-Experte oder auch ein Mitarbeiter des Uniradios funkUP als Musikexperte zu verschiedenen Ausgaben der Impropedia eingeladen. Der zur Eröffnungsshow anwesende Experte ist Peer Heinlein, Gründer des Internetproviders JPBerlin und E-Mail-Experte.

Durch das Interview, das Thomas Jäkel mit ihm führt, erfahren wir unter anderem, dass das Internet, so wie wir es kennen, seit ca. 1992 existiert, das Verschicken der ersten E-Mails über Telefonleitungen geschah und in etwa zwei bis sechs Stunden dauerte. Zwischendurch spielt eine dreiköpfige Theatergruppe improvisierte Szenen mit Inspirationen aus dem Gespräch mit dem Experten. So wird ein extra für die Show mitgebrachter Akustikkoppler, ein Gerät zum Verbinden von Telefon und Computer, im Theaterspiel zu einem Schuh, einer Eule, einer Mundharmonika oder auch zu einem Designer-Hut. Außerdem illustrieren die Improspieler_innen sehr geschickt den Kommunikationsvorgang von Computern beim Verschicken von E-Mails. Abschließend verrät Peer Heinlein, dass sein Ideal-Internet das heutige Internet sei, obwohl es ein chaotisch-kreatives Konstrukt sei. Jedoch fügt er hinzu, nichts halte solange wie ein Provisorium.

Mit dem heutigen Internet improvisiert hat auch die Improgruppe „Theater ohne Probe“ (ToP) in ihrer Show „Wikipedia ohne Probe“ am zweiten Tag des Festivals. Zu Gast war dabei ein echter Wikipedia-Mitarbeiter, der die Theatergruppe durch die Seiten der Wikipedia begleitete. Die Schauspieler_innen holten sich ihre Inspirationen von Wikipedia-Artikeln und Suchbegriffen, die auf eine Leinwand auf der Bühne projiziert wurden. So erklärten sie dem Publikum in einer Szene zum Beispiel, warum ungarische Schachblumen auch auf Fußballfeldern wachsen und stellten in einer anderen dar, was es mit dem Schlagwort „Großprofilbaureihe E“ der Berliner U-Bahn auf sich haben könnte. Außerdem wurde mit bereits gelöschten, verbotenen und sogar bisher ungeschrieben Artikeln der Wikipedia Improtheater gespielt.

Highlight war Show “BETA” von Lee White

 

Der Höhepunkt des diesjährigen Potsdamer Improfestivals war ohne Frage der aus Kanada angereiste Improspieler Lee White mit seiner eigens für das Festival entwickelten Show „BETA“. Schon im Voraus war die Show ausverkauft und am Dienstagabend standen mehr Stühle als bei den übrigen Shows in dem kleinen Theatersaal des KuZe. Gespannt wartet das Publikum auf die Lüftung des Geheimnisses um diese Show. Nachdem Thomas Jäkel das Publikum begrüßt hat, ruft er Lee White auf die Bühne, der mit tosendem Applaus empfangen wird. Lee White erklärt dann, dass es sich bei der heutigen Show um ein bisher noch nie gewagtes Experiment handelt: Er wird über die gesamte Länge der Show mit einem Freund in Winnipeg, Kanada, per Skype kommunizieren und Improtheater spielen.

Auf einer Leinwand auf der Bühne wird die Skype-Unterhaltung übertragen. So verlinkt sich Lee White, der tatkräftig von einem Pianisten und einer weiteren Improspielerin unterstützt wird, wortwörtlich mit seinem Freund in Kanada und spielt mit ihm durch die Leinwand hindurch improvisiertes Theater. Wir erleben, wie ein ganz normaler Bürger auf der Fahrt zum Shoppingcenter sein Leben mit einer Königin tauscht und sehen die Geschichte einer Schwiegermutter, die uns zeigt, dass eine Familie mehr wert ist als Kerzenständer.

Getreu dem Motto „Impro verlinkt“ wurde beim diesjährigen Potsdamer Improtheater Festival die Bandbreite technischer und digitaler Möglichkeiten ausgeschöpft und mit, über und durch das Internet Improtheater gespielt. Wir haben viel dabei gelernt, herzlich gelacht und sind jetzt schon gespannt auf das nächste Improtheater Festival im kommenden Jahr.

Der Artikel ist erschienen in der Opens external link in new windowspeakUP vom 20.12.2014

 

 



Her mit der schönen Identitätskrise

 

 

von Oliver Dietrich

Es geht um das Suchen, das Finden – und um den menschlichsten Schatz des Lebens: die Liebe. Nein, keine Angst, von dem romantisierenden Blickwinkel eines Groschenromans ist Tania Witte auch im letzten Teil ihrer Berlin-Trilogie mit dem Namen „bestenfalls alles“ weit entfernt. Vielmehr verkehrt sie die emotionalen Ebenen auf ein ironisches Level: Die überzeichneten Figuren ihres Romans sind so surreal liebenswert, dass man sich schnell mit ihnen identifizieren kann. Am Montag liest die Autorin und „Zeit“-Kolumnistin aus ihrem Buch im studentischen Kulturzentrum Kuze.

 

Im Zentrum der Handlung steht Tekgül Carragher, halb Irin, halb Türkin, ausgestattet mit einem Abonnement zum Glücklichsein: Die Personifizierung des großstädtischen „melting pots“ sieht gut aus und ist erfolgreich, beschließt aber, ihren vielversprechenden Modeljob an den Nagel zu hängen, als die Zusage für einen Studienplatz an der Berliner Kunsthochschule eintrudelt.

 

Nach den Romanen „beziehungsweise liebe“ und „leben nebenbei“ ist abermals Berlin zentraler Ort in Wittes Oeuvre, ein schrilles Potpourri schräger Persönlichkeiten, deren gelebte Homosexualität sie keinesfalls zu Exoten macht: Hier wird keine Parallelwelt skizziert, sondern ein wortgewaltiges Miteinander in waschechten Identitätskrisen. Tania Witte beschreibt in ironisch verdichtetem Duktus einen Roadtrip zur Erkenntnis, dass der Weg zu sich selbst mit Stolpersteinen gepflastert ist – bis man sich ertappt, dass man sich selbst so pittoreske Identitätskrisen herbeiwünscht. Oliver Dietrich

 

Lesung am Montag, 8. Dezember, um 19.30 Uhr im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10. Der Eintritt ist frei.

 

Erschienen am 08.12.2014 auf Seite 20

 

 

Nur echt mit dem Knistern

 

von Oliver Dietrich

Stonehenge spielen am Samstag im Kuze

 

Retro heißt das Zauberwort, das durch die Potsdamer Rock-Szene geistert, und damit liegen die, die sich um das Potsdamer Bandkollektiv „Brausehaus“ scharen, ziemlich im Trend. Obwohl: Von Trend darf man dabei gar nicht reden, immerhin ist die Anlehnung an die 70er gar keine Idee, die ausgerechnet im vom damaligen Zeitgeist weitgehend abgeschnitten Potsdam entstanden ist – noch dazu von Musikern, an die in den Seventies noch gar nicht zu denken war.

 

Diese 70er-Huldigung wird in Potsdam durch Bands wie Conium, die Krautrocker Yamun oder Blues Baby Blues angefeuert – beeinflusst nicht zuletzt durch den noch recht jungen Stoner-Sound amerikanischer Bands wie Queens Of The Stoneage, Kyuss, Unida oder Clutch. Dass die Musik der 70er immer noch stilprägend ist, wird sich an der Record-Release-Party von Stonehenge – benannt nach dem englischen prähistorischen Bauwerk – am morgigen Samstag im „KuZe“ zeigen, die eigentlich gar kein richtiges Release ist. Das Album „Bunch of Bison“ erschien bereits im Februar 2013 auf CD, jetzt kommt aber die ganz dem Stil der Band angepasste Neuveröffentlichung auf Vinyl. Schon ein Grund zu feiern.

 

Der Verkauf von Vinyl boomt wieder, oftmals werden Neuerscheinungen zusätzlich oder sogar ausschließlich auf Vinyl veröffentlicht. Das Knistern von Schellackplatten passt einfach zu gut für diese Art von Musik, die sowohl gestern als auch heute eine derart mitreißende Qualität hat – und sogar verbindet: Mehrere Generationen, die sich von derselben Musik mitreißen lassen, das gab es noch nie.

 

Dabei sind Stonehenge gar nicht rückwärtsgewandt, sondern viel progressiver als erwartet. Die Rhythmen kommen mit einer Lockerheit daher, die sie zeitlos macht, lediglich der Sound ist an die Vorvorgängergeneration angelehnt. Gesang? Gibt es auch, aber eher eingestreut und fast widerwillig, hier erzählen die Instrumente: in einer Sprache, die befreit von Fremdwörtern ist, allgemeingültig, generationsübergreifend.

 

Wenn Stonehenge das Keyboard in den Vordergrund stürmen lassen, ist das beabsichtigt. Die Songs, die die Acht-Minuten-Grenze gern überschreiten, ohne langweilig zu werden, greifen die verspielte Rockattitüde auf, die sich damals als Alleinstellungsmerkmal für Jeanswesten-Langhaarige emanzipiert hat – Gitarre umarmt Keyboard, Bass umarmt Schlagzeug, heraus kommt ein psychedelischer Soundteppich. Und immer wieder Ausbrüche, die den 70er-Sound als hinfällig erscheinen lassen, wie im Song „Sun On The Asphalt“, der so gern ganz plakativ an alte Zeiten erinnern würde, dies aber doch nicht tut: zu klar, zu breit, zu durchgearbeitet – irgendwie modern.

 

Länge wäre der einzige Vorwurf, welcher der Band gemacht werden könnte, obwohl die Songs an keiner Stelle langweilen, im Gegenteil: Der Keyboard-Gitarre-Dialog ist so treffend, dass das Schlagzeug nur Zuarbeit liefern braucht und fast über den Rand kippt. Präzise sind alle der Mitglieder, und das fast ein wenig zu viel. Man mag sogar hoffen, dass die glasklare Sauberkeit des Sounds ein klein wenig durch eine Nadel gestört wird, die über das Vinyl kratzt. Wozu sonst eine Platte? Oliver Dietrich

 

Stonehenge spielen am morgigen Samstag um 20 Uhr im „KuZe“, Hermann-Elflein-Str. 10. Der Eintritt ist frei.

 

Erschienen in der PNN am 05.12.2014 auf Seite 27

 

 

"IMPRO VERLINKT" - Handy anschalten erwünscht

von Oliver Dietrich

So mancher mag noch denken, dass die Improvisationstheater eine ganz neue Erfindung sind - aber weit gefehlt: Die Wurzeln gehen sogar bis in die Antike zurück. Im 2. Jahrhundert gab es mit dem Mimus der römischen Antike volksnahes, oft zotiges Vokabular und jede Menge Raum zum Improvisieren für die Schauspieler - oft mit Gesangsnummern und Tanzeinlagen. Richtig durchgesetzt hat sich diese freie Spielform damals jedoch nicht: Zu hoch war die Kraft des Normativen, die Theatertraditionen wogen zu schwer. Bühne frei! 

 

Heute startet das Potsdamer Improvisationstheater-Festival im "KuZe".

Heutige Improtheater orientieren sich freilich nicht mehr an der Antike, sondern stellen den Spaß am Spielen und die Aufhebung der unsichtbaren Grenze zwischen Akteuren und Publikum in den Vordergrund. Und einmal im Jahr treffen sich viele Improvisateure zum Potsdamer Improtheaterfestival, das dieses Jahr unter dem Motto "Impro Verlinkt" vom heutigen Freitag bis zum Samstag, dem 22. November, im studentischen Kulturzentrum "KuZe" stattfindet.

 

Gut, dass Improtheater mit der Improvisation zu tun hat, dürfte sich leicht entschlüsseln lassen. Aber wie das genau funktioniert? Na ganz anders eben als das klassische Theater, in dem jedes Detail ausgeklügelt und sorgfältig inszeniert wird. Die Macher drehen das Prinzip eben um: Geprobt werden darf auf keinen Fall, die Geschichten entstehen aus den Vorschlägen des Publikums - und das soll natürlich beeindruckt, zum Lachen oder zum Weinen gebracht werden. Bereits zum vierten Mal gibt es das Festival im "KuZe", mit dabei sind Gruppen aus Wien, Münster, Jena, Darmstadt, Berlin und Potsdam. Und das Motto dieses Jahres, "Impro Verlinkt", zielt nicht umsonst auf das Wissenschaftsjahr 2014 ab, dass sich die digitale Gesellschaft vorgenommen hat: "Dieses Jahr wollen wir zeigen, dass die Kunstform Improvisationstheater nicht an der technischen Entwicklung vorbeigeht, sondern den Link in neue Medien spielend schafft.

 Als die Potsdamer Plattform für Improtheater präsentieren wir für dieses Jahr Formate, die digitale Themen und Techniken mit der Bühne verbinden", so der künstlerische Leiter Thomas Jäkel. Das Programm selbst ist nur inhaltlich digital, die Vorstellungen selbst sind wie gewohnt analog: Am heutigen Freitag ist Peer Heinlein zu Gast, Gründer des Internetproviders JPBerlin, Fachbuchautor und E-Mail-Papst - der "digital native" wird aber nicht improvisieren, sondern fungiert als Stichwortgeber für die Improvisierenden, die etwas aus seinen Vorgaben zur digitalen Welt des Internets zaubern werden - und mit der Gunst des Publikums Punkte sammeln müssen, um die fünf unbeantwortbaren Spezialfragen knacken zu können. Am Samstag wird dann das "Theater ohne Probe" zu den ungeschriebenen Seiten von Wikipedia improvisieren, am Sonntag "Märchen aus Nullen und Elven" mit digitalen Geschichten für Menschen ab sechs, am Abend spielen "Die Improbanden" dann mit der gesamten Bandbreite des Internets und rufen das Publikum zum Twittern auf. Und mal ehrlich: Irgendwie tröstlich, dass man im Theater sein Handy mal angeschaltet lassen kann. 

Oliver Dietrich

 

"Impro Verlinkt" beginnt am heutigen Freitag um 20.15 Uhr in der Hermann-Elflein-Straße 10. Das komplette Wochenprogramm gibt es 

Hier geht´s zur freien Szene ( Auszug )

 

Potsdam ist eine bunte und aktive Stadt, die es zu entdecken gilt. Dabei wird allerdings zu oft nur auf die „Hochkultur“ und den Tourismus geschaut. Sicher, die Parkanlagen und Schlösser sind sehenswert und auch für Studis erschwinglich. Aber in Potsdam geht es auch um Mitgestaltung. Wie soll die Stadt aussehen? Wie kann man aktiv werden? Und vor allem wo? 


Von Angelina Schüler.

 

KuZe: die studentische Initiative
Von Studierenden der Uni Potsdam in der Innenstadt ins Leben gerufen, versteht sich das KuZe als Ort, an dem man viel Kultur erleben kann (Theater, Workshops, Seminare, bildende Kunst, Musik und auch Barkultur), aber auch selbst produziert. Das offene System des KuZe wird von vielen Gruppen gern genutzt. Dabei beruht alles auf Gegenseitigkeit: Wer im KuZe mit einem Projekt aktiv wird, bringt sich auch für das ganze Zentrum ein. Bühne, Seminarraum, Proberaum, eine Siebdruckwerkstatt und Büroflächen stehen hier zur Verfügung. Wer sich also politisch engagieren möchte, mal bei einem Impro-Theater reinschnuppern will oder doch eher in die technische Richtung strebt, findet hier Ansprechpartner_innen und Profis, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ausschlaggebend für die Motivation von Sören Boller und Sabine Finzelberg, die im KuZe beschäftigt sind, sind nicht nur ihre Arbeitsverträge, sondern die Initiative an sich. Die Möglichkeiten, die man auf dem Gelände und mit den Leuten habe, seien zahlreich und bunt: „Für jeden ist das KuZe etwas anderes. Und für jeden ist etwas dabei!“ Das Selbstverständnis, eine Schnittstelle zwischen niedrigschwelligen Kulturangeboten und Hochkultur zu sein, entstehe auch aufgrund der fehlenden Angebote innerhalb Potsdams. Da das KuZe vom AStA sowie durch einen Sonderbeitrag direkt von den Studierenden genauso wie vom Studentenwerk Potsdam gefördert wird, ist es nicht unmittelbar vom Kulturabbau betroffen. Der Bedarf an freien Räumen für Künstler_innen und Aktive in der Stadt ist groß, ein Zeichen von Seiten der Politik würde vieles vereinfachen. Die Schaffung von Räumen und Förderung von Projekten liege auch in der Hand der Stadtverwaltung. Das KuZe wünscht sich weiterhin aktive Teilnehmende, die sich für die Stadt und die Kultur engagieren.
Hermann-Elflein-Straße 10
kuze-potsdam.de

 

Artikel erschienen in der SpeakUp vom 08.10.14

 

 

Zappa im „KuZe“

von Oliver Dietrich

Tarentatec huldigten dem Meister Frank Zappa

 

Eigentlich war schon der erste Eindruck schräg für ein Konzert unter dem Deckmantel des großen Virtuosen und Exzentrikers Frank Zappa: So viele junge Leute interessieren sich für einen Musiker, der höchstens in der verstaubten Plattensammlung der Elterngeneration zu erwarten gewesen wäre? Frank Zappa, ist das nicht dieser bärtige Rebell, der damals für seine Überproduktionen gehypet wurde? Klar, unglaubliche 60 Alben hatte der Sohn italienischer Einwanderer herausgebracht, obwohl er, erst knapp über fünfzig, bereits im Jahr 1993 gestorben ist. Aber was hat der eigentlich – außer dem Hit „Bobby Brown“ – gemacht?

Vielleicht war es genau diese Frage, die die Dresdner Band Tarentatec sich mitten in einer Experimentierphase gestellt hat. „Klar gab es da einen Vater, der völlig verrückt auf Frank Zappa war“, heißt seitens der Band. Und zwar der von den Geschwistern Johannes und Christian, dem sie zum 50. Geburtstag einfach ein Spontankonzert verpassten mit einigen Zappa-Hits. Und das zündete – und zwar so sehr, dass die Band sich an Zappa festbiss und Stammgast auf dem alljährlichen Zappa-Huldigungsfestival „Zappanale“ in Bad Doberan wurde und auch am kommenden Wochenende sein wird.

Aber vorher waren Tarentatec im „KuZe“ – und gaben am Montagabend das Zappa-Programm, obwohl sie auch manch eigene Songs im Gepäck hätten. Aber die zu spielen, das stand gar nicht auf dem Programm. Vielmehr waren die Kerle aus der Zeit gefallen, mit ihrem avantgardistischen 70er-Jahre-Dress: Im Batik-Look und unter Perücken nahmen sich die sechs Dresdner, die zu einem guten Teil aus Exil-Thüringern bestehen, des Meisters an. Mehr noch: In einer zappaistischen Jazzpunk-Show brachten sie ein außergewöhnlich gut gefülltes „KuZe“ mit einem glasklaren Sound zum Schwingen. Die Musik floss dabei in einer wahren Zeitlosigkeit dahin, immer wieder garniert mit den anarchistischen Ausbrüchen, die der Stempel des Ausnahmemusikers Zappa waren.

Auch wenn der bunte Haufen lustig anzusehen war, war das Programm weder eine Anbiederung noch eine halbherzige Verbeugung vor dem Original – nein, das waren schlichtweg leidenschaftliche Interpretationen, die das Auditorium zum Kochen brachten. Und wie: Minimalistische Elemente, die in dadaistischen Ausbrüchen kumulierten, sorgten für die nötige Verwunderung, dass eine so frische Band den Zappa-Duktus perfektionistisch ins Heute hievte. Inklusive aller Details: Als Zappa-Interpret braucht man unbedingt den Ausdruck von Verrücktheit gepaart mit Harmlosigkeit im Gesicht, was den Musikern einfach mal gelang.

Fast ein bisschen schade, dass in dieser Furiosität die Vorband Yamun aus dem Brausehaus-Kollektiv ein wenig verdrängt wird – obwohl sich der mit Saxofon und Querflöte intonierte jazzige Krautrock qualitativ durchaus mit den Headlinern messen konnte. Aber das sollte die Potsdamer Band an dieser Stelle nicht weiter beunruhigen: Sie wird, bestückt mit Lokalmatadoren, an anderer, angemessener Stelle im Fokus stehen. Ganz bestimmt! Oliver Dietrich

 

Erschienen in der PNN am 16.07.2014 auf Seite 24

 

 

 

Im Strudel der Absurditäten

 

Tania Witte las aus ihrer Trilogie im „KuZe“


Demnächst hat Tania Witte den Auftrag, für das „Zeit-Magazin“ den Lesern das lesbische Leben zu erklären – das lässt sie zwar den Kopf schütteln, aber sie macht es: Schließlich lebt sie von den Aufträgen, und jemand muss ja als Expertin für den Umgang mit dem queeren Leben herhalten – und das kann sie hervorragend. Am Montag war Tania Witte – Buchautorin, Journalistin, Kritikerin und Spoken-Word-Akteurin – zur Montagskultur im Studentischen Kulturzentrum „KuZe“ zu Gast, begleitet von ihren ersten beiden Büchern der Trilogie: „beziehungsweise liebe“ und „leben nebenbei“ – das Manuskript des dritten und letzten Buches der Reihe mit dem Titel „bestenfalls alles“ hatte sie am Morgen erst ihrem Verlag gegeben, im September soll es erscheinen. „Ich würde nie ein Buch kaufen, auf dem Liebe steht“, sagt Tania Witte gleich zu Anfang der Lesung, die – Frühsommer sei Dank – gleich auf dem Hof stattfindet.

Während sie vorher noch mit den ganzen Charakteren aus dem Buch allein gewesen sei, kennen ihre Leser diese mittlerweile in- und auswendig. „Das Buch sei so schwierig, weil es aus fünf Perspektiven geschrieben sei“, war eines der ersten Feedback. „Also habe ich sechs draus gemacht.“ Und was für welche: Aus dem Tenor der Beiläufigkeit skizziert Tania Witte Charaktere, die sie mit bissigen Pointen schleift. Damit gelingt ihr eine derart kraftvolle Beschreibung des Durchschnittsdeutschen, dass ihr Sujet – die schwierige Kunst des lesbischen Zusammenlebens – oftmals ganz unprätentiös aus dem Zentrum verschwindet. Bei Tania Witte ist jeder Satz ein Treffer im temporeichen Strudel der Absurditäten, sie dekonstruiert ihre Figuren mit einem liebevollen Fingerspitzengefühl, das einfach nur Spaß macht.

Frau Schäfer ist eine dieser Figuren: Sie poliert anderer Leute Leben als gut riechende Putzfrau, die sich zu Fußballspielen schwarz-rot-goldene Farben ins Gesicht schmiert und findet, dass das Erfüllen von Klischees das Gruppengefühl erhöhe. Oder etwa Marte, eine Computerspiel-Designerin mit Kinderwunsch, deren Beziehung zu Tekgül scheitert: Diese ist halb Irin, halb Türkin, eine modelnde Feministin, die eigentlich Street-Art-Künstlerin werden will. Dumm für Marte, dass Tekgül von einer Berlin-Mitte-Karrieristin abgeschleppt wird, eine koksende, reiche Upper-Class-Lesbe, die es in eine Plattenhaussiedlung in einem Vorort von Johannesburg verschlägt. Oder Clemens: ein Hetero, der nicht an Liebe glaubt, aber unbedingt ein Kind will – und sich deshalb mit Marte zusammentut. Währenddessen trauert seine Mutter, dass er nicht schwul ist, weil sie sich so einer Selbsthilfegruppe anschließen könnte. Tania Witte scheut vor nichts zurück, doch sogar die Sex-Szenen gelingen ihr so witzig und unpeinlich, dass sie fast zu philosophischen Exkursen werden.

Der Fokus liegt natürlich auf der Verlogenheit zwischenmenschlicher Beziehungen – ohne diese verurteilen zu wollen. Während andere das heteronormative Selbstverständnis attackieren, setzt Tania Witte das lieber in einen ironischen Kontext. Alle Charaktere seien frei erfunden, beteuert sie – auch wenn schon eine Leserin zu ihr kam und überzeugt war, sie habe astrein über deren Freundin geschrieben. Dabei handele es sich doch nur um Stereotype. „Das Schöne ist, dass ich kein lyrisches Ich habe“, sagt Tania Witte. „Ich stecke in jeder der Figuren, auch in Clemens. Oder dem Hund. Sogar in der Schildkröte namens Fräulein Rottenmeier.“ Oliver Dietrich



Opens external link in new windowErschienen in der PNN vom 21.05.14

 

 

 

 

PRESSEMITTEILUNG zur Absage der Fête de la Musique 2014

Die Entscheidung der Landeshaupstadt Potsdam, ihre Förderung der
Fête de la Musique um fast die Hälfte zu kürzen, stellt einen weiteren
Meilenstein in der Geschichte der Abwicklung der freien Kulturszene
Potsdams dar. Wir begrüßen daher den sicherlich schweren Schritt der
Organisator_innen, die diesjährige Fête de la Musique abzusagen.
"Die Verantwortlichen der Stadt müssen endlich verstehen, dass solche
unkommerziellen und für Alle kostenfrei zugänglichen Angebote eine
Förderung der öffentlichen Hand brauchen und verdienen und, dass auch
eine Stadt wie Potsdam solche Angebote braucht.", so Sabine Finzelberg,
Geschäftsführerin des KuZe. "Eine derart kurzfristige Absage eines großen
Teils der öffentlichen Förderung macht dabei die ganzjährige ehrenamtliche
Arbeit der Organisator_innen auf einen Schlag zunichte."

Es muss der Stadt bei der Entscheidung zur Kürzung der Förderung klar gewesen sein, dass ein solcher Fehlbetrag in der nur noch relativ kurzen Zeit bis zum 21. Juni von den Organisator_innen der Fête de la Musique nicht mehr auszugleichen ist. Durch die planlose Kulturpolitik wurde nicht nur die Existenz der Fête de la Musique aufs Spiel gesetzt, sondern auch bewiesen, dass die  Verantwortlichen das Potential dieser Veranstaltung immer noch nicht erkannt haben.
So ist die Fête de la Musique nicht nur ein Gewinn für die Potsdamer
Kulturszene, sondern natürlich auch für alle Beteiligten Kneipen, Bars
und anderen Einrichtungen. Eine stadtweite, selbstorganisierte
Veranstaltung mit rund 12.000 Besucher_innen und unzähligen beteiligen
Kultur- und Gatronomieeinrichtungen an einer Fördersumme von 4.000 Euro scheitern zu lassen halten wir für grob fahrlässig.

"Es ist erschreckend wie die Stadtverwaltung bei jeder sich bietenden
Gelegenheit ihr Unverständnis für eine freie und vielfältige Potsdamer
Kulturszene unter Beweis stellt.", so Jens Gruschka, Vorstandsmitglied
des ebenfalls im KuZe ansässigen ekze e.V. "Auch wir wollten uns in diese
m Jahr wieder an der Fête de la Musique beteiligen. Obwohl unser
Programm mittlerweile schon feststand, werden wir an diesem Tag nun kein
Konzert veranstalten und auch keine andere Veranstaltung planen.
Wenn die Verantwortlichen der Stadt unsere Kultur nicht auf der Straße
haben wollen, dann sollen sie eben auch mal ganz ohne uns auskommen."

Rock für die Rettung der Kultur

Vier Brauhausberg-Bands spielen im KuZe


Es war die Hiobsbotschaft für Dutzende Musiker und Künstler, die in der Alten Brauerei am Brauhausberg ihre kreative Heimat gefunden hatten: Spätestens Ende April müssen sie das Gebäude räumen, teure Wohnungen sollen dort entstehen, wo vorher eines der größten kulturellen Herzen der Stadt schlug. Mit einem Aktionswochenende wollen die Musiker noch einmal auf die kritische Situation aufmerksam machen. Am Samstag findet ab 14 Uhr ein Tag der offenen Tür statt, der den Verlust zwar nicht mehr abwenden kann, aber allen zeigen soll, was auf dem Brauhausberg entstanden ist. Das Wochenende beginnt aber schon am Freitag: Im studentischen Kulturzentrum Kuze in der Hermann-Elflein-Straße gibt es ein Soli-Konzert von vier der betroffenen Bands – „um die Kriegskasse zu füllen“, so Organisator Elias Franke.

 

Ab 20 Uhr stehen vier ganz unterschiedliche Bands auf der Bühne, stellvertretend für das, was sich musikalisch in den Räumen der Alten Brauerei ausgetobt hat. Bullgine etwa spielen breit angelegten Rock, der sich nicht mit einem einzelnen Stempel versehen lässt: Beeinflussen lässt sich die Band sowohl vom Post Rock als auch vom Alternative, Metal, aber auch Pop – ein Prisma der Unterschiedlichkeit der Bandmitglieder, die sich aus all diesen musikalischen Ecken rekrutieren.

 

Step Into The Hellgarden sind ein metallisches Aushängeschild der Stadt, seit 2008 haben sie sich dem Schwermetall verschrieben. Seitdem hat es immer wieder Umbesetzungen gegeben, die das Erscheinungsbild maßgeblich geprägt haben. Von Thrash über Black Metal bis Metalcore findet sich alles wieder, aber auch vor Balladen schreckt die Band nicht zurück – heavy bleibt es auf alle Fälle.

 

Mit Red Cardinal geht es metallisch weiter. Metalcore mit Zugkraft, Gefühl und Druck schreiben sich die Potsdamer auf die Fahnen – mit einer Sängerin, die das Zarte mit der notwendigen Brachialität verknüpft. Daraus entsteht Musik, die vor Leidenschaft funkelt. Den Abschluss machen Cesspit, die auf den ersten Blick mit Stoner-Rock daherkommen, aber wesentlich mehr im Gepäck haben: Pantera etwa, die das Kopfnicken abonniert haben, aber auch Rage Against The Machine, System Of A Down, Black Sabbath und Metallica stehen auf der Einflussliste der Band.

 

Langeweile kann am Freitagabend ausgeschlossen werden, und was spricht dagegen, gute Musik mit einem guten Zweck zu verknüpfen. Ein teurer Abend wird es trotzdem nicht: Schlappe drei Euro kostet der Eintritt, es darf aber gern etwas draufgelegt werden: Jeder Cent ist eine Investition in die kulturelle Zukunft der Stadt. Wie es weitergeht, ist unterdessen völlig offen. Die Künstler verhandeln mit der Stadt, die Suche nach einer Alternative läuft auf Hochtouren. Im Gespräch war zuletzt der ehemalige „Art Speicher“ in der Zeppelinstraße: Der steht seit einiger Zeit leer und ist laut Flächennutzungsplan an eine kulturelle Nutzung gekoppelt. Allerdings ist so etwas nicht von heute auf morgen zu lösen – die Unsicherheit bleibt also vorerst bestehen.Oliver Dietrich



Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 04.04.2014

Route 66 statt B 101

Blues Baby Blues spielen im „KuZe“

 

Potsdam ist mitten in den Südstaaten. Das fällt zunächst schwer zu glauben, aber rein musikalisch gibt es dafür ein unschlagbares Argument: Blues Baby Blues. Die Potsdamer Band hat sich mit beeindruckender handwerklicher Akribie daran gemacht, der Verschmelzung von Blues, Southern Rock und Anklängen von Country ein musikalisches Profil zu geben. Am heutigen Freitag machen die Bluesrocker auf ihrer „Heavy Spring Tour“ Station zum Heimspiel im studentischen Kulturzentrum „KuZe“ in der Hermann-Elflein-Straße. Vergangene Woche kam, pünktlich zum Tourstart, die EP, die lediglich den Bandnamen Blues Baby Blues als Titel trägt, offiziell raus. Und was für eine charismatische Scheibe! Kaum zu glauben, dass hier nicht eine originale US-Combo am Werk war, sondern eine Handvoll sympathische Brandenburger Jungs.

 

Was so verdammt nach Louisiana klingt, kommt eigentlich ursprünglich aus Luckenwalde – und statt der Route 66 sind Blues Baby Blues wohl eher die B 101 entlanggefahren. Aber dabei ist es ihnen gelungen, den Spirit der Vereinigten Staaten einzufangen. Dafür muss die Band nicht nur über enttäuschendes Wetter in Kalifornien („California“) oder die Kälte des Nordens („North Country“) singen, es ist vielmehr der ureigene Sound, den man wohl eher in den Plattenkisten der Eltern erwartet hätte. René Dohrmann singt mit einer Empathie, dass man ihm die brandenburgische Herkunft gar nicht abnehmen mag, Gitarrist Nico Streese spielt eine leichthändige Bluesgitarre dazu, Thomas Münch steuert das westlichste Piano des Ostens bei – und immer wieder blitzen die Klassiker durch: Canned Heat etwa, Creedence Clearwater Revival, der Geist einer ganzen Generation. So viel musikalisches Fernweh in den goldenen Westen sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Oliver Dietrich


Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 14.03.2014

Punktsieg für das Kuze im Miet-Prozess

Die Betreiber müssen sich vor dem Potsdamer Landgericht streiten: Es geht um Forderungen aus dem alten Mietvertrag.


Die Debatte um freie Räume für Kultur in Potsdam tobt gerade – dabei geht es um die Proberäume und Ateliers in der Alten Brauerei. Ein Rechtsstreit um das studentische Kulturzentrum Kuze zeigt allerdings auch, dass freie Räume allein noch lange keine Kultur absichern. Um Forderungen in Höhe von 400 000 Euro streiten sich momentan die Studierendenschaft der Uni Potsdam und eine Schweizer Firma vor Gericht.

 

Der Fall ist kompliziert und zeigt, dass es auch dann Probleme geben kann, wenn die Stadt bei der Unterstützung mit privaten Investoren kooperiert. Im Fall des Kuze war das eine Firma aus dem Umfeld des Berliner Immobilienunternehmers Dietrich Garski. Der gehörte das Areal – bis sie im Jahr 2012 Insolvenz anmeldete und das Kuze an das Studentenwerk verkaufte. Jetzt aber meldet die Schweizer Solid Verwaltungs-AG als neuer Forderungsinhaber Ansprüche in Höhe von 400 000 Euro an. Dabei soll es sich um offene Zahlungen aus alten Verträgen handeln.

 

Am Mittwochvormittag verhandelte das Potsdamer Landgericht über den Fall zwischen Studierendenschaft und Solid AG. Im Kern ging es um die Frage, ob Verpflichtungen aus dem alten Vertrag auf den neuen Eigentümer übergegangen sind. Die 400 000 Euro seien durch Sanierungskosten entstanden, ein Darlehen also, das die Kuze-Betreiber somit nicht zurückzahlen – so nennt es der Klägeranwalt. Eine versteckte Mietzahlung nennt es Kuze-Anwalt Thomas Zippel: Durch eine Sonderkündigungsklausel seien die Ansprüche mit dem Ende des alten Mietvertrages hinfällig. Auch die Richterin sah in dem im Vertrag festgeschriebenen Sonderkündigungsrecht den springenden Punkt: „Ein Darlehen würde nicht mit dem Ende eines Mietvertrags ablaufen“, sagte sie in Richtung Kläger. Hätte der damalige Eigentümer tatsächlich 400 000 Euro in Sanierungsmaßnahmen investiert, und sei damit das Risiko eingegangen, dass die Studierenden dieses Darlehen nicht zurückzahlen können, wäre es unsinnig gewesen, einen Mietvertrag mit einer solchen Sonderkündigungsklausel abzuschließen.

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 12.03.2014

Und die "goldene Pulle" wandert

Die „Liedermacher-Liga“ traf sich zum fünften Mal im „KuZe“ zum Thema „Kinderlieder“


An der Tradition scheiden sich die Geister. Manche nehmen sie auf und verlängern sie in die Gegenwart, andere sind strikt dagegen, sie wollen Eigenes, Anderes, Neues. Am Samstag fand im „KuZe“die inzwischen fünfte Auflage eines Sängerwettstreits statt, dessen Anzeigung schon aus diesem Grunde lohnt. Erfunden hatten ihn Philipp und Freddy, indem sie sich im Waschhaus einst vor aller Ohren verpflichteten, innerhalb eines Monats je einen Song zu einem vorgegebenen Thema zu schreiben. Bis zu zehn Jungbarden treffen sich nun in der „Liedermacher-Liga“ zum Sängerwettstreit, jeden Monat wieder. Dabei geht es noch hoch demokratisch zu. Eine dreiköpfige Jury wird vor Ort aus dem Publikum gewählt, als Gage gibt es ein Bier. Die Zuhörerschaft legt auch das Thema für das nächste Treffen vor. Einen festen Ablauf gibt es nicht, er wird von den Mitmachern erst durch Losentscheid auf der Bühne fixiert. Kein Song darf länger als sechs Minuten dauern, vor allem aber muss deutsch gesungen werden. Und wozu das alles? Aus Spaß an der Freude, die „Goldene Pulle“ als Wanderpokal ist ja rein symbolisch gemeint, Gold ist da nicht dran und drin. Das Konzept funktioniert bestens: Zum Thema „Kinderlieder“ am Samstag hatten elf Aspiranten zugesagt, das „KuZe“ krachend voll, vielleicht auch weil zwischen Wettbewerb und Siegerverkündung ein gestandenes Duo zum Konzert antrat: Pannebierhorst. Die Liedermacherszene von einst lebt also weiter, aus Tradition.

 

Das diesmalige Thema nun konnte von Kindern handeln, von Liedern, oder von Liedermachern, die Kinderlieder schreiben, das stand frei. Peter und Axel zum Beispiel sangen ein modernes Schlaflied mit Träumen, Riesenrad und Teddybär, Pipo und Radieschen hatten nicht nur rote Clownsnasen, sondern in ihrem kleinen grünen Koffer auch viel Gags und gute Laune. Texte hatten immer den Vorrang, musikalische Begleitung war aber zugelassen, meist gab eine zweite Gitarre den Rhythmus vor. Da könnte noch so manches moduliert und arrangiert werden. Nun, ausgerechnet Liga-Miterfinder Freddy hielt nichts von Tradition: Wer „Alle meine Entchen“ und „Hänschen Klein“ besang, den schickte er gar ans Kreuz, ans umgekehrte. Ein kraftvoller Auftritt! Antonio und Helfer sangen von einem Spinnelein, bei Kathis Lied vom Schwerbehinderten schmolz das Publikum nur so dahin, Thoralf fand hübsche Reime über verschnupfte Gorillas und Giraffen, Sohn Hugo (12) saß ja mit in der Jury, ob das half? Judith indes hatte zur Banjobegleitung ein Gebet an Gott über das Leben auf Erden vertont, Sebastian sang von sich und seiner noch ungeborenen Tochter, und ob er das Vatersein auch bewältigt; das ging unter die Haut. Desaster erlaubte sich ein Spottlied auf eine große Bank. Und im Gegensatz zu Freddy hielt es Tom mit der Tradition, freilich sehr modern. Wie er „Alle meine Entchen“ vor- und rückwärts rappte, war einfach nur allererste Liga.

 

Irgendwie ernst gemeint ist das alles, denn Ernstgemeint heißt ja auch jene Potsdamer Band, daraus die Idee der „Liedermacher-Liga“ entsprang. Ein lebendiger, ein fröhlicher Abend, agil und raffiniert. Man saß auf dem Boden, stand dicht an dicht, manchmal fiel ein Mikro aus, oder das Licht, doch die „Goldene Pulle“ musste dennoch wandern. Das Publikum wählte als nächstes Thema „Gartenarbeit“, den Sieg der Liga aber, die güldene Trophäe, trugen Pipo und Radieschen heim. Gerold Paul

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 24.02.2014

Liedermacher im KuZe

Gespielt wird um die "goldene Pulle"

 

Eigentlich war alles nur ein Spiel zwischen Philipp Cayler und Freddy Knoerre, die das Potsdamer Liedermacher-Duo Ernstgemeint bilden: Zur Open Stage im Waschhaus machten sie sich ein Thema aus, zu dem sie beim nächsten Mal einen Song spielen wollten. Einen Monat Zeit also, um sich kreativ auszutoben. Mittlerweile ist das Duo selbst ein wenig überrascht, welche Resonanz dieses Spiel hat: Am Samstag treten immerhin zehn Liedermacher, vorwiegend aus Potsdam, gegeneinander an, um den Hauptpreis „Goldene Pulle“ zu ergattern. Mittlerweile finde das Event zum fünften Mal statt, und mit zehn Beteiligten sei sogar schon eine Obergrenze erreicht, so Knoerre.

 

Am Samstag gibt es die Liedermacher-Liga im Kuze zu erleben, das Thema dieses Abends: „Kinderlieder“. Das Publikum ist dabei entscheidend: Es kürt sowohl den Gewinner des Abends als auch das Thema der nächsten Liedermacher-Liga, die am 29. März stattfinden wird. Wo, das ist noch offen, aber verraten werden darf schon, wer am Samstag der Headliner sein wird: niemand Geringeres als das Duo PanneBierhorst, das aus dem Hamburger Pianisten Sven Panne und dem Berliner „Monster of Liedermaching“ Rüdiger Bierhorst besteht. PNN

 

Die Liedermacher-Liga am morgigen Samstag ab 20 Uhr im „KuZe“ in der Hermann-Elflein-Straße 10. Der Eintritt kostet 3 bis 5 Euro

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 21.02.2014

Panne und Bierhorst laufen zum Ligaspiel auf

Liedermacher Liga lädt ins KuZe ein


"Die Liedermacher Liga" wurde von Philipp Cayler und Freddy Knoerre gegründet. Gemeinsam gaben sie sich beim "Open Rubys". der Open Stage im Waschhaus, ein Thema vor und mussten dann innerhalb eines Monats ein Lied zu diesem Thema schreiben. Aus Spaß wurde Ernst und daraus dann die Liga. So einfach und so gut ist die Geschichte der Protagonisten, die am 22. Februar, 20 Uhr ins Studentische Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße einladen.

 

Inzwischen wird die Liga von Philipp organisiert und durchgeführt. Nicht zu verachten die große Hilfe des KuZes. Bis zu zehn Liedermacher nehmen seitdem monatlich an diesem Event teil, eine Jury entscheidet, wer den besten Song zum Thema mitgebracht hat. Der Gewinner bekommt "Die gioldene Pulle" - der Preis des Abends. 

 

Dieses mal wird Rüdiger Bierhorst zum Ligaspiel auflaufen. Den kennt man schon von den "Monsters of Liedermaching" und Seven Panne, Kultpianist aus Hamburg, spielt Klavier mit Händen und Füßen. Gemeinsam werden die beiden die Zuhörer entzücken. PAMS

 

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der Potsdam Am Sonntag vom 16.02.2013

Das Unsichtbare sehen

Pantomime mit Elias Liermann im „KuZe“


Mit flotten Posen tritt er hinter einer schwarzen Leinwand hervor, dieser Typ in Managerkluft und den hinter der mächtigen Hornbrille wie gehetzt wirkenden Blicken. Auf der Bühne steht nur ein Stuhl, auf dem er Platz nimmt. In einem Restaurant, das genauso imaginär ist wie die Armbanduhr, auf die er in immer schnellerer Folge schaut, wie der Kaffee, den er hinunterstürzt und sich daran mit schmerzverzerrter Grimasse die Zunge verbrennt, wie die Mahlzeit, die er mechanisch in sich hineinschaufelt und wie die Himmelspforten, die er schließlich mit beiden Händen aufstößt, so als wären sie tatsächlich vorhanden. Am Freitagabend im gut besuchten „KuZe“ bewies Elias Liermann mit seinem Pantomime-Programm „Laute Stille“, dass es trotz multimedialer Massenunterhaltung möglich ist, allein auf leerer Bühne, einzig durch Zusammenspiel von Mimik und Gestik, ein Publikum in den Bann zu ziehen.

 

Wie zufällig dahingeworfen wirken die genau gesetzten Bewegungen des Körpers, spontan und improvisiert scheint der Ausdruck des nur dezent geschminkten Gesichts. Stets ist das Spiel des in Greifswald geborenen und in Berlin lebenden studierten Pantomimen trotz höchster Präzision von großer Leichtigkeit geprägt. Mit derart perfektionierter Körpersprache gelingt es Elias Liermann, alias Elastisch, an diesem Abend nicht nur eine Reihe von Typen zu charakterisierten, sondern immer auch Geschichten zu erzählen. Etwa die eines Concierges, hinter dessen fabelhaft in Szene gesetzten Liebdienerei und Unterwürfigkeit sich schon finstere Gewaltfantasien angestaut haben. Das regelmäßig einsetzende Gekicher der Gäste bezeugt immer wieder, wie gut es Liermann versteht, mit seiner Kunst Räume zu schaffen, welche wiederum die Zuschauer mit ihrer Vorstellungskraft gestalten und ausfüllen. Dass Pantomime somit wie ein Medium funktioniert, verdeutlicht besonders eindrucksvoll die mit Zwischenapplaus bedachte Nummer, in der Liermann einen Künstler mimt, der sich in seinem Atelier durch seelische Höhen und Tiefen kämpft, um das perfekte Bild zu malen. Mit angestrengter, bestürzter und verzückter Mine wirft dieser Typ im bunten Hemd immer mehr Pinselstriche an eine imaginäre Leinwand, ohne mit dem Resultat zufrieden zu sein. Um sich zu inspirieren, entleert er mit großen Schlucken eine Flasche Wein und rollt sich einen Joint, wovon er sich allerdings übergeben muss. Doch bringt ihn das auf die Idee, gleich den gesamten Farbbottich gegen die Leinwand zu kippen und mit einem Besen weiterzumalen. Und als er dann weinend vor seinem Endprodukt zusammenbricht, sich auch noch ein Ohr abschneidet und schließlich weiter zerstückelt, glaubt man beinahe, das Chaos zu sehen, worin dieser mühsame Schaffensprozess endet. Schade nur, dass die so erreichte „Laute Stille“ dann oftmals übertönt wird vom Lärm der schlechterdings überflüssig eingespielten rockigen, jazzigen oder klassischen Begleitmusik.

 

Gut eine Stunde lang aber beeindruckt Elias Liermann mit seinem Können und der Fähigkeit, dem Publikum die eigene Fantasiewelt als objektiv sichtbar zu suggerieren. Und ganz nebenbei auch mit der Botschaft, dass Pantomime keine von Menschen in Leggins und mit weißgeschminkten Gesichtern vorgetragene Clownsnummer ist, sondern eine hohe, wenngleich fast in Vergessenheit geratene Kunst. von Daniel Flügel

 

Der Artikel ist erschienen in der Opens external link in new windowPNN vom 10.02.2014

Mehr als nur eine kurze Affäre

Die Potsdamer Band Conium spielt am Montag im „KuZe“.

 

Es sind manchmal die kurzen, leidenschaftlichen Affären, die zu einer dauerhaften, ergiebigen Beziehung führen können. Die Potsdamer Band Conium, die am Montag um 20 Uhr im studentischen Kulturzentrum „KuZe“ spielt, ist der beste Beweis dafür.

 

„2011 wollte ich für ein paar Monate nach Zentralamerika - Panama, Mexiko - und wollte vorher unbedingt noch einmal auf die Bühne“, sagt Sänger Benito. Aus der Idee einer musikalischen Kurzaffäre sei dann ein Zusammenschluss geworden. „Ich habe mit vielen Leuten telefoniert, die ich vorher gar nicht kannte“, sagt er. Zwei Monate verbrachte die neu gegründete Band Conium im Proberaum, drei weitere Monate blieben der Band noch, bevor Benito zu seiner Reise aufbrach. „In diesen drei Monaten hatten wir über zehn Konzerte und nahmen ein Album auf“, sagt er. Als er 2012 nach sieben Monaten zurückkehrte, ging es sofort weiter.

 

Kein Wunder, ist die Musik des Quintetts doch die ultimative Huldigung an den psychedelischen Rock der 70er-Jahre, der mit Grunge- und Stoner-Elementen angereichert wurde und auch mit Funk-Einsprengseln experimentiert - irgendwo zwischen Black Sabbath und Kyuss, ein strudelndes, charismatisches Inferno. Eine der faszinierendsten Bands der Stadt.

 

Conium und Ein Gutes Pferd am Montag, 10. Februar, 20 Uhr im „KuZe“, Hermann-Elflein-Straße 10. Der Eintritt ist frei

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 08.02.2014

2013                                nach oben

Radikal und Tanzbar

 

Feministischer Punkrock im Kulturzentrum "Kuze"


Zugegeben, die "Riot-Grrrl"-Bewegung ist keine lokale Erfindung, und auch schon etwas älter: Die explizit feministische Abrechnung mit der männlichen Dominanz im Musikgeschäft ist in den USA Anfang der Neunziger entstanden - und seitdem nicht mehr wegzudenken. Grund genug, den "Aufruhr-Mädchen" zur Montagskultur im studentischen Kulturzentrum "Kuze" eine Bühne zu geben. Und da Berlin ja musikalisch viel zu bieten hat, entfiel auch die weite Anreise aus den Staaten - beide Bands kommen aus der Hauptstadt. Brechend voll wurde es diesen Montag zwar nicht, aber ein gutes Konzert in angenehm familiärer Atmosphäre.

 

Obwohl genau andersrum geplant, machten den Auftakt The Anna Thompsons, zwei Kanadierinnen, die sich mit einer Spanierin zusammengetan haben und von einem Schlagzeuger unterstützt werden; dit is eben ooch Berlin. Was da zunächst "beatlesk" daherkam, hatte aber ordentlich Power im Gepäck. Wer sich im Internet vorher The Anna Thompsons angesehen und angehört hatte, erwartete mit Sicherheit eine Kokettierung mit den Sechzigern - so schlimm war es dann aber Gott sei Dank nicht: Die Hausfrauen-Optik entpuppte sich als astreine Inszenierung. Vielleicht der erste Hinweis auf den feministischen Grundgedanken? Aber da lässt sich eben auch viel reininterpretieren. Die "Riot-Grrrl"-Attitüde ließ sich jedenfalls nicht weglasern, auch wenn das Quartett schwer in eine Schublade zu pressen war. Zumindest dominierte eine Unfertigkeit, die am ehesten an den Garagensound der Postpunk-Ära erinnerte, bei der jedoch selbst das ohrenblutige Keyboard den Charme nicht wegwischen konnte.

 

Diese Ablehnung der Perfektion war jedoch mitreißend: "The next song is called ,Fuck You'", hauchte die Sängerin und Bassistin ins Mikrofon - herausfordernder Augenaufschlag inklusive. Gibt es denn da eine Message? Auf Nachfrage gesteht Gitarristin Ambika Thompson schließlich, dass es einen latenten Satanismus gebe, genau wie bei den Beatles: Man müsse eben die Platte rückwärts hören, um die Botschaften zu entschlüsseln. Es sei schließlich ganz einfach, so etwas aufzunehmen.

 

Das Rätselraten nach der Botschaft entfiel bei der zweiten Band: Respect My Fist mussten sich eine Ersatzschlagzeugerin für das Konzert suchen, wollten es aber auch nicht ausfallen lassen: Schließlich sollte Potsdam das Jahresabschlusskonzert werden, das lässt man sich nicht durch einen Krankheitsfall nehmen. So ließ sich eine gewisse Holprigkeit zwar nicht vermeiden, aber die Entschlossenheit machte das wieder wett. Die Botschaft war eindeutig: "Wir sind politisch, feministisch, radikal - und tanzbar", lautet das Credo der Berliner Band. Hier hat sich jemand einen Kopf gemacht, und das Ergebnis in grundehrlichen Punkrock transformiert. "Das geht raus an all die Kackscheiße, die da draußen passiert" - wer so einen Song ankündigt, hat Wut im Bauch, eine Metamorphose aus intellektueller Propaganda und harten Klängen. Und blutig: Der Song über Menstruation wird zum Dauerbrenner und gleich zweimal gespielt. Es gebe immer mehr Menschen, die sich angesprochen fühlen, heißt es später von der Band. Und der Kampf gehe so lange weiter, bis auch der letzte sein "Für eine Frauenband seid ihr ganz gut" stecken lässt.

Oliver Dietrich

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 18.12.2013

Ganz nah dran am brachialen Traum

Mit Far From A Dream kam der Metal ins Kuze


Ziemlich breitschultrig kam die Vorankündigung des studentischen Kulturzentrums Kuze daher: "Montagskultur goes Metal" hieß es, und den regelmäßigen Montagskulturgänger ließ das gewiss aufzucken: Metal im Kuze? Das gab es doch bisher gar nicht. Und da muss man auch nicht gleich sofort die Keule auspacken, die kommt später.

 

Den Anfang im recht zaghaft gefüllten Theatersaal machte das Quartett Rotten Values, das allerdings eher Hardrock als Metal spielte - im Prinzip eine Rückkehr zum ehrlichen Rock der späten Siebziger. Vier Jungs aus Ludwigsfelde, die in Vatis Plattenschrank geschnüffelt haben. Dabei kam etwas Grundsolides heraus, das von einem Sänger und Gitarristen mit freiem Oberkörper und langer Matte - Iggy Pop lässt grüßen - ziemlich straight und charismatisch runtergespielt wurde. Der Gesang versprühte bisweilen etwas von Glamrock, aber auch Guns N'Roses hatten sich da drin versteckt.

 

Dass der Sänger sich dabei in den Vordergrund spielte, nahm die Band gelassen. Trotzdem war es schade, dass die Band dem Frontmann das Posing überließ, was ja aber nichts Neues ist. Ein wenig mehr Mut zur Selbstdarstellung hätte man sich vom Rest der Band gewünscht, Rock'n'Roll ist schließlich immer auch großes Theater. Musikalisch, da gibt es nichts zu rütteln, waren Rotten Values trotzdem klasse.

 

Aber Moment mal: Es war doch Metal versprochen. Der kam dann auch, und zwar gewaltig. Far From A Dream hatten ziemlich verfrickelten Metal im Gepäck, der aber nichts an seiner Rohheit eingebüßt hat. Der Chefschreihals sah aus wie ein fieser, glatzköpfiger Wikinger, eine schwergewichtige Figur, der man im Dunkeln nicht begegnen möchte. Einer wie er gehört definitiv in eine Metalband. Heraus kam eine gewaltige Deathcore-Mischung, die sich zwischendurch auch traute, ganz leise zu sein. Musikalisch waren da jedenfalls keine Amateure am Werk: Das waren ausgereifte Kompositionen, die auch sieben Minuten Songlänge locker sprengen konnten. Warum tut man sich das als Band eigentlich an, derart ellenlange Songs im muffigen Kellerschweiß des Proberaums einzustudieren? Aber Far from A Dream schafften es, atmosphärisch zu bleiben und an wirklich keiner Stelle zu langweilen, schwere Riffs, die genau an der richtigen Stelle durch jazziges, verspieltes Songwriting unterbrochen wurden.

 

Für den nötigen Kick sorgte der zweistimmige Gesang, der von tiefen Growls bis zu cleanem Gesang reichte, das Ganze wuchs schließlich zu einer ziemlich melodischen Brachialität. Das Sahnehäubchen war aber die Showqualität der Fürstenwalder: eine Headbanging-Choreografie, ein Tier als Sänger, ein Metalhead in Brad-Pitt-Optik, der die Saiten bearbeitete, als wäre er mit der Gitarre verwachsen und ein Schlagzeuger, der augenscheinlich nur die Zerstörung der Bassdrum im Sinn hatte.

 

Die Songs hatten trotz ihrer Länge eine präzise Struktur. Zwischendurch dann wieder der Griff in die Avantgarde-Kiste, bevor die Geschwindigkeit wieder anzog, guter Metal eben. Dass die Metalheads mit Hardcore experimentieren, war definitiv nicht die schlechteste Idee. Hoffentlich kann man Far From A Dream bald mal wieder in Potsdam begrüßen. Der Metal-Keller im Nil-Klub würde sich doch dafür anbieten.

Oliver Dietrich

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 04.12.2013

Tatort Wald

Rotkäppchen als Puppenspiel für die Familie

 

Selbst ist das Rotkäppchen, einen guten Jäger, der es rettet, braucht heute keiner mehr. So zumindest sieht es das Reddogtheater, eine Theatergruppe, die mit dem Kunstwerk Potsdam kooperiert, und bringt das Märchen als Puppenspiel in einer emanzipierten Variante auf die Bühne. "Wir haben den Jäger eliminiert, den gibt's nicht", sagt Puppenspielerin Stefanie Rüffer. Spannend wird es trotzdem, das Rotkäppchen muss den Krimi alleine lösen. Das geht natürlich nur, wenn man ein aufgewecktes Kind ist. "Rotkäppchen will nicht schlafen", heißt das Stück, das an den beiden kommenden Sonntagen im Freiland-Jugendzentrum sowie im Kuze aufgeführt wird.

 

Aufgeführt wird es als eine Mischung aus Schauspiel und Puppenspiel. Stefanie Rüffer, ausgebildete Schauspielerin, hat in dem Stück viel zu tun. "Ich spiele das Rotkäppchen, animiere die Puppen und leihe Großmutter und Wolf meine Stimme", sagt Stefanie Rüffer. Schwer sei das nicht, alles gleichzeitig zu spielen: Die Puppen dürfen auch mal still auf der Bühne sitzen, auf einer Kiste zum Beispiel. Angefertigt hat die Puppen Rachel Pattison, ausgebildet in Puppenbau und Spiel, Mitbegründerin der Theatergruppe - und Regisseurin. Großmutter und ihr Huhn Luzie sind einfacher Bauart, Puppen, die über Stäbe oder von Hand animiert und geführt werden. Aber der Wolf - der kann sprechen. Die Klappmaulpuppe hat selbstverständlich ein bewegliches Maul mit Zähnen, wie es sich für einen Wolf gehört.

 

"Der ist aber gar nicht so gefährlich", sagt Rüffer. Er sei zwar ein bisschen frech, irgendwie muss er ja das Rotkäppchen beschwatzen und sich an die Großmutter ranmachen. "Aber er ist ein französischer Wolf, eingewandert aus Frankreich, und deshalb sehr charmant", schwärmt die Schauspielerin. Folglich spricht der Wolf Gaspard auch mit französischem Akzent. Und er ist ein Gourmet. "Er schätzt leckeres Essen und kocht gern", sagt Stefanie Rüffers. "Im Stück veranstaltet der Wolf dann sogar eine Kochshow, die von ihm entführte Großmutter gerät in höchste Gefahr." Mehr will Rüffer jedoch nicht verraten.

 

Rotkäppchen muss das geahnt haben. Jedenfalls will es nicht schlafen. Nachts allein zu Hause, das ist ihm nichts. "Man weiß ja nie, was unter dem Bett lauert und der Vorhang hat sich schon wieder bewegt", sagt es sich. Im Wald jedoch ist Rotkäppchen die Größte. Dort fühlt sie sich sicher, kennt jeden Winkel und alle Tiere gehorchen ihr aufs Wort. Doch dann begegnet ihr dieser Wolf, der sie umgarnt und beschwatzt. Als er plötzlich verschwunden ist, und die Großmutter gleich mit, beginnt für Rotkäppchen eine Spurensuche durch den tiefen dunklen Wald. Sie will beweisen, dass der Wolf etwas mit dem Fall zu tun hat. "Es ist ein bisschen wie ein Kinder-Tatort", sagt Stefanie Rüffer. Denn das Mädchen beginnt detektivisch zu ermitteln, nach Spuren und Zeichen zu suchen, obwohl ihm keiner so recht glaubt. Wölfe, sagen die Erwachsenen, gibt es hier schon lange nicht mehr.

 

Das spannende Stück, 50 Minuten lang, ist für Kinder ab 4 Jahren geeignet. Auch Eltern und Erwachsene, sagt die Puppenspielerin, werden ihren Spaß haben, es wurden einige Gags für große Zuschauer eingebaut.

Steffi Pyanoe

 

"Rotkäppchen will nicht schlafen" am Sonntag, dem 1. und 8. 12. jeweils um 11 Uhr im Freiland, Friedrich-Engels-Straße 22, am 8. 12. auch um 16 Uhr im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10. Karten kosten für Erwachsene 8 Euro, für Kinder 5 Euro.

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 28.11.2013

Psycho-Brause

Konzert mit Minerva und Suns of Thyme

 

Es sind einige ganz besondere Pflanzen, die unter der Obhut des Potsdamer Musik-Kollektivs „Brausehaus“ gedeihen – und das in Zeiten, in denen der musikalische Nachwuchs aufgrund der sich verschärfenden Proberaumsituation vom Aussterben bedroht ist. Eine der Bands aus dem Kollektiv, die am heutigen Samstag zum „Rock’n’Roll-Tresen“ im Kuze spielen wird, sind die Potsdamer Minerva — angelehnt an den Eröffnungssong des Deftones-Albums von 2003. Wer den psychedelischen Flickenteppich der Amerikaner kennt, wird da schon eine ungefähre Ahnung haben, was ihn mit Minerva erwartet: einlullende Rockkonstruktionen, die immer wieder von Progressive-Elementen durchbrochen wird. Retro? Ganz klar, aber die 70-er waren schließlich eine der kreativsten musikalischen Zeitalter und wirken bis heute nach. Doch Minerva schaffen es spielend, sich einen eigenen Stempel zu verpassen – schon durch den Einsatz eines Saxofons. Wer das großartige Record-Release-Konzert im Spartacus verpasst hat, bekommt am Samstag im Kuze noch mal die Gelegenheit, sich das anzuhören.

 

Aus Berlin kommen Suns of Thyme, die eine ebenfalls psychedelische Mischung basteln, die sich irgendwo zwischen Pink Floyd, Tame Impala und streckenweise sogar frühen Joy Division verorten lassen. Ziemlich einlullend, ohne synthetische Elemente abzulehnen, gibt es poetische Musik, die den pulsierenden Lärm Berliner Straßen einfangen soll. PNN

 

Minerva und Suns of Thyme am heutigen Samstag, 2. November, im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10. Beginn 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei

 

Die Meldung ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 02.11.2013

Das Problem mit Theater

Die tschechische Gruppe Continuo Theatre legte eine experimentelle Performance im Kuze hin


"Do you know what is the problem of theatre?", fragt Alessandro La Rocca mit kräftiger Stimme und schaut dabei herausfordernd ins Publikum. Hat Theater ein Problem? Oder ist es gar das Problem? Die Prager Gruppe Continuo Theatre, die am Donnerstagabend im Kuze auftrat, schwenkt den Blick weg von der Lesart, dass Theater nur durch die Akzeptanz des Publikums lebt: Ein Asteroid soll auf die Erde knallen, so kündigen es die Zeitungen der Schauspieler an — und alle schauen erschrocken hoch in den Himmel. "Fake!", ruft La Rocca, "Fake! Fake! Fake!" Theater ist doch so etwas von nicht echt. Da oben ist doch die Decke vom Theatersaal und nicht der Himmel. Da kann man gar keine Asteroiden sehen.

 

Continuo Theatre ist eine junge, bunte Truppe, die mit Theater experimentiert - und dabei Konventionen infrage stellt. Die Gruppe will viel, aber auf keinen Fall in eine Schublade gesteckt werden. Es gab doch alles schon, und wenn man mit so viel Leidenschaft Theater spielt, dann muss man etwas Neues erschaffen. Theatralisch ist das Stück "Now…?" auf jeden Fall, doch so richtig einig wird sich die Gruppe irgendwie nicht: Geht es um die Message? Ist das einfach nur Tanz- und Bewegungstheater? Da sind viele Elemente eingebaut, und so gut das auch gemacht ist - oftmals überschneiden sich die Absichten einfach.

 

Eine Bühne braucht das Ensemble nicht, die Stühle werden locker im Kreis gruppiert, und wer zum Publikum gehört und wer zum Theater - das wird zur Überraschung: Wenn die Grenze zwischen Bühne und Beobachter gekappt wird, ist jeder Teil des Spektakels. Da kann man sich in der Rolle des Beobachters nicht in Sicherheit wiegen, vielleicht bleibt es nur beim Blickkontakt, vielleicht wird man Teil des Ganzen - oder ist es längst.

 

Einer stringenten Handlung scheint das Stück (Regie: Pavel Štourac) nicht zu folgen. Eher schlaglichthaft reihen sich die Szenen aneinander, die können stumm sein, mit Musik begleitet, getanzt oder auch mal mit gebrülltem Sprachkauderwelsch: Diese grobkörnige Mixtur aus Englisch und Tschechisch wird zur Aufgabe ans Publikum, um das Verständnis auf eine metaphorische Ebene zu heben. Unterm Strich ist das alles ziemlich irre, mit Tendenz zu verwirrend: Das nervöse Gezappel zum Beispiel soll die Wirkung von Adrenalin symbolisieren. Ah ja. Geht es jetzt um Drogen?

 

Nein, es geht wohl wirklich um Theater an sich, darum, Emotionen darzustellen. Da ist es vielleicht ganz gut, dass nicht mit dem moralischen Zeigefinger gedroht wird. Was wollen wir denn heute noch vom Theater? Wenn wir eine Zeitung aufschlagen, suchen wir doch auch keine Harmonie, sondern die Katastrophen - genauso wie es das Theater macht: drei Stunden Harmonie, in einem Stück? Unmöglich. "Why must there always be a conflict in a theatre performance?", fragt La Rocca mitten hinein — natürlich, weil wir ihn doch wollen. Und so verschanzen sich die Protagonisten wieder hinter ihren Zeitungen. Die den Asteroiden ankündigen.

Von Oliver Dietrich

 

Der Artikel ist erschienen in der PNN vom 02.11.2013

Eine improvisierte Woche

Das Impro-Festival im "Kuze"

 

Manchmal lohnt es sich eben doch, das Warten auf das Highlight, das es nur einmal im Jahr gibt: Das dritte Potsdamer Impro-Festival startet am morgigen Samstag um 17.30 Uhr im studentischen Kulturzentrum "Kuze" und hat sich in den vergangenen zu einem Event entwickelt, welches sicherlich bei einigen dick und rot im Kalender angestrichen wurde. Improvisationstheater gilt als eine der schwierigsten, jedoch leidenschaftlichsten Formen des Theaterspielens und findet in Potsdam eine nun schon regelmäßige Plattform.

 

Geboten werden acht englischsprachige Improtheater-Shows durch das kanadische Duo Crumbs aus Winnipeg, das für seine Langformate bekannt ist. Markenzeichen des Improvisationstheaters ist der Umstand, dass es keine Proben gibt, sondern direkt auf Vorschläge aus dem Publikum reagiert wird - was natürlich für einmalige Überraschungen sorgt, kein Stück ist wie das andere. Allerdings muss sich keiner zum Mitmachen gezwungen fühlen, auch Zuschauen ist erlaubt.

 

Das Festival findet in einem offenen Konferenzformat statt, welches das Bühnenensemble begleitet: "Sogenannte Unkonferenzen oder BarCamps gibt es viele, aber soweit ich weiß, ist das Potsdamer Festival im Bereich Improtheater damit einmalig", sagt der künstlerische Leiter Thomas Jäkel. Am zweiten Wochenende gehört die Bühne studentischen Improvisationstheatergruppen aus Wien, Münster, Jena, Berlin und Potsdam - Ziel ist der Bachelor of Impro, ein Wettstreit, der in drei Disziplinen errungen werden soll: die Spitzengruppe, die Superszene und das Finale. "Die letzten Jahre hatten wir immer eine Menge Spaß - sowohl auf als auch hinter der Bühne", so Organisator Sören Boller. Oliver Dietrich

 

Improfestival Potsdam vom 26. Oktober bis 2. November im "Kuze" in der Hermann-Elflein-Straße 10. Einzelkarten kosten 6, ermäßigt 4, Festivaltickets 25, ermäßigt 15 Euro. Weitere Informationen zum Programm unter

 

Der Artikel ist erschienen in der PNN vom 25.10.2013

Kriminell, kapitalistisch oder Kunst?

Ein Vortrag im Kuze zum Wert von Graffiti


Haben Graffiti einen kulturellen Wert? Der Buchautor KP Flügel hat sich in mehreren Publikationen und Interviews mit Künstlern intensiv damit auseinandergesetzt. Herausgekommen ist dabei ein Vortrag, den er am Montagabend im bis auf den letzten Platz gefüllten Theatersaal des studentischen Kulturzentrums "Kuze" hielt. Dabei ging es nicht nur um Künstler wie Banksy, die sich einer Kommerzialisierung ihrer Werke erwehren.Das Thema Street Art im öffentlichen Raum platzt dabei fast vor Interpretationsansätzen. Wo fängt Kunst an und wo ist ein Graffito nicht mehr als eine Sachbeschädigung? Flügel legte den Fokus dabei auf zwei Künstler, die für ihre Verzierungen einen gewissen Berühmtheitsstatus erlangt haben: Frank W., bekannt unter dem Pseudonym OZ, und Miss.Tic aus Paris. Mit beiden führte er Interviews, außerdem mit Weggefährten und Verteidigern der Künstler.

 

Der Fall OZ ist mittlerweile ein Medienphänomen: Der 62-jährige Sprayer ist zu einem Synonym für den interpretativen Kampf zwischen dem Grundrecht auf künstlerische Freiheit und dem Grundrecht auf Eigentum geworden. Bis zum Jahr 2007 verbrachte OZ acht Jahre wegen Sachbeschädigung im Gefängnis, von den Kosten der Unterbringung "hätte man ihm eine Villa bauen können". Sicherlich, die Omnipräsenz von Graffiti kann durchaus mit einem kulturellen Overload verglichen werden, niemand anders prägte aber so nachhaltig das Hamburger Stadtbild wie OZ: Sein Tag, also Signaturkürzel, soll mehr als 120 000-mal in Hamburg verbreitet worden sein.

 

Geht Kunstfreiheit aber nicht vor? Die Hamburger Richter gaben im Prozess dem Recht auf Eigentum den Vorrang, die Veränderung eines äußeren Erscheinungsbildes könne als Sachbeschädigung interpretiert werden. OZ allerdings musste jeden Abend raus auf die Straße, wurde sogar therapiert, schob aber alles auf eine angebliche schwere Kindheit. Und dieser Konflikt ist gleichsam Auslöser für sein zwanghaftes Verhalten: "Wäre er nicht festgenommen worden, hätte er vielleicht irgendwann das Interesse verloren", konstatiert KP Flügel. So trifft ihn aber die Verhinderungsmaschinerie mit voller Wucht: 1999 wurde er von Mitarbeitern der Hamburger S-Bahn-Wache so schwer misshandelt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Für seine Recherchen versuchte Flügel, Kontakt zu Künstlern wie Daniel Richter, Jonathan Meese oder Harald Nägeli aufzunehmen - die lehnten jedoch ab. "Seltsam", so Flügel, "Künstler, die selbst von Repressionen bedroht waren oder sind, lehnen explizit die Solidarität ab."

 

Für die französische Street-Art-Künstlerin Miss.Tic ist Poesie ein Extremsport: Das Atelier sei auf der Straße, sie lasse sich nicht einsperren. Für sie erzeuge der öffentliche Raum ein extremes Gefühl von Freiheit. Dennoch nimmt sie Aufträge an, um sich finanzieren zu können - das bringt ihr reichlich Kritik ein: Ist es denn opportunistisch, öffentliche Aufträge anzunehmen? Verrät sie sich da im Sinne der l'art pour l'art? Im Kern geht es um den Karrieresprung einer Straffälligen zum Status einer Künstlerin. Den Klarnamen der Künstlerin kennen nach eigenen Angaben jedoch nur "die Bullen und der Fiskus".

 

"Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, Kunst hat sich verändert", sagt KP Flügel. "Der Kapitalismus kann aus dem Protest von gestern das Produkt von morgen machen." Die Leipziger Madonna des Grafittistars Blek le Rat beispielsweise, die seit 20 Jahren mehr oder weniger unbeachtet an einem Haussockel prangte, kam jetzt als Kunstwerk hinter Plexiglas. "Das wäre doch perfide, wenn das in Hamburg mit OZ geschehen würde." Oliver Dietrich

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 16.10.2013

Die Melodie geschriebener Worte

„Literatur in concert“ zum ersten Mal im Kuze

 

Gelesene Worte treffen auf zarte Klänge, prallen in der Luft aufeinander und vermengen sich zu einer einzigen Melodie. Im gemeinsamen Tanz verweben sie sich, werden zu einer Geschichte, in der Musik und Wort beide ihre Rolle spielen. Weder eine reine Lesung noch ein einfaches Konzert stehen auf dem Programm, wenn am kommenden Montag die Autorin Kathrin Hotowetz und die Mitglieder der Band Brigandu gemeinsam im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Literatur in concert“ zum ersten Mal die kleine Bühne des studentischen Kulturzentrums (Kuze) betreten.

 

Eine musikalische Lesung verbindet Musik und Literatur auf eine besondere Weise. Nichts steht allein für sich, beide sind im Einklang miteinander. So ist zumindest das Konzept. Wenn sich Miriam Bohse, Musikerin der Berliner Band Brigandu, an die Anfänge ihrer Zusammenarbeit mit der Autorin Kathrin Hotowetz zurückerinnert, kann sie sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. „Wir haben ohne gemeinsame Vorbereitung einfach losgelegt, nichts war abgestimmt und wir mussten unsere Setlist immer wieder spontan umwerfen“, erzählt sie. Das war im November 2012.

 

Spontanität und Zufall sind zwei Schlagworte, wenn man sich die kleine Erfolgsgeschichte von Brigandu anschaut. Nicht, weil ihnen das Glück einfach so zufallen würde. Viel Arbeit steckt in dem Projekt Brigandu, das Anfang 2012 entstand. Zufall deswegen, weil Kathrin Hotowetz das Berliner Trio, das als Vorband bei einem Konzert von „Blackmore’s Night“ auftrat, entdeckte und sie unbedingt als musikalische Untermalung für die Lesungen zu ihrer Krimireihe „Im Schatten der Hexen“ haben wollte. Spontan sagten Brigandu zu.

 

Nach diesem ersten, etwas unorganisierten Auftritt zur Veröffentlichung des zweiten Bandes „Hexenjahr“ im November 2012 hat sich das Projekt „Literatur in concert“ jedoch deutlich weiterentwickelt. Vier weitere Veranstaltungen von „Literatur in concert“ haben sowohl die Autorin als auch die Band viele Erfahrungen sammeln lassen. „Wir passen unsere Stücke den Textstellen an, die Kathrin vorliest“, erzählt die zweite Frau im Brigandu-Trio, Miriam Carl. Die gemeinsamen Inspirationsquellen keltischer und nordischer Legenden liefern so immer wieder Überschneidungen zwischen der Musik und der Literatur.

 

Mit ihrem Erstlingswerk „Hexenring“ hat sich Kathrin Hotowetz eher unbekanntem Terrain angenähert, den Legenden und Mythen der Harzregion. „In dem Roman verwebt sie viele unterschiedliche Ebenen miteinander, zeitlich und thematisch.“ Die Mythen des Harzes aus dem 17. Jahrhundert, Hexenlegenden und die Polizeiarbeit des 21. Jahrhunderts werden miteinander verbunden. Mittelalter trifft auf Moderne. Mit ihrer Kombination aus traditionellen keltischen Klängen und orientalischer Percussion ergibt die Musik von Brigandu das passende Gegenstück zu Kathrin Hotowetz’ Literatur. „In den Romanen geht es häufig sehr düster zu, wir versuchen das Licht zu sein.“ Für Miriam Carl spielte die Beschäftigung mit dem Roman deshalb eine große Rolle. „Wir inspirieren uns immer wieder gegenseitig. Wir finden Teile, mit denen wir uns identifizieren in den Büchern, und unsere Musik findet auch Eingang in die Geschichte.“

 

Wichtig sei es jedoch, während der Lesungen mit der Musik in den Hintergrund zu treten. „Wir sind dann keine Musiker auf der Bühne, die die Entertainer spielen. Wir sind dazu da, die Atmosphäre zu schaffen“, erklärt Miriam Bohse ihr Verständnis des Zusammenspiels von Musik und Literatur. „Wir unterstützen die Themen der Textpassagen mit unseren Liedern und versuchen beides möglichst miteinander zu verbinden.“ Nicht abgehackt hintereinander gereiht: Die Verbindung von Musik und Literatur soll fließend sein.

 

Eine passende Atmosphäre zu schaffen sei dabei allerdings gar nicht so einfach. „Es hängt viel vom Ort ab, an dem wir spielen.“ Das Kuze habe dafür die perfekten Bedingungen, nicht zu groß und nicht zu klein. Schön öfter war Miriam Bohse, die zurzeit ein Studium der Musikwissenschaft und Germanistik an der Universität Potsdam absolviert, zu Gast im Kuze. Dort ließe sich eine Spannung aufbauen, die der Kriminalgeschichte mit der mystischen Harz-Saga gerecht wird. „Ein großer bequemer Ohrensessel für Kathrin, der wäre perfekt“, sagt Miriam Bohse, deren Ideen für die musikalischen Lesungen noch lange nicht erschöpft sind. Denn schließlich können sie sich nicht nur in einer, sondern gleich in zwei Kunstformen kreativ ausleben, wenn Musik auf Literatur trifft und beides gemeinsam eine Geschichte erzählt.

Chantal Willers

 

„Literatur in concert“, am Montag, 29. Juli, 20 Uhr, im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10, Eintritt frei

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 27.07.2013

Lästern strengstens verboten

Am Freitag gibt es im „Kuze“ die Archiv-Lesebühne: Untergrunddichter kramen in ihren Mottenkisten

 

„Auf dem Schenken lastet der Fluch der Dankbarkeit und noch schlimmer, der des Wiederschenkens.“ Jobst kann einfach nicht verstehen, wie sich jemand über Geschenke freuen kann. Der Lesebühnen-Autor, der im richtigen Leben Ingolf Penderak heißt, schrieb ein ganzes Pamphlet wider der schweren Bürde des Schenkens. Es ist ein neuer Text. Gerade erst hat er den letzten Punkt gesetzt. Er ist kurzweilig und pointiert. Und etwas unbehauen. Den letzten Schliff kriegen die Texte beim Sprechen. Dafür sind sie geschrieben.

 

Auf der Bühne im Studentischen Kulturzentrum (Kuze) hat dieses „Schenken“ allerdings noch nichts zu suchen. Denn dort wird am morgigen Freitag zur Archiv-Lesung gebeten: zur Vorstellung alter Texte. Einmal im Vierteljahr kommen die Organisatoren und Mitstreiter Lesebühne des Nil-Klubs am Neuen Palais in die Innenstadt, um sich um Kuze der Nostalgie hinzugeben. Da geht es allein um Texte, die bereits in die Öffentlichkeit hinausgeschickt worden sind. Auf der Lesebühne im Nil-Klub, die einmal im Monat stattfindet, gibt es indes nur Neues, am besten gerade gedichtete Texte wie den übers Schenken.

 

Im Kuze, in der Veranstaltung „Culturama“, schauen Jobst und sein Mitstreiter Konrad Endler in ihre schon angestaubten Werke und kramen die schönsten heraus: schräge, skurrile oder einfach nur lustige. Jobst, der ehemalige Ingenieur und jetzige Autor der kurzen Form, hat bereits 170 vorzuweisen, Konrad Endler beachtliche 400. Der ist aber auch schon ein Dino in der Lesebühnenlandschaft und einigen sicher noch bekannt von den wöchentlichen „Papierpiloten“ im Waschhaus, die es seit 2007 nicht mehr gibt. Dafür engagiert sich Endler nun im Nil-Klub, gemeinsam mit Jobst aus Kirchmöser. Dieser Ortsteil Brandenburgs taucht immer wieder auf der Lesebühne auf, Jobst hat ihn bereits vielfach literarisch bedacht. Noch kann der Autor vom Texten nicht leben. Aber es gibt Hoffnung – schließlich haben es einige aus der Szene bis ganz nach oben geschafft: Horst Evers, Wladimir Kaminer zum Beispiel – die Stars unter den Lesebühnen-Schreibern. Oder Ahne mit seinen „Zwiegesprächen mit Gott“, der im Radio Eins inzwischen Kultfigur ist.

 

Jobst versucht es weiter im Nil-Klub oder jetzt als Gast im Kuze. Oberstes Gebot beim Schreiben: Lästern strengstens verboten – egal ob es um die lieben Mitmenschen oder die große Politik geht. „Lästern hat immer etwas mit Arroganz zu tun“, so Jobst. In ihren Texten geht es zumeist um das eigene Erleben und Verhalten oder um frei erfundene Figuren.

 

Als Gast kommt am Freitag noch Ivo Lotion dazu, der Liedparodien auf Schlager, Pop-Songs oder Hip-Hop vorträgt, auf Texte ohne Sinn: „dafür auf trashige Art und Weise, mit einem Humor, der um die Ecke kommt“, wie Jobst verspricht. Zwischen dem Kramen der Untergrunddichter in den Mottenkisten nach archaischem Lesestoff präsentiert Mira Jones alias Patricia Vester zudem Musik scheibenweise. Alle Besucher, die trotz Hitze hoffentlich zahlreich ins Kuze kommen, können sich mit Zeichenstift in der losen Blättersammlung des Gästebuches porträtieren oder karikieren und sich dann als Konterfei an eine Leine baumeln. Zudem gibt es einen Kettentext, an dem alle Besucher mitschreiben dürfen. Der erste Autor beginnt mit zwei Sätzen, die anderen hängen weitere dran – bis am Ende die Geschichte steht. Auf der Lesebühne geht es zuallerst um gute Unterhaltung und nicht um tiefschürfende Gedanken oder große Literatur.

 

„,Er hat’s doch nur gut gemeint’, wird jeder Mist der Kritik entzogen und tolerante Duldung angemahnt“, schreibt Jobst in seinem Essay übers Schenken. So soll es mit den Lesebühnen-Texten indes nicht sein. Kritik ist durchaus erlaubt.

Heidi Jäger

 

Vorleseshow im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10, 26. Juli, 20 Uhr, Eintritt frei

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 25.07.2013

FESTIVAL FÜR IMPROVISIERTES THEATER: DABEI SEIN IST IMPRO

Das 3. Potsdamer Festival für improvisiertes Theater steht 2013 unter dem Motto "Dabei sein ist Impro", denn Theater lebt von Interaktionen zwischen Menschen. An zwei Wochenenden können Theaterfreunde Shows miterleben oder bei verschiedenen Workshops selbst im Rampenlicht stehen. Das Besondere am Improtheater ist, dass keine Aufführung wie die andere ist. Jede Geschichte wird erst auf der Bühne geschaffen. Ein Highlight wird die Show des kanadischen Impro-Duos Crumbs aus Winnipeg. Stephen Sim und Lee White verstehen es, mit aberwitzigen Stories, feinsinnig-selbstironischen Darstellungen und dem perfekten Timing das Publikum in allen Stimmungsfacetten zu unterhalten. Beim "Bachelor of Impro" gehen studentische Gruppen aus Wien, Münster, Jena und Potsdam an den Start, um den Publikumspreis zu erspielen. 3, 2, 1, los! S. Schmidt

 

Erschienen in der Opens external link in new windowEVENTS

Drittes Impro-Festival

Tagesaktuell, einmalig und immer unterhaltsam: Das Potsdamer Kulturzentrum Kuze veranstaltet zum dritten Mal ein Festival für Improvisationstheater.


Potsdam - Potsdam wird im Herbst zum Theater-Experimentierfeld: Zum dritten Improvisationstheaterfestival vom 26. Oktober bis 2. November werden neben dem kanadischen Duo CRUMBS mehrere studentische Improvisationsgruppen erwartet, teilte das Kulturzentrum KuZe am Freitag in Potsdam mit. Auf dem Programm steht auch ein Wettbewerb um den "Bachelor of Impro".

Das besondere der Theaterform sei, dass ungeprobt und inspiriert durch Vorschläge des Publikums gespielt werde, hieß es. Damit sei das Improvisationstheater nicht nur "tagesaktuell, einmalig und überraschend unterhaltsam", sondern bringe auch Menschen zusammen.

Das Potsdamer Festival lege dabei besonderen Wert auf das Zusammenspiel verschiedener Improvisierer, hieß es. So träten überwiegend keine festen Ensembles auf, sondern einzelne Spieler, die sich für eine Show zusammenfinden und "nur durch den Geist der Improvisation miteinander spielen". (epd)

Der Artikel ist erschienen in der Opens external link in new windowPNN vom 19.07.13

Es nässt und schimmelt

Das Studentenwerk in Potsdam arbeitet am Kuze die vom alten Eigentümer hinterlassenen Baumängel ab


Innenstadt. Das Studentenwerk hat nach der Übernahme des studentischen Kulturzentrums Kuze in der Hermann-Elflein-Straße 10 mit der schrittweisen Abarbeitung gravierender Baumängel begonnen. In den vergangenen Wochen wurden mehrere Dachgauben ausgetauscht, deren Holzkonstruktion „völlig durchfeuchtet und in weiten Teilen verfault war“, wie Studentenwerks-Sprecherin Gudrun Wewetzer sagte. Die Gauben sitzen als Lichtspender im Dach über dem großen Seminarraum, der schon mehrfach ein Ort sinnfälliger Ereignisse war.

 

Zur Eröffnungspressekonferenz des Kuze im November 2005 versicherten die damalige Baudezernentin und der damalige Grundstückseigentümer in diesem Raum unisono, dass die Wohnungen in der Nachbarschaft kein Risiko für den mit Geräusch verbundenen Kultur- und Versammlungsbetrieb sein würden: Nach diversen Anwohnerbeschwerden sollten die Besucher später auf Schildern zu „Ruhe im Block!“ aufgefordert werden, um die Situation wieder etwas zu entspannen. Doch mittlerweile gab es auf dem Gelände noch ein ganz anderes Problem: Eindringende Nässe und Schimmelbildung. Besonders krass war die Situation im Seminarraum, wo das Wasser bei stärkerem Regen durchs Dach troff und mit Eimern aufgefangen werden musste, wie sich Kuze-Geschäftsführerin Sabine Finzelberg erinnert.

 

80 Prozent der 1,2 Millionen Euro Bauinvestition für das Kuze kamen als Förderung von der öffentlichen Hand. Doch erst nach dem Erwerb der Immobilie durch das Studentenwerk im Spätsommer des vergangenen Jahres, mit dem wohl eine Zwangsversteigerung des Grundstücks abgewendet wurde, wird allmählich das ganze Ausmaß von Pfusch und Schlamperei auf dieser Sanierungsbaustelle offenbar. Ein erstes Sachverständigengutachten, das vom Studentenwerk noch im Zusammenhang mit den Kaufverhandlungen in Auftrag gegeben worden war, hatte einen Investitionsstau in Höhe von 110 000 Euro ergeben. Über die tatsächlichen Kosten könne man allerdings noch nichts sagen, erklärte Wewetzer mit Verweis auf die insgesamt fünf morschen Gauben, von denen jetzt die ersten inklusive der umliegenden Dachabdeckung erneuert sind. „Wenn da gearbeitet wird, ist das wie ein Sesam öffne dich“, bei dem der Umfang der Schäden erst offenbar wird.

 

Weitere Position auf der dringlichen Sanierungsliste ist laut Wewetzer die Terrasse im Innenhof, bei der 25 Quadratmeter Betonplatten „nicht fachgerecht verlegt“ seien. Die Folge: Mangelhafte Verkehrssicherheit und ins Gebäude dringende Nässe. Es gibt durchfeuchtete Außenwände und Nässe, die durch die schlecht abgedichtete Decke in den Bierkeller eindringt. Nässeschäden gibt es nicht zuletzt auch in den Wänden des Theatersaals am anderen Ende des Grundstücks.

 

Vom Tisch ist hingegen das Problem der empfindlichen Brandmeldeanlage, die in den ersten Jahren etliche Male kostspielig Fehlalarm ausgelöst hatte. Der Streit um die Kostenübernahme von durch Fehlalarm ausgelösten Feuerwehreinsätzen und der Streit um die Behebung von Baumängeln hatten das Verhältnis der Nutzer des Kuze und des Eigentümers über Jahre hinweg zerrüttet. Eine Eskalation schien sich anzubahnen, als die Eigentümergesellschaft im Streit um eine mängelbedingte Mietminderung mit Insolvenz und einer anschließenden Zwangsversteigerung des Grundstücks drohte. An dieser Stelle kam das Studentenwerk ins Spiel, das das Kuze schließlich nach monatelangen Verhandlungen mit dem Segen des Landes übernehmen konnte.

 

Von Volker Oelschläger

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der MAZ vom 16.07.2013

Küchenschaben im Kochduell

Das Kuze-Straßenfest „Home Street Home“


Das war auf jeden Fall ehrlich verdient, nach dem tropfnassen Reinfall des letzten Jahres: Bei strahlendem Sonnenschein fand das diesjährige Kuze-Straßenfest unter dem griffigen Titel „Home Street Home“ am Samstag auf der Hermann-Elflein-Straße statt, ein quietschbuntes Vergnügen mit einer großen Bühne. Das Kuze selbst zeigte sich eingerüstet: Die Bauarbeiten zur Sanierung der Dachgauben hatten begonnen.

 

Der Auftakt mit Zauberer war etwas weniger magisch, aber manchmal erobert sich auch Mitleid die Herzen der Anwesenden. Zahlreiche Infostände säumten die Straßen, alte Bekannte und Kuze-Sympathisanten: Der Archiv e.V. hatte einen Stand aufgebaut und versuchte, die klamme Kasse durch den Verkauf allerlei Devotionalien aufzubessern, der Buchladen „Sputnik“ brachte Literarisches unters Volk, es gab eine Siebdruckwerkstatt, bei der man T-Shirts selbst bedrucken konnte – alles bunt und gut.

Auf der Bühne versuchten sich unterdessen die Frankfurter Young Hare, die allerdings einen zum Gähnen zwingenden 80er-Synthiepop brachten, den man lieber ganz leise hören sollte. Wer hat die denn aufgegabelt? Ein bisschen Novemberfeeling, das man aber mit einem der fantastischen Erdbeerslushies zuverlässig verblassen lassen konnte.

 

Der Höhepunkt war ganz sicher das Kochduell: „Essen 4“ sollte zubereitet werden, und der Mensabesucher wusste natürlich, dass es sich hierbei um das vegetarische Alternativessen handelt. Drei Teams stellten sich einer aus Besuchern rekrutierten Jury, welche die Livegerichte nach den Kriterien Aussehen, Geschmack und Kreativität beurteilen sollte – Bedingung war, dass jedes Gericht Zwieback als Zutat enthalten sollte. Wer hätte gedacht, dass kulinarische Unterhaltung so viel Zuspruch findet: Es wurden große Mengen zubereitet, sodass auch die Umstehenden durchgefüttert werden konnten – dafür gab es keinen dritten Platz, sondern nur zwei zweite Plätze, die sich die Teams „Die Küchenschaben“ und „Ente gut – alles gut“ teilten. Gewinner des Kochduells wurde „Team-i-li-Körtes“ vom Kuze, das mit einer syrisch angehauchten Zwieback-Mahlzeit punkten konnte – und sicherlich auch damit, die Jury mit Kirschlikör bestochen zu haben.

 

Mit einsetzender Dunkelheit standen Radio Burroughs mit recht anspruchslosem Indierock auf der Bühne, die sicherlich auch davon profitierten, nicht am Nachmittag gespielt zu haben. Im Vergleich zum vergangenen Jahr also eine ziemlich zahme Musikauswahl, dafür aber das Feuerwerk im Rücken – und die Besucher des Open Airs auf dem Bassinplatz, die schlückchenweise ins Kuze gekleckert kamen, um die Aftershowparty nicht zu verpassen. 

von Oliver Dietrich

 

 

Der Artikel ist erschienen in der Opens external link in new windowPNN vom 15.07.13

Deutsch lernen gleich nach der Ankunft

Stadt bezahlt Sprachkurse für neue Asylbewerber


Sayed Rahman aus Birma spricht noch langsam. "Fährst Du gern mit dem Bus? Nein. Ich nicht fahre gern mit dem Bus." "Ich fahre nicht gern mit dem Bus", verbessert ihn Sandra Timper. Auf der Terrasse im Kulturzentrum Kuze sitzen junge Asylbewerber, die seit acht Wochen an einem über das Diakonie-Projekt "Clever" organisiertem Deutsch-Kurs teilnehmen. Zwei Lehrer betreuen elf Schüler, eine super Quote, viermal in der Woche, drei Stunden. Noch zwei Tage, dann ist der Kurs vorbei. Was sie dann machen, wissen sie nicht. Ihre Asylverfahren laufen, deshalb dürfen sie weder arbeiten noch eine Ausbildung beginnen. Aber sie wollten lernen, und dieser Deutschkurs war die perfekte Übergangslösung.

 

Jetzt soll sich etwas ändern. Vielleicht werden einige von ihnen bald den nächsten Kurs beginnen. Denn ab August wird die Stadt Potsdam Deutsch-Grundkurse für alle neu ankommenden Flüchtlinge in Potsdam bezahlen, unabhängig von dem Status ihres Asylverfahrens.

 

Bisher gilt in Potsdam, was in ganz Deutschland gilt: Ein Asylbewerber hat, solange sein Antrag nicht positiv beschieden ist, kein Anrecht auf einen kostenlosen Sprachkurs. Ausnahmen sind schulpflichtige und berufsschulpflichtige Kinder und Jugendliche. Ein Problem für viele Menschen, die gerade in den ersten Monaten, in denen sie Zeit hätten und hoch motiviert sind, untätig bleiben müssen. Eine vertane Chance, meint Katrin Böhme vom Potsdamer Migrantenberatungsfachdienst. Das räche sich spätestens dann, wenn den Menschen plötzlich, quasi über Nacht, mit einem positivem Bescheid ihres Antrags die Integration abverlangt wird, in die Gesellschaft, die Nachbarschaft, den Arbeitsmarkt. Ein frühzeitiger Lernbeginn wäre eine sinnvolle Investition für die ganze Gesellschaft, sagt sie.

 

40 000 Euro im Jahr stellt die Stadt jetzt für Deutschkurse zur Verfügung. Diese könnten beispielsweise in der Volkshochschule stattfinden, je nach Vorbildung der Person mit bis zu 600 Stunden. "Eine freiwillige Maßnahme der Stadt", sagte die Ausländerbeauftragte Magdolna Grasnick. Niemand könne absehen, wie viele Flüchtlinge bis Jahresende Potsdam zugeteilt werden, aber auch, wer im November ankommt, werde noch Deutsch lernen können, sagt sie. Notfalls müsse der Betrag aufgestockt werden.

 

Initiativen wie "Clever" vom Diakonischen Werk seien damit bei Weitem nicht überflüssig, betonte die Ausländerbeauftragte. Sie leisten neben dem Sprachunterricht oft einen großen Beitrag zur Sozialisation der Flüchtlinge.

 

Der Unterricht in kleinen Gruppen, wie ihn die Diakonie derzeit im Kuze organisiert, sei wichtig für jugendliche, aber nicht mehr schulpflichtige Zuwanderer, um sie für Ausbildungen fit zu machen, sagt Böhme. So würden auch Flüchtlinge, die über wenig Schulerfahrung verfügen, erreicht. Und schließlich sei für viele Menschen mit persischen oder afrikanischen Muttersprachen die Umstellung auf europäische Sprachen schwieriger als erwartet, das Lernen dauere einfach länger, so die Erfahrung der Lehrer. Solche kleinen Kurse sind dann ein guter Einstieg.

 

Über "Clever" werden aber nicht nur Sprachkurse finanziert. Über das Spendenprojekt, das zunächst 2013/2014, läuft, konnten Zeugnisse übersetzt, Praktika organisiert und in einigen Fällen Zugangsvoraussetzungen für eine Gasthörerschaft an der Universität geschaffen werden. Insgesamt wurde bisher 41 jungen Menschen geholfen.

Steffi Pyanoe

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 11.07.2013

 

Holzkohlegrill, Fahrstuhlmusik und ein Hund

Dangerous Person? im „Kuze“

 

Laue Sommernächte, Montagskultur, ein bisschen leichtbeschwingter Electropop – eigentlich eine angenehme Abendgestaltung, die einen ins studentische Kulturzentrum „Kuze“ lockte. Am Ende war es jedoch ein Hund, der sich diesen Abend in den Vordergrund spielte, obwohl er selbst nicht einmal anwesend war. Dabei hatte es das angereiste Duo Dangerous Person? wirklich nicht leicht, sich unter diesen erschwerten Bedingungen zu behaupten: Auf dem Innenhof des Kuze roch es magnetisch-lecker nach frisch Gegrilltem, eine locker-zahlreiche Runde, die sich kulinarisch nicht lumpen ließ: Was dort aufgetischt wurde, ließ einem das Wasser im Mund zusammenlaufen und es war unmöglich, alles zu probieren. Zugegeben: Diesen kulinarischen Genuss zum Thema des Abends zu machen, wäre der Band gegenüber mehr als unfair. Aber manchmal sind Nase und Magen einfach stärker als Auge und Ohr.

 

Dangerous Person? ließen sich mit dem Beginn des Konzerts wohlwollend Zeit. Natürlich war auch ihnen bewusst, dass sie es schwer haben würden – hatte das spontane Barbecue doch ein hehres Ziel: Mittels Spenden sollte etwas Geld zusammenkommen, um einem an Diabetes erkrankten kleinen Hund mit dem Namen Tequila die Behandlungskosten beim Tierarzt zu ermöglichen, das große Fressen zum Wohle eines Tieres. Dass dabei auch Tiere auf dem Grill landeten, war die feine Ironie der Sache. Der Zweck heiligt manchmal eben die Mittel.

 

Das Electropop-Duo Dangerous Person?, das sich recht spät auf die Bühne wagte, schien ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein, der Sängerin Rose Hunter im 20er-Jahre-Look mit künstlichen Wimpern und einer bademantelähnlichen Tunika stand Gitarrist Gustav Jäger zur Seite, der nicht minder retro daherkam: Oberlippenbart, weißes Hemd, Hosenträger – und mit einer gewissen Ähnlichkeit mit Josh Brolin im Film „No Country For Old Men“. Percussion und Background kamen aus einem Notebook, welches unübersehbar in der Mitte der Bühne glimmte, ab und zu wurde ein bisschen Keyboard eingespielt, alles wirklich sehr poppig. Aber diese Unaufdringlichkeit hätte wohl am besten nach draußen gepasst, als absolut mahlzeitenkompatibles Easy Listening, weniger in die dunkle Isolation des Theatersaals. Immerhin fand irgendwann eine leichte Fluktuation zwischen den um den Holzkohlegrill Versammelten und dem Theatersaal statt – die Montagskultur spielte sich aber eindeutig am Herd ab.

 

Und irgendwann kam es so, wie es nicht anders kommen konnte: Die Hunde-Soli-Party fand ihr Zentrum auf dem Hof, bei geöffneter Tür zum Theatersaal, sodass das Geplätscher nach draußen dringen konnte. Dangerous Person? lieferten so die magenfreundliche Begleitmusik zu schweren Mahlzeiten, Bob Dylans „It’s All Over Now Baby Blue“ als Fahrstuhlmusik etwa. Das war zwar gepflegte Langeweile, aber irgendwie nicht unpassend. Das Duo schlechtzureden wäre auch in etwa so, als würde man einen Hund treten. Nein, diese brave Naivität, die die Band verkörperte, verschmolz irgendwie mit der warmen Sommerluft und machte den leichtfüßig-schmachtenden Pop fast unsichtbar. Man kann musikalische Langeweile eben pflegen, und wenn man will, sogar wie ein gutes Essen genießen. Immerhin war der Abend ja für einen guten Zweck. 

Oliver Dietrich

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 10.07.2013

Fotos und Stofftiere im Atelier Schülerkunstprojekt

„SKiB“ im Kuze

 

Es gehört schon Talent und Wille dazu, sich künstlerisch auszudrücken. Kunst ist eben expressiv, man kann sie nicht erlernen oder einüben, ohne eine gewisse Voraussetzung dafür zu besitzen. Dieses Talent jedoch frühzeitig zu entdecken und zu fördern, das ist die Aufgabe der Kunstpädagoginnen und Kunstpädagogen – wenn sich dann noch die Gelegenheit bietet, den besten aufstrebenden jungen Künstlern eine Plattform zu geben, um sich künstlerisch auszutoben, dann ist die Mission „Kunstförderung“ schon so gut wie erfüllt. Am vergangenen Samstag fand wieder das Projekt „SKiB – Schülerkunst in Brandenburg“ statt, ein Schülerseminar des Fachverbands der Kunstpädagogik (BDK) – mit dem erklärten Ziel, noch an jenem Nachmittag jene Person zu küren, die das Land zum Bundesförderseminar des BDK an der Jugendkunstschule Atrium in Berlin vertreten wird; es ging also um etwas.

 

Gelangweilte Schüler mit Pinsel in der Hand also? Von wegen: Unter Anleitung von Profis fanden sich die auserwählten Brandenburger Schülerinnen und Schüler zu einem ganzen Tag kreativer Arbeit im Kuze ein, in dem tags zuvor selbst noch eine Ausstellungseröffnung gefeiert wurde. Wer jedoch unmotivierte Farbkleckse auf Papierblättern erwartete, konnte durchaus mit offenem Mund stehen bleiben. Da war nicht nur ganz schön viel konzentriertes Arbeiten zu erleben – immerhin war es schulfreier Samstag –, sondern auch beeindruckende Ideen, die auf die 80 mal 100 Zentimeter große Leinwand gebracht wurden. Das Thema dieses Jahres war „Kindheit und Erinnerungen“, kein Wunder also, dass so viele Stofftiere und Fotos im Raum verteilt lagen. „Wir machen das schon mehrere Jahre, 2011 entstand sogar ein Dokumentarfilm“, erzählt Daniela Schultz vom BDK, die das Projekt betreut. Die Arbeiten bestanden weitestgehend aus Collagen, die durch Fotos und Farben bearbeitet und verfremdet wurden. Bilder, die aus der Mitte heraus entstanden, übermalt, beklebt wurden – anstrengendes Arbeiten in einem Raum, zusätzlich zur engen Zeitvorgabe. Dafür war es aber auch ein Schülerkunstprojekt, so etwas lässt eben nicht den entspannten Rahmen der Arbeit des herkömmlichen Künstlers zu: allein, welt- und zeitvergessen in einem Atelier. Spät am Nachmittag wurde die Siegerin gekürt: Eunike Rietz vom Haeckel-Gymnasium in Werder überzeugte die Jury und wird zum Bundesförderseminar in Berlin antreten, Gina Marx aus Falkensee und die Potsdamerin Tara Hoffmann kamen auf die Plätze zwei und drei. Bisher hat sich noch niemand gefunden, den Arbeiten einen Ausstellungsraum zu geben. 

Oliver Dietrich

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 06.06.2013

Studieren ist mehr als Uni

In das Studentenkulturzentrum Kuze ist nach dem Besitzerwechsel wieder Optimismus eingezogen

 

Das studentische Kulturzentrum Kuze buhlt um Studierende – diese Woche startete eine Campus-Tour über alle Außenstellen der Potsdamer Uni, es gab Musik, Informationen und eine Tombola, bei der jedes Los gewann: Buttons, T-Shirts, bedruckte Stoffbeutel, Einladungen und Gutscheine für Freigetränke. „Studieren ist mehr als Uni“ lautet die Devise, mit der das Kuze Aufmerksamkeit gewinnen möchte – und dieses Konzept hat auch schon in den Vorjahren gut geklappt, besonders die Freigetränke werden gern eingelöst. Und auch auf dem Campus wurde festgestellt, dass dem Großteil der Studierenden das Kuze durchaus ein Begriff ist, sogar denen, die gerade erst nach Potsdam gezogen sind.

 

Dabei stand das Kuze letztes Jahr noch auf der Kippe: Das 2005 eröffnete Gebäude befand sich in Besitz eines Berliner Immobilienunternehmers, der vergangenen Sommer Insolvenz anmeldete – dem Kuze drohte die Zwangsversteigerung. Klar, dass bei derart exponierter Innenstadtlage eine weitere kulturelle Nutzung so gut wie ausgeschlossen war. Die letzte Hoffnung lag auf dem Studentenwerk, das sich im August 2012 zum Kauf der Immobile entschied (PNN berichteten).

 

Die letzten Jahre im Privatbesitz ist einiges liegen geblieben, dringend erforderliche Arbeiten waren seitens des Vermieters trotz mehrmaliger Nachfrage nicht erfolgt. Dabei handelt es sich nicht nur um Bagatellen: „Die Dachgauben sind ziemlich marode, dort regnet es seit Jahren rein“, erklärt Geschäftsführerin Sabine Finzelberg. Seit dem 1. Januar sei nun die Hausverwaltung des Studentenwerks verantwortlich, und schon waren die ersten Firmen vor Ort, um die Schäden zu inspizieren. Die Mängel wurden dokumentiert und momentan werde ein Gutachten erstellt – Rettung ist also in Sicht. „Es kann natürlich nicht alles auf einmal top gemacht werden, das ist eben ein altes Gemäuer“, sagt Gudrun Wewetzer, die Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit vom Potsdamer Studentenwerk. „Wir müssen da Stück für Stück vorgehen, das ist auch eine finanzielle Frage.“ Der Kauf der Immobilie sei ja schon eine gewaltige Investition gewesen, mittlerweile ist auch noch nicht alles im Objekt vermietet. Aber das Kuze liegt auch der Studentenwerks-Sprecherin persönlich am Herzen: „Das Haus ist ein Kleinod mit ganz viel Flair.“

 

Unterdessen wird im Kuze schon der Sommer geplant: Bei der Fête de la musique sei man natürlich wieder dabei, und auch das traditionelle Straßenfest, das letztes Jahr ja beinahe buchstäblich ins Wasser gefallen ist, finde am 13. Juli wieder statt. Ab Mai gibt es mit „Culturama“ jeden vierten Freitag im Monat die Lesebühne, und ab Juni jeden zweiten Freitag die Impro-Gameshow mit Improvisationstheater. Dennoch werden immer wieder neue Leute und Gruppen benötigt, die sich mit Ideen und Vorschlägen einbringen möchten. „Wenn jemand einfach mal am Tresen stehen möchte, kann er sich melden“, sagt Finzelberg. Vor allem samstags muss die Kneipe zu oft geschlossen bleiben, das wolle man schon gern ändern. „Wir machen das Ganze ja auch nicht als Selbstbespaßung.“

 

Besonders erleichtert ist man im Kuze, dass sich die Situation mit den Anwohnern entspannt hat. Das war auch mal ganz anders gewesen. Deswegen hatte man offensiv das Gespräch gesucht und Kompromisse ausgehandelt: Ab 22 Uhr wird grundsätzlich alles nach drinnen verlagert – im vergangenen Winter habe es nicht eine einzige Beschwerde gegeben.

 

Die anderen studentischen Treffpunkte – das Pub à la Pub in der Breiten Straße und den Nil-Club am Neuen Palais – sehe man nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. „Wir wollen auch etwas eigenes machen, zum Beispiel mit den Motto-Partys“, sagt Finzelberg. Das Archiv habe die 80er-Partys, das Spartacus Electro – aber in so einer Größenordnung kann man natürlich nichts machen, ohne dass es Probleme mit den Nachbarn gibt. Das Kuze bleibt der Raum für die Kleinkultur, für Theater und Konzerte. „Ich habe ja gehört, dass einige Bands und Künstler nur hier auftreten wollen, weil unser Essen so gut ist“, sagt Finzelberg und lacht. „Aber die sollen sich ja auch hier wohlfühlen.“

Oliver Dietrich

 

Studentisches Kulturzentrum Kuze in der Hermann-Elflein-Str. 10. Nächste Veranstaltungen: Freitag, 12. April um 19 Uhr: Vernissage mit keramischer Plastik und Zeichnungen „Neues von Erika E.“, Samstag, 13. April: Commedia dell’ Arte, Vorstellung der Theatergruppe CRAD aus Frankreich (20 Uhr).

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 12.04.2013

 

 

Ein feministischer Ostermontag Totally Stressed und Two Tears For Barbarella

Da hatten sie zwar eine neue Platte aufgenommen – aber sie schlichtweg vergessen mitzubringen. Trotzdem kein Problem, befand Sängerin Magda von Totally Stressed, man könne sich die Scheibe ja erst mal online anhören, und wenn man dann das Vinyl in den Händen halten mag, genügt eine E-Mail. Es sei auch egal, was man dafür bezahlt, wer mehr hat, zahlt eben mehr, und wer weniger hat – es gibt wohl kaum ein freundlicheres Konzept abseits kapitalistischer Bestrebungen. Musik mit Herz eben. Am Abend des Ostermontags war wieder Montagskultur im studentischen Kulturzentrum Kuze, und diesmal wurde den Frauen die Bühne überlassen – noch viel zu selten im aktuellen Musikbusiness, und nicht mal nur dort.

 

Totally Stressed machen ihrem Bandnamen wenig Ehre, so entspannt, wie sie rüberkommen. Nein, der Montagabend startete recht atmosphärisch, mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Violine und einer Sängerin, die mit einer beeindruckenden Stimme aufwarten konnte – auch wenn der Text schwer zu verstehen war, was nicht zuletzt daran lag, dass sich sechs Personen mit fünf Instrumenten die recht kleine Bühne im Kuze teilen mussten. Geboten wurde ein zuweilen einlullend-breites Songwriting mit Mut zur Länge, was ziemlich geschickt zusammengepuzzelt wurde. Gut, alle Instrumente auf einmal zu bedienen war des Guten manchmal zu viel, aber die Violine brach immer wieder nach oben aus und die Stimme war ausdrucksstark genug, um den Charakter zu wahren.

 

Dagegen wirkte das Kölner Trio Two Tears For Barbarella, das sich gerade auf Deutschlandtour befindet, geradezu reduziert, auch wenn es nicht das erwartete Riot-Grrrl-Konzept bediente. Es wurde der alten Schule gehuldigt, eine Renaissance des schon lange verloren geglaubten Grunge mit allen Schikanen: ausgetüftelte Bassläufe, eine verstimmt klingende Gitarre ohne besondere Effekte, die mit archaisch wirkenden Akkorden geradeaus stürmte: Das durfte ruhig ein wenig dreckig klingen, so wie in den Neunzigern. Wobei es der Band eher um die Botschaft ging: Ein Song über Definitionsmacht wurde beispielsweise angekündigt, ein berechtigtes Schlagwort der feministischen Bewegung. Und längst tot geglaubter Grunge – Kurt Cobain habe sich schließlich auch an einem Ostermontag erschossen.

 

Das feministische Sujet stand verwurzelt im Zentrum, schließlich kommen die Sängerinnen Alva und Luna aus dem Kölner queer-feministischen Background, es ging um Selbstbestimmung, Sexismus, Körperkult – der klassische Riot-Grrrl-Soundtrack war dazu gar nicht erst beabsichtigt. So hatte die reduzierte Musik etwas durchaus Passendes, der Schwerpunkt lag eben im Text: Auch heiser lassen sich ja hervorragend Gedichte rezitieren. Und der Bandname – „Zwei Tränen für Barbarella“ – sei ganz bewusst gewählt: Barbarella ist die Hauptfigur des gleichnamigen Science-Fiction-Films von Roger Vadim aus dem Jahre 1968. Zu dieser Zeit war der Feminismus noch in den Startlöchern, der Film strotzt noch vor sexistischen Elementen. „Die Hauptdarstellerin der Barbarella, Jane Fonda, hat sich hinterher explizit von diesem Film distanziert“, erzählt Bassistin und Sängerin Luna nach dem Konzert. Da passt Lara Croft eben wesentlich besser als Barbarella. 

Oliver Dietrich

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 03.04.2013

New York!

Antifolk-Abend am Montag im Kuze


Sie sind längst Berühmtheiten in ihrer Heimatstadt New York, wo sie mit politischem Antifolk ein breites Publikum erreichen: Toby Goodshank und Seth Faergolzia. Nachdem Faergolzia bereits letztes Jahr ein Solo-Gastspiel im studentischen Kulturzentrum Kuze verbuchen konnte, ist er nun mit seinem neuen Projekt Forest Creature zu erleben, in dem er sich mit John Ludington zusammengeschlossen hat. Faergolzias exzentrische Art mit der Intention, der Neuinterpretation des amerikanischen Folk einen neuen, punkrockgerechten Anstrich zu verpassen, führt zu mitreißenden Basteleien, die nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Wandergitarren-Folk zu tun haben: Der Fokus liegt auf dem Text, es werden auch elektronische Elemente verbaut und es ist definitiv mit Überraschungen zu rechnen - mehr Frank Zappa als Bob Dylan. Faergolzias äußere Erscheinung reicht dabei schon aus, um das Publikum zu fesseln: ein großer, bärtiger Exzentriker, der vor Kreativität nur so sprüht und einfach mal mit einer beeindruckenden Stimme gesegnet ist.

 

Toby Goodshank ist eines der Ur-Mitglieder der Moldy Peaches, die Ende der Neunzigerjahre die New Yorker Untergrundszene kräftig aufzumischen begannen. Deren Kopf Adam Green gilt als die kreative Triebfeder und schaffte es 2005 mit seinem Soloalbum sogar bis in die deutschen Charts. Während Green allerdings zu Hause bleibt, schickt sich Goodshank solo an, den kommenden Montagabend zu veredeln.

 

Goodshank, der nebenbei noch als Comiczeichner arbeitet, ist ebenfalls Teil der Antifolk-Bewegung um das New Yorker Sidewalk Café, allerdings mit deutlich mehr kryptischen Elementen - und hat es mittlerweile auf eine stattliche Zahl von 27 Albumveröffentlichungen gebracht. Ein Hauch New Yorker Revolution also, der durch das vorfrühlingshafte Potsdam wehen wird. Oliver Dietrich

 

Toby Goodshank und Forest Creature am Montag, 25. März, um 20 Uhr, im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10, Eintritt ist frei

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 23.03.2013

Ausgefeilt

Sprachjongleur Paul Bokowski im Kuze

 

Er sei ja eigentlich Pole, betont Paul Bokowski immer wieder, dabei ist er jedoch nur „in Polen gezeugt worden“ und ansonsten durch und durch Bundesbürger, wenn man das mal nicht als Charakterisierung gelten lassen mag: Bokowski jongliert mit der deutschen Sprache und benutzt Polen dabei nur als ironisches Stigma, das immer mal wieder in seinen Texten auftaucht. Das Mitglied der Berliner Lesebühne „Brauseboys“ und Gelegenheitsautor der „Titanic“ zeigte sich am Dienstagabend ganz entzückend im Theatersaal des Kuze, um sein neues Buch „Hauptsache nichts mit Menschen“ vorzustellen. „Es geht trotzdem um Menschen“, lenkte er jedoch gleich zu Anfang ein.

 

Bokowski – nehmen wir mal an, dass die Namensähnlichkeit zu Bukowski rein zufällig ist – ist geradezu ein Meister absurder Dialoge, die er immer weiter auf die Spitze treibt; ganze Kapitel seines Buches sind in reiner Dialogform geschrieben. Es sind alltägliche Begebenheiten, die im Zentrum seiner Kurzgeschichten stehen und denen er absurde Komponenten hinzufügt. Das erinnert an Horst Evers, und das scheint auch nicht ganz unbeabsichtigt zu sein, lässt sich Evers doch gern für den Klappentext dieses Buches zitieren und zeigt sich als Bewunderer. Bokowski baut seine Texte geradezu mathematisch auf, schön geregelt durch Nummerierungen. Diese Regelmäßigkeiten sind der Trumpf seiner Geschichten: Das können Tagebucheinträge sein, oder eben auch der E-Mail-Verkehr mit der Berliner Schaubühne, wo er verzweifelt versucht, einen Newsletter abzubestellen und sich in immer groteskere Antworten hineinsteigert. Und in genau diesen alltäglichen Situationen liegt das humoristische Potenzial: „Nicht vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, sondern vor einem Pritschenwagen von Robben&Wientjes“, behauptet Bokowski etwa.

 

Genau das ist seine Spezialität: Man weiß nie genau, ob es stimmt, was er erzählt. Es könnte alles durchaus real sein, obschon es eine entlarvende Realität ist, die Bokowski da skizziert. So sind seine Texte alles andere als harmlose Sticheleien, bei denen man nur auf alles gefasst sein muss. Optisch ist Bokowski eine Karikatur der Harmlosigkeit, mit Schiebermütze und Brille – diese Harmlosigkeit konterkariert jedoch hervorragend seine kaschierten Gemeinheiten. So muss man sich wirklich zusammenreißen, nicht lauthals loszulachen, wenn er beispielsweise auf seine Homosexualität rekurriert, indem er einen Harnröhrenabstrich als Folge eines heterosexuellen Ausrutschers beschreibt. Da klingt durchaus eine gewisse Heterophobie durch. Die alltäglichen Sachen sind eben immer auch die absurdesten: „Ich wünschte, dieser Text wäre nie so passiert“, kommentiert Bokowski sich dann gleich selbst mit einem verschmitzten Lächeln.

 

Bokowski verfasst seine Texte mit einer gewissen Verbissenheit, die in ihrer rhetorischen Ausgefeiltheit seinesgleichen sucht. Da darf auch zum Schluss das absolute Gegenteil herauskommen, die Hauptsache ist, dass noch eine Schippe draufgelegt werden kann. Und natürlich spielt er bewusst die polnischen Stereotypen aus, wenn er die Katholiken durch den Kakao zieht, zum Beispiel in seinen "Auszügen aus dem Evangelium nach Facebook": Da teilt Jesus eben das Brot auf seiner Pinnwand, Judas gefällt das und Maria nimmt an der Veranstaltung „Unbefleckte Empfängnis“ teil. Und genau da ist Bokowski mittendrin im Leben - da verzeiht man ihm auch gern seine kleine Dativ-Akkusativ-Schwäche.

Oliver Dietrich

 

Paul Bokowski: Hauptsache nichts mit Menschen. Satyr Verlag, Berlin, 11.90 Euro

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 21.03.2013

Keine Chansons

von Oliver Dietrich


Französischer Postrock im Kuze mit Stereozor und Mr Protector Der Abend begann mit einer Überraschung, mit der man nicht gerechnet hätte: mit Ska-Klängen aus dem Theatersaal des studentischen Kulturzentrums Kuze. Um die Potsdamer Ska-Instanz Die Ciaoceskos war es ja leider etwas ruhig geworden, weshalb dieses Lebenszeichen umso schöner war. Sieben Leute zwängten sich auf die Bühne, auf der die Sängerin Joe mit einer Stimme von rauchig-heiser bis herausfordernd-schrill ziemlich mitreißend war. Ska als Einheizer für zwei französische Hardcore-Postrock-Bands zu bringen war auf jeden Fall gewagt, klappte aber dann doch. Und so wurde der Abend insgesamt wesentlich französischer als erwartet: Französisch war überall zu hören, ob im Theatersaal oder zwischendurch an der Bar. Die erste Band Stereozor schlug die psychedelische Richtung ein, besaß aber dabei ordentlich Durchschlagskraft. Anscheinend hat man auch in Frankreich die richtige Prise Kyuss geschnüffelt, das war Rock’n’Roll mit Stoner-Elementen, jedoch ohne den für den neuen Stonerrock typischen Geschwindigkeitsverlust, der einer Vollbremsung auf der Autobahn gleichkommt. Am intensivsten waren die A-capella-Stücke, wobei der Schlagzeuger in seiner Präzision fast ein wenig unterfordert wirkte. Und das Schlagzeug-Duett gegen Ende der Show ließ unweigerlich an Kylesa erinnern. Mr Protector stammen aus der Geburtsstadt François Mitterrands, einer kleinen westfranzösischen Stadt namens Jarnac, was die mittlerweile seit zehn Jahren spielende Band jedoch nicht zu Chansons inspiriert hat. Nachdem sich Mr Protector zunächst in der Emo-Screamo-Ecke herumgetrieben hatte, kam die Band durch den Gitarristen Johan zu eindeutig mehr Hardcore-Einflüssen – was man durchaus auch hört, da sind Vergleiche mit Bands wie Refused absolut nicht unangebracht. Dieses erhöhte Aggressionspotenzial stand dem Verspielten der Vorband entgegen, wobei der Sound mehr in die Breite ging, was wesentlich an den zwei Gitarren und dem Verzicht auf einen Bassisten lag. Die Strukturen waren frappierend, der erwartete Break konnte auch mal ins Leere gehen: So wusste man nie, was als nächstes zu erwarten war. Die Gitarren verwickelten sich in einen Dialog, der die Brachialität unterstrich. Dennoch sei das deutsche Publikum anders als in Frankreich: „Die Deutschen sind irgendwie sehr ruhig. In Frankreich wird mehr ausgeflippt und getanzt.“ Das läuft hier wahrscheinlich innerlich.

Der Artikel ist erschienen in der PNN vom 27.02.2013

Kulturzentrum wird aufgemöbelt

Beim Studentischen Kulturzentrum (Kuze) in der Hermann-Elflein-Straße 10 gibt es einen Investitionsstau in Höhe von 110 000 Euro. Das gab die Sprecherin des Studentenwerks, Gudrun Wewetzer, auf MAZ-Anfrage bekannt.

 

Das Studentenwerk ist seit dem 1. September 2012 Eigentümer der Immobilie mit dem Kuze und dem vom Offenen Kunstverein bespielten Kunstwerk. Das vorhandene Nutzungskonzept sowie alle Mietverträge seien durch das Studentenwerk übernommen worden. Damit sei das Kuze als größter studentischer Kulturstandort in der Innenstadt gesichert.

 

Im Zusammenhang mit den Kaufverhandlungen habe das Studentenwerk durch einen Bausachverständigen ein Gutachten anfertigen lassen, der einen Investitionsbedarf von 110.000 Euro festgestellt habe. Bis zum 31. Dezember 2012 sei die Immobilie im Auftrag des Studentenwerks noch von der früheren Hausverwaltung betreut worden. Mit Beginn des neuen Jahres sei das Kuze in die Verwaltung des Studentenwerks übergegangen. Eine erste Begehung habe stattgefunden. „Zwingend notwendige und sicherheitsrelevante Arbeiten“ seien oder würden beauftragt. Dazu gehöre auch die Wartung der Brandmeldeanlage. Die Abarbeitung der Baumängel erfolge schrittweise nach Dringlichkeit und finanziellen Möglichkeiten.

 

Das Kuze war ab 2004 mit einer Förderung von einer Million Euro auf einem Grundstück errichtet worden, das schon seit 1989 kulturell genutzt wurde. Im Gegenzug für die Förderung musste der private Investor für 25 Jahre eine weitere kulturelle Nutzung zusichern. Im Streit um mängelbedingte Mietminderung drohte er jedoch mit Insolvenz. Bei Zwangsversteigerung wären alle Nutzungsauflagen hinfällig gewesen. (Von Volker Oelschläger)

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der MAZ vom 17.02.2013

2012                                                           nach oben

Der Moment, in dem der Ball herunterfällt

Erstes Potsdamer Jonglierfest in "Kuze"

 

Es ist dunkel im Obergeschoss des Studentischen Kulturzentrums Kuze. Dora Sophie Malleike und Hannah Markgraf stehen mitten im Raum, in den Händen sechs leuchtende Bälle. Die Musik beginnt. Dann fangen sie an zu jonglieren. Man sieht nur die fliegenden Bälle, die ihre Farben wechseln. Im schwachen Licht kann man die konzentrierten Gesichter ausmachen. Die Mädchen stehen nebeneinander und jonglieren synchron. Mal über den Kopf, mal durch die Beine. Am Ende spielen sich im besten Wortsinn die Bälle sogar zu.

Am Samstag fand im Kuze das erste Jonglierfest statt. Mit Workshops für Einsteiger und Erfahrene und einer Show am Abend zog es über zwanzig Neugierige mit Jonglier-Erfahrung und einige Neulinge ins Haus. „Den Neuen haben wir das einfache Jongliermuster mit drei Bällen beigebracht“, sagt Organisatorin Malleike. Wer dann noch Lust oder schon Erfahrung hatte, konnte statt mit Bällen auch mit Keulen und Ringen jonglieren und viele Tricks lernen.

Die 19-Jährige Dora Sophie Malleike begeisterte sich schon im Kindergarten für die Jonglierkunst. Gemeinsam mit der 17-jährigen Hannah Markgraf gab sie den Neulingen am Samstag nicht nur Einstiegs-Unterstützung, sondern führte am Abend auch eine Leucht-Jonglage vor. Für die dreiminütige Show haben die beiden vier Wochen lang geprobt. „Zuerst üben wir im Hellen“, sagte Hannah Markgraf. Wenn beim Vorführen ein Ball herunterfällt, dürfe man nicht nervös werden, das betonen die beiden Mädchen unisono: „Das Publikum hat das nämlich schneller wieder vergessen als du selbst.“ (Von Friederike Steemann)


Opens external link in new windowZum Artikel aus der MAZ vom 17.12.2012

In Echtzeit

Das Kuze bietet Festival mit Improvisationstheater



Alles entsteht genau hier, live und in Echtzeit. Keine Proben, keine Requisiten, keine vorgeschriebenen Texte. Es sind nur Wörter und blitzhafte Ideen, die, einmal den Köpfen des Publikums entsprungen, auf der Bühne gegeneinander prasseln. Es ist Spontanität gefragt, wenn sich beim 2. Potsdamer Improfestival im studentischen Kulturzentrum Kuze die Vorhänge heben oder eher die Schauspieler am Rand beinahe heimlich an ihnen vorbei auf der Bühne erscheinen.

 

Mit der studentischen Theatergruppe Uniater und den Mitgliedern von HotDocs trafen unter dem Titel „Localhelden“ am Montagabend die ganz jungen und die alten Hasen der Potsdamer Improvisationstheaterszene aufeinander.

 

Der Schreck war so gut wie jedem Gesicht im Publikum abzulesen, als klar wurde, dass es hier nicht nur um Zuschauen, sondern ums Mitmachen gehen sollte. Da war das etwas slapstickartige Einzählen von Fünf auf Null, das die Schauspieler auf der Bühne mit der nötigen Energie versorgen sollte, noch das Einfachste. Doch waren es die Zuschauer, die den Abend und die verschiedenen Formate des Improvisationstheaters, das auf der Bühne seine Form bekam, mit ihren Ideen und Einwürfen gestalteten.

 

Schon die erste Runde auf der Bühne ließ erahnen, dass der Abend nicht nach geregelten Bahnen, sondern durchaus gewollt chaotisch und unkontrolliert verlaufen sollte. Jeweils zwei Schauspieler spielten in der Mitte der kleinen Bühne, die gerade so ausreichend Platz für das Ausleben schauspielerischer Fantasien bot, eine Szene, um dann bei einem Klatschzeichen mitten in ihrer Handlung zu erstarren. Durch das Klopfen auf die Schulter wurde dann jeweils einer der beiden aus der Szene herausgelöst, sodass mit dem Dazugekommenen eine völlig neue Szene entstand, auf die sich der verbliebene Schauspieler zunächst einmal einstellen musste. So wurde aus der Angst, von einem Hochhaus zu springen, die Annahme, dass fälschlich angebrachte Hufen als Füße eines Menschen vielleicht nur akzeptabel wären, wenn man aus der Hölle käme.

 

Fiel es dem Zuschauer manchmal schwer, dem Treiben auf der Bühne folgen zu können, waren es vor allem die unerwarteten Wendungen, die wahre Lachanfälle beim Publikum auslösten. So ist es nicht unbedingt ein Heiratsantrag, wenn ein Mann vor einer Frau auf die Knie fällt, sondern es kann auch durchaus bedeuten, dass der Sohnemann mal wieder in die Windeln gemacht hat. Durch die verschiedenen Formate des Improvisationstheaters entstanden so spontan auf der Bühne die unterschiedlichsten Geschichten. Besonders Sina Schmidts gesangliche Darstellung im Horrormusical „Liebeskomödie mit erotischem Einschlag“, die das Publikum zu Applausstürmen hinriss, und „Antarktis trifft auf Damentoilette“, bei der vor allem Sophie Roeder mit einer unglaublichen Mimik ihre Damentoilette in eine Zeitmaschine verwandelte, entpuppten sich als wahre Schätze theatraler Kunst.

 

Ein unglücklich gewählter Zeitpunkt einer kurzen Pause stellte sich jedoch als wahrer Stimmungskiller heraus, sodass danach keine richtige Stimmung mehr aufkommen wollte. Starker Beginn, schwaches Ende, häufig am Rande der Gefahr, langatmig zu werden. Aber ein absolut lohnenswerter Ausgleich zu Potsdams sonstigem Theaterbetrieb – die Lokalhelden des Improvisationstheaters wissen, wie es geht, das Erzählen von Geschichten live, vor Ort und in Echtzeit. Chantal WillersOpens external link in new window


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Theater ohne Generalprobe

 

Das neuntägige Potsdamer Improvisationstheater-Spektakel unter der Leitung von Regisseur Thomas Jäkel bringt zum zweiten Mal Schauspieler auf die Bühne, welche ihren Text nicht gelernt und an keiner einzigen Probe teilgenommen haben. Katastrophal? Keineswegs! Gerade das macht ja Improvisationstheater aus. Es soll drauflos improvisiert werden, was das Zeug hält. Dieses Jahr treten neben der Potsdamer Impro-Theatergruppe Hotdocs einzelne Impro-Talente auf, welche allein durch den Geist der Improvisation etwas noch nie Dagewesenes gemeinsam auf die Bühne zaubern. Weder das Publikum noch die Schauspieler wissen, was sich in den nächsten Minuten auf der Bühne ereignen wird. Jedoch können beide etwas zur Gestaltung beitragen. Denn auch die Mitwirkung des Publikums ist ausdrücklich erwünscht: Durch das Reinrufen von kreativen Themenvorschlägen kann das Bühnengeschehen ganz unerwartete Wendungen bekommen. Beim sogenannten Bachelor Impro kommen zudem verschiedene Impro-Studentengruppen zusammen, die nicht in Sachen Bildung, sondern Spontaneität ihre Kräfte messen müssen. Wer danach selbst Lust bekommt seine Improvisations- und Schlagfertigkeitskills zu trainieren, kann dies gleich vor Ort in einem der angebotenen Festival-Workshops tun.L. Schütt

 

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Unverpassbar

Das 2. Potsdamer Improvisationstheater-Festival startet am kommenden Freitag im KuZe


Auf in die neue Runde: Nachdem das studentische Kulturzentrum KuZe im vergangenen Jahr bereits ein Improvisationstheater-Festival erfolgreich auf die Beine gestellt hat, gibt es auch dieses Jahr eine Neuauflage. Vom 2. bis zum 10. November, ausgedehnt auf neun Tage, wird dem wohl anspruchsvollsten, gleichzeitig aber auch überraschendstem und innovativstem Theaterformat der Welt gehuldigt. Das Festival steht unter der künstlerischen Leitung des Schauspielers und Regisseurs Thomas Jäkel sowie des KuZe-eigenen Improtheater-Spezialisten Sören Boller – und die haben sich auch diesmal was einfallen lassen.

Das Faszinierende an der Improvisation? Keine aufreibenden Proben, keine langweiligen Drehbücher, einfach nur direkt auf der Bühne loslegen. Improvisationstheater lebt von Spontanität und der Lust an der blitzschnellen Reaktion. Das Publikum fungiert dabei sowohl als Stichwortgeber als auch als Spiegel des Ganzen, was ein angenehmes Verschwinden der imaginären Grenze zwischen Bühne und Beobachter zur Folge hat. Weg von drögen Abenden in verstaubten Ensembles hin zu frischer, überraschender Inszenierung des Augenblicks.

Wer hat sich denn nicht schon einmal vorgestellt, einfach in ein Theaterstück einzugreifen? Das Impro-Theater lebt sogar davon.

Wer nur als Zaungast zuschauen möchte, kann das natürlich tun, wer sich aber herausgefordert fühlt, dem bietet sich ein grellbuntes Konglomerat aus Workshops, Aufführungen und dem „Bachelor of Impro“, bei dem verschiedene studentische Theatergruppen, unter anderem aus Wien, Jena und Eberswalde, in verschiedenen „Modulen“ die unterschiedlichen Disziplinen des Theatersports durchlaufen werden. Ob sie die Aufgaben in der Regelstudienzeit lösen können, wird man dann sehen.

Highlight des Festivals sind jedoch die Workshops mit Dennis Cahill, dem Art Director und Mitbegründer des berühmten Loose Moose Theatre im kanadischen Calgary, und Shawn Kinley, der mit über 30 Jahren Bühnenerfahrung und Unterricht in 23 Ländern als der weltweit erfahrenste Vermittler des Improvisationstheaters gelten darf. Highlight des Ganzen ist am Donnerstagabend um 20 Uhr die Show „Shawn and Dennis learn German!“ Aber auch die Potsdamer Lokalhelden „HotDocs“ haben sich vorgenommen, das Festival unverpassbar zu machen. So - noch Fragen?

von Oliver Dietrich



Opens external link in new windowZum Artikel aus der PNN vom 30.10.2012

Wundersames Geflüster

„Calling“ mit der Tänzerin Laura Heinecke und dem Musiker Arne Assmann im Kuze

 

Ob auf dem Plakat, im Internet oder auf dem Flyer, überall wurde „Calling“ als „getanzter Liederabend“ angekündigt. Den 45-minütigen Auftritt der Tänzerin Laura Heinecke und des Musikers Arne Assmann mit diesen Vokabeln zu beschreiben, ist ein schwerer Fall von künstlerischer Untertreibung. Drei Dutzend Zuschauer hatte der spröde Titel trotzdem in das studentische Kulturzentrum Kuze gelockt, die dem winzigen Hinterhof-Saal die Aura eines angesagten Off-Theaters verpassten.

Was immer die Intention der Darsteller und der beiden Damen Lea Kieffer (Choreografie) und Stephanie Scheubeck (Dramaturgie) gewesen sein mag, entstanden ist kein getanzter Liederabend, sondern ein kurzes aber intensives Kreativ-Feuerwerk theatralischer Motive rund um das poetische Kerngeschäft Liebe. Schon das erste Bild begann mit einer unvorhersehbaren Innovation, dem Fußtheater. Anders als beim Guck-Kasten des Kasperletheaters wurden nicht die Hände und Arme zu Akteuren, sondern Unterschenkel und Füße einer Frau. Sie durchschritten den über die ganze Bühnenbreite laufenden, zirka einen halben Meter hohen Bildausschnitt, als glitten sie geschmeidig über ein gegenläufiges Band.

Dann erst verlagerte sich das Geschehen auf die davorliegende Bühne, auf der ein Paar im rhythmischen Trommelschlag der Hände die Körper in Schwingung versetzte. Er trommelte den Takt, derweil sie meist bodennah ihren von einem schwarzen Kleid verhüllten Körper drehte. Wichtige Requisiten waren bei diesem Balz-Tanz zwei Glasbehälter in Kugel- und Zylinder-Gestalt, wobei in einem ein kleiner Goldfisch seine Runden drehte.

Diese überzeugend poetischen Bilder tauchten nach kurzer Zeit wie Strophen eines Gedichts in das pechschwarze Nichts ab, so wie die folgenden Bilder langsam aus diesem Dunkel wieder aufleuchteten. Auch der Musiker folgte dem Klang des Sichtbaren in Tempo und Intensität, als er anfangs tonlos in sein Saxophon pustete, bis die ersten Jazz-Töne aus ihrem Schlaf zu erwachen schienen. So perlten die Töne oder wurden Gesang und es wandelten sich dabei die stets originellen Bildfolgen.

Mal streifte die Tänzerin den Gespielen wie ein Windhauch von einer Leiter aus um dessen Schulter gleitend. Dann wieder tauchte sie mit nacktem Oberkörper kniend im Lichtkegel auf und die eigenen Hände umfassten tastend ihren makellosen Rücken, bevor sie zur Hüfte hinab glitten. Alles schien mühelos, selbst der Kopfstand im Glasbehälter und das Eintauchen des Gesichts in das Wasser des Goldfischs wandelte sich in ein einziges geheimnisvolles Lächeln, wie es nur ein Liebes-Rausch hervorzubringen vermag. Die Dinge flüsterten.
(Von Lothar Krone)

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Opens external link in new windowErschienen in der MAZ vom 30.10.2012

Potsdamer Geschichten

Das Studentische Kulturzentrum Kuze veranstaltet ein internationales Festival für Improvisationstheater


Improvisiertes Theater ist einmalig. Jede Vorstellung ist eine Premiere. Gespielt wird ohne einschlägige Texte und Vorabsprachen, oft lassen sich die Mitspieler durch spontane Vorgabe des Publikums inspirieren. Impro-Theater mit mehreren Beteiligten braucht allerdings feste Regeln, sonst funktioniert es nicht. Eine wichtige Regel lautet: Das vorgegebene Thema annehmen. Und wenn es heißt, wir befinden uns jetzt im Zoo, dann befinden wir uns auch im Zoo.

Sören Boller, der das erklärt, ist ein Veteran des Impro-Theaters. Seinen ersten Einsatz hatte er vor Jahren bei einem Workshop in der Begegnungsstätte „Das Haus“ in Berlin-Friedrichshain. Ob er dabei sechs oder acht Mitspieler hatte, weiß Boller nicht mehr so genau. Das Thema aber ist ihm geläufig, als ob es gestern gewesen wäre: „Wie Patienten einer Nervenheilanstalt gemeinsam einen Ausbruch planen.“

Regel Nummer zwei: Improvisationstheater muss den Beteiligten Spaß machen, sonst wirst du das Publikum nicht erreichen. Sehr gutes Improvisationstheater erkennt man daran, dass das Publikum nicht glaubt, dass auf der Bühne improvisiert wird.

Seit acht Jahren ist Boller Mitglied der Berliner Impro-Theatergruppe „Die Pepperonis“. Nebenher studierte er an der Universität Potsdam Volkswirtschaft. Vor zweieinhalb Jahren gab er im Studentischen Kulturzentrum Kuze in der Hermann-Elflein-Straße erstmals einen Workshop für Impro-Theater. Nach dem Abschluss des Studiums begann er vor eineinhalb Jahren als Veranstaltungsleiter des Kuze. Vor einem Jahr organisierte Boller gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter Thomas Jäkel ein erstes, zweitägiges Festival für Impro-Theater.

Pro Jahr gibt es im Kuze nach Schätzung Sören Bollers an die 100 Veranstaltungen. Das Impro-Festival ist schon mit seiner zweiten, auf neun Tage erweiterten Folge vom 2. bis zum 10. November zum größten Ereignis im Kalender des Kuze geworden... 

Opens external link in new windowzum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 25.10.2012

Psychedelische Pathetik

Parashurama und Nihiling im Studentischen Kulturzentrum KuZe


Es hat immer ein bisschen das Flair eines Wohnzimmerkonzerts, wenn im Theatersaal des studentischen Kulturzentrums KuZe ein Konzert ansteht. Diesmal war dieses Wohnzimmer ganz gut gefüllt, obwohl gleichzeitig die Übertragung des Fußball-Länderspiels Deutschland gegen Schweden im TV lief. Ach was: Psychedelischer Rock ist allemal die bessere Alternative. Im Rahmen ihrer Deutschlandtour gaben sich am Dienstag also die Hamburger Bands Parashurama und Nihiling die Ehre. Erstaunlich dabei ist immer noch, wie viel musikalischen Einfluss die siebziger Jahre auf so junge Musiker haben, aber vielleicht ist es auch der Einfluss der neunziger Jahre, die ja irgendwie auch ziemlich retro waren.

Psychedelisch mutete schon die Bühnenausstattung an, deren Lichtshow mit verrückten Stehlampen bestückt war, die allesamt von einem Ikea-Designer im Drogenrausch entworfen zu sein schienen. Und Parashurama lullten dazu mit zittrig-verwackelten Rhythmen ein, die beeindruckend pathetisch wirkten, obwohl der Einsatz des Synthesizers angenehm im Hintergrund verblieb. Alles ziemlich experimentell, wobei der großartige Bassist das Ensemble mit seinen Läufen metronomgleich in der Spur hielt.

Dass es aber noch psychedelischer gehen konnte, bewiesen Nihiling im Anschluss, was nicht zuletzt an der Videoinstallation lag, die an die Wand projiziert wurde: wilde, grob bewegte Bilder und Strukturen, die das Konzert atmosphärisch werden ließen, was Nihiling noch radioheader als die Vorband machte. Mehr Licht als die Videobilder war auch gar nicht nötig, man befand sich sowieso in einer Phase vom Wachsein zu einem Traum. Ein Jammer, dass man im Theatersaal nicht rauchen durfte – und wenn es wenigstens eine Zigarette wäre.

Musikalisch wurde eine ziemliche Bandbreite geboten, wobei der zarte Gesang der Bassistin für Atemstillstand sorgte, um kurz darauf in wilden Ausbrüchen zu enden. Eine irritierende Prise von Portishead und The XX in einer Screamo-Show, vielleicht auch ein bisschen angelehnt an das, was später aus den skandinavischen Black-Metal-Bands geworden ist. Aber wahrscheinlich macht gerade das diese Psychedelik aus, diese Unbeschreiblichkeit, die dieses dienstägliche Konzert schließlich zu einem hinreißenden Abend werden ließ. Oliver Dietrich

 

Der Artikel ist erschienen in der Opens external link in new windowPNN vom 18.10.2012

Inszenierung aus dem Stehgreif

Ein Beitrag von PotsdamTV zum 2. Potsdamer Improfestival


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Für das Video einfach auf das Bild klicken

Der Kerl beißt einfach nicht an

Laura Heineckes und Arne Assmanns federleichtes und wunderschönes Liebessuchspiel "Calling"

von Gerold Paul


heprodimagesfotos96220121013kumannfrau.jpg"Zuerst sieht man nur Füße, zwei schreitende Füße. Dann heben die dazugehörigen Arme ein rundes Gefäß über die schwarze Abdeckung hinten empor, ein Goldfisch darinnen. Wie dieses Tierchen lebt und seine Kreise zieht, so tut's die Liebe auch. Unter dem Titel "Calling" haben die Tänzerin Laura Heinecke und der Musiker Arne Assmann ein ganz reizendes Stück erdacht, federleicht und wunderschön, natürlich geht es dabei um Amore. Am Donnerstag hatte es Premiere im Studentischen Kulturzentrum "Kuze".

Schreiten also müssen die Füße, bevor sie die Off-Bühne erreichen, wo der Musiker Glasharfe spielt. Beide sehen sich, es zündet, allerdings mehr bei ihr als bei ihm. Sie umgarnt und umtanzt ihn, er schlägt einen Rhythmus: Hände-Po-Herz, den sie sogleich nachahmt. Von den Haubentauchern und anderem Wasservolk kennt man das ja, Männlein und Weiblein erproben sich durch synchrone Gesten, klappt es, dann sind sie ein Paar. In diesem Fall klappt das nicht zwischen ihm und ihr, deshalb nimmt die knapp einstündige Szenenfolge aus Tanz und Musik ja auch ihren Lauf. Viel ist dazu allerdings nicht nötig, ein Kasten als Versatzstück, später eine Stehleiter. Das Mädchen hat viele Arten, ihre Wünsche auszudrücken: Sie steigt ihm aufs Dach, setzt sich, während er musiziert, auf die Schulter, wälzt sich im Begehren vor seinen Füßen, doch der Kerl beißt einfach nicht an. So präzise das von Laura Heinecke dargestellt ist, so überzeugend und schön wirkt es auch. Eine raumfüllende Tanzfigur, gleich darauf die ganz kleine Geste, zum Beispiel glucksendes Lachen, ein Augenaufschlag. Der heimliche Wunsch, mit Händen ein gemeinsames Haus abzumessen. Und dann diese geniale Idee: Mit einem zweiten Rundgefäß aus Glas auf dem Kopf deutet sie an, was gleich danach als gewölbter Bauch erscheint - einen Kinderwunsch! Aber so erfüllt sich das nicht, der gerufene Bursche träumt eher von der Liebe, als von der Liebsten, er singt ihr lieber ein Lied. Arne Assmann hat viele Talente. Er singt zu Akkordeon, Saxophon, Gitarre, stellt zudem mit den geringsten Mitteln die Rolle des Gerufenen dar. Rein spieltechnisch ist das genau so ausbaufähig wie der Part vom Goldfisch, dem sich die Tänzerin gleichsam Aug in Auge nähert, indem sie ganz wörtlich allzu tief ins Glas schaut. Er ist eben ihr Gold-Fisch, also der Sänger von gegenüber! Unter der Leiter schmollt sie, zeigt sich ihm in einer sehr berührenden Szene sogar oben ohne. Und er? Trägt ihr das Kleid nach, bedeckt sie. Zuletzt klappt es dann mit dem Augenkontakt. Er lehnt an der Leiter und spielt ihr ein Lied, sie vis-a-vis auf dem Kasten. Nun schwimmt sie ihm mit lächelnden Augen und klaren Gesten entgegen. Ein berührender, zarter, ein wundervoller Schluss!..."

Opens external link in new windowDer vollständige Artikel ist erschienen in der PNN vom 13.10.2012

Studentenwerk hat Kuze gekauft

Studentenkulturzentrum wechselt den Besitzer

 

Der seit Jahresbeginn geplante Kauf des Studentischen Kulturzentrums Potsdam (Kuze) durch das Studentenwerk ist am Mittwoch erfolgt. Wie das Studentenwerk mitteilte, werde es ab September Eigentümer des Gebäudes. „Eine drohende Zwangsversteigerung konnte somit doch noch abgewendet werden und ein einmaliger, studentischer Kulturstandort in zentraler Lage langfristig gesichert werden“, so das Studentenwerk. Das bestehende Nutzungskonzept sowie alle bestehenden Mietverhältnisse würden durch das Studentenwerk übernommen. „Kuze und Studentenwerk arbeiten bereits seit längerer Zeit sehr vertrauensvoll zusammen“, sagte Geschäftsführerin Karin Bänsch. „Die Zusammenarbeit wird durch die Übernahme der Liegenschaft sicherlich noch weiter intensiviert werden.“

 

Die Potsdamer SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein begrüßte den Kauf. Nun könne das Kuze in den Elfleinhöfen als innerstädtischer studentischer Treffpunkt gesichert werden. „Das Studentenwerk ist dafür ein ideale Partner“, sagte Wicklein. Sie erwarte, dass alle Beteiligten ein tragfähiges und inhaltlich ausgewogenes Konzept für diesen wichtigen studentischen Standort entwickeln. „Die Chancen müssen genutzt werden, damit das Kuze ein attraktiver Begegnungsort wird.“

 

Auch der Studierendenausschuss AStA der Uni zeigte sich über den Verkauf erfreut. „Wir freuen uns nun auf eine bessere Zusammenarbeit mit unserem neuen Vermieter“, sagte AStA-Referent Franz-Daniel Zimmermann den PNN. Man bedanke sich beim Ministerium für die Zustimmung zum Kauf, auch wenn dies recht lange gedauert habe. „Nun können wir unseren Auftrag, studentische Kultur günstig und für alle in der Innenstadt anzubieten, gerecht werden“, sagte Zimmermann.

 

Im Februar hatte das Studentenwerk Potsdam seine Absicht erklärt, das Kuze vom damaligen Eigentümer Dietrich Garski zu kaufen. Das Wissenschaftsministerium hatte dem Studentenwerk Potsdam den Kauf des Kulturzentrums zunächst nicht genehmigt. Als dann eine Zwangsversteigerung drohte, hatte das Ministerium die notwendige Prüfung der Wirtschaftlichkeit dann doch vorgenommen und dem Kauf zugestimmt.

 

Der Mietvertrag für das Kulturzentrum ist auf 25 Jahre angelegt und an eine studentisch-kulturelle Nutzung gebunden. Durch die Insolvenz der Eigentümergesellschaft hatte eine Zwangsversteigerung gedroht und die Gefahr, dass ein neuer Besitzer von einem möglichen Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen könnte. Bei einer anderweitigen Nutzung des Objekts hätten Rückzahlungen von Fördermitteln nötig werden können.

Jan Kixmüller

 

Der Artikel ist erschienen Opens external link in new windowin der PNN vom 10.08.2012

Akustik- Punkrock- One-Man-Band

Der Antifolk-Künstler Seth Faergolzia im KuZe


Wie bitte, Antifolk? Gut, mit dem Begriff Folk lässt sich ja noch etwas anfangen. Man denkt an Bob Dylan der 60er Jahre, der mit dem Genre des Folk eine massenkompatible Musikbewegung schuf, welche durchaus auch kommerziell erfolgreich wurde. Und dieser Folk-Begriff dient nun eben als Grundlage für die Existenz des Antifolk, der gerade in New York eine Hochburg hat.

Von dort kommt auch Seth Faergolzia, vormals Kopf der Band „Dufus“, der sich gerade auf Deutschland-Tour befindet, weshalb es den Organisatoren des studentischen Kulturzentrums (KuZe) gelang, ihn für ein Gastspiel in Potsdam zu engagieren. Faergolzia ließ sich auch nicht lange bitten und brachte sich seinen Support „Space Rainbows“ am Montagabend auch gleich selbst aus Berlin mit:

Etwas spät, gut bepackt und in Begleitung von Freunden trafen alle am Potsdamer Hauptbahnhof ein und suchten sich den Weg in die Hermann-Elflein-Straße. Offensichtlich befand sich der Künstler stilgerecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf Tour. Nachdem der Soundcheck über die Bühne gebracht wurde, konnte das letzte Konzert vor der Sommerpause starten. Das musikalische Pärchen „Space Rainbows“ lieferte einen recht knappen Warm-up, doch dann brachte Faergolzia als Akustik-Punkrock-One-Man-Band eine beeindruckende Performance auf die Bühne.

Der zottelig-bärtige Hüne mit der einnehmenden Stimme experimentierte sich durch eine großartige Show und kämpfte bemerkenswert dagegen an, in einer musikalischen Schublade zu stranden. Er spielte Gitarre und trat dabei auf seine Bassdrum ein, sampelte seinen eigenen Gesang mit in die Show und überschritt musikalisch alle vorhandenen Grenzen. Selbst einen Schluck Wasser nutzte er gurgelnd als Instrument, und niemand wunderte sich mehr darüber. „I swear that I have no idea, what I’m doing here“ – Ich schwöre, dass ich keine Ahnung habe, was ich hier eigentlich mache – grinste er, aber das nahm ihm dann doch niemand ab.... von Oliver Dietrich

Der vollständige Artikel ist erschienen in der PNN vom 01.08.2012

Ministeriumsentscheid von KuZe und Kooperationspartnern begrüßt

 

Vertreter der Potsdamer Uni, des Kulturzentrums KuZe sowie dessen Kooperationspartner haben die Entscheidung des Kulturministeriums, einem Verkauf des KuZe an das Studentenwerk zuzustimmen, einhellig begrüßt. Wie berichtet wurde durch die ministerielle Entscheidung der Verkauf des KuZe in der Hermann-Elflein-Straße 10 an das Studentenwerk möglich gemacht und eine drohende Zwangsversteigerung nach der Insolvenz des Eigentümers verhindert. „Ein großer Schritt für die Studierendenschaft Potsdams“, erklärte Benjamin Mosebach, Referent der Studentenvertretung AstA. Vertreter von Kunstwerk und ekze e.V, die im KuZe Veranstaltungen organisieren, brachten ebenfalls ihre Freude über den möglichen Erwerb des Objekts zum Ausdruck. PNN

 

Erschienen in der PNN vom 12.07.2012

Ein guter Entschluss

Volker Oelschläger über die Zustimmung des Landes zum Rettungsplan für das Kuze


Es ist gut, dass vom Land doch noch die Zustimmung zum Rettungskauf des Grundstücks Hermann-Elflein-Straße 10 durch das Studentenwerk kommt. Zu viel Energie steckt bereits im Studentischen Kulturzentrum, dessen Arbeit so langfristig gesichert werden soll. Seine Bedeutung als innerstädtischer Anlaufpunkt für Studenten aller Potsdamer Hochschulen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es zieht studentisches Flair in die Stadtmitte, das es dort sonst trotz zehntausender Studierender überhaupt nicht gäbe. Schließlich ist es dieser Stadt mit einer seltsamen Strategie gelungen, das Hochschulleben fast komplett an den Stadtrand zu verlagern. Das mit dem Offenen Kunstverein gekoppelte Kulturzentrum ist zudem der einzige öffentliche Anlaufpunkt speziell für junges Publikum in der Innenstadt. Denn auch da ist es ansonsten gelungen, mit dem Treffpunkt Freizeit, der Schiffbauergasse, dem Freiland-Jugendzentrum und dem Archiv einen Angebotsring um das Zentrum herum zu legen. Erinnert sei nicht zuletzt an einen Jahre währenden Kampf um den Erhalt des Grundstücks für öffentliche kulturelle Nutzung und an die lange Suche nach einem geeigneten Platz für ein Studentisches Kulturzentrum in Innenstadtlage. Das alles ruft nach Fortsetzung.

Erschienen in der MAZ vom 11.07.2012

Das Land genehmigt Rettungsplan

Grundsatzentscheidung zur Sicherung des Studentischen Kulturzentrums

 

Das Wissenschaftsministerium hat dem geplanten Kauf des Grundstücks Hermann-Elflein-Straße 10 durch das Studentenwerk „zugestimmt“. Das sagte gestern Ministeriumssprecher Martin Sand. Mit dem Erwerb soll das Studentische Kulturzentrum (Kuze) langfristig gesichert werden, dessen Existenz bei einer drohenden Zwangsversteigerung des Grundstücks akut gefährdet ist. Das Studentenwerk reagierte auf die Nachricht erfreut. Unmittelbar nach Rückkehr von Geschäftsführerin Karin Bänsch aus dem Urlaub würden die unterbrochenen Verkaufsverhandlungen wieder aufgenommen, sagte Peter Heiss, Chef der Zentralabteilung des Studentenwerks. Die Aufnahme von Verhandlungen mit dem Eigentümer war durch den Verwaltungsrat des Studentenwerks bereits Mitte Februar beschlossen worden. Das Ministerium versagte die Zustimmung jedoch zunächst wegen fehlendem Handlungsbedarf. Anfang Juni aber bekräftigte der Verwaltungsrat Kaufabsicht und Dringlichkeit. Unterstützung kam etwa von Umweltministerin Anita Tack (Linke), die in einem Schreiben an Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) vor den Folgen einer drohenden Zwangsversteigerung warnte. So sei nicht nur das (Kuze) selbst gefährdet. Stadt und Land drohe die Rückforderung von Förderung, die 2004 für die Errichtung des Kuze abgerufen wurde. 940 000 Euro flossen aus dem Programm Soziale Stadt. Die private Grundstücksgesellschaft um den Berliner Architekten Dietrich Garski sicherte im Gegenzug eine 25-jährige Nutzung für kulturelle und studentische Zwecke zu. Eine vereinbarte Sicherung dieser Nutzungsrechte im Grundbuch unterblieb jedoch ebenso wie der ergänzend angekündigte Ausbau des Nachbarhauses durch Garskis Gesellschaft. Dieses Grundstück mit dem Selbsthilfe-, Kontakt- und Informationszentrums Sekiz wurde statt dessen 2007 an eine andere Gesellschaft weiterverkauft.

Von drohender Insolvenz soll nach Angaben von Kuze-Vertretern erstmals bei Verhandlungen über eine mängelbedingte Mietminderung gesprochen worden sein. Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) schließlich gab im Spätsommer 2011 öffentlich bekannt, dass die Grundstücksgesellschaft „kurz vor der Insolvenz“ stünde. (Von Volker Oelschläger)

Erschienen in der MAZ vom 11.07.2012

Studentische Kultur


Das Studentische Kulturzentrum (Kuze) in der Hermann-Elflein-Straße 10 ist die einzige öffentliche Einrichtung in der Innenstadt mit kulturellen Angeboten für jüngeres Publikum. Betreiber sind die Studentenvertretung der Universität, die neben Kunst und Kultur diverse Beratungs- und Begegnungsangebote offeriert, und der Offene Kunstverein. Nach Angaben der Nutzer, die die Entscheidung des Ministeriums gestern in einer gemeinsamen Pressemitteilung begrüßten, hat das Kuze jährlich 45 000 Besucher. Die Kulturtradition des Grundstücks reicht bis 1989 zurück: Mit der Kunstfabrik war dort die erste freie Kultureinrichtung Potsdams.


Studentenwerk kann KuZe kaufen




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Erfreulich

 

Angesichts der Tatsache, dass es ohnehnin nur wenig studentisches Leben in der Potsdamer Innenstadt gibt, ist dies eine höchst erfreuliche Nachricht: Das Studentenwerk kann das Kulturzentrum KuZe in der Hermann-Elflein-Straße kaufen – studentischer Kneipen- und Kulturbetrieb sowie buntes Leben im Kiez könnten somit langfristig gesichert werden. Immerhin hatte das Zentrum bis zu 450000 Besucher im Jahr – und das soll mindestens auch so bleiben. Das Studentenwerk hatte sich längst auf den Kauf vorbereitet, und Eigentümer Dietrich Garski ist offenbar willens, an die Studentenvertretung zu verkaufen. Da wird so manchem ein zusätzlicher Stein vom Herzen fallen, denn die drohende Zwangsversteigerung des KuZe hätte viele Probleme mit sich gebracht. Da ist zwar zum einen die auf 25 Jahre angelegte Bindung an eine kulturelle Nutzung – andererseits hätte ein neuer Eigentümer ein Sonderkündigungsrecht gehabt. Die Gefahr, dass auf dem KuZe-Gelände andere, gut zahlende Mieter einziehen, bestand. Und dann hätte es seitens des Bundes höchstwahrscheinlich Forderungen nach Rückzahlung von Fördermitteln gegeben. Mit Sicherheit hätten auch die Studenten ihr KuZe nicht kampflos aufgeben wollen. Die jetzt angedachte mögliche Lösung ist die beste für alle Seiten. (von Michael Erbach)

 

Erschienen in der PNN vom 11.07.2012

Studentenwerk kann KuZe kaufen

Das Potsdamer Studentenwerk hat Grünes Licht für den Kauf des studentischen Kulturzentrums (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße 10 bekommen.


Am gestrigen Montag sei der entsprechende Bescheid vom Ministerium eingetroffen, sagte Gudrun Wewetzer vom Studentenwerk den PNN. Martin Sand, stellvertretender Pressesprecher des Wissenschafts- und Kulturministeriums, sagte, die Wirtschaftlichkeitsprüfung durch das Ministerium habe ergeben, dass das Studentenwerk sowohl den Kauf des Innenstadt-Objekts wie auch den Weiterbetrieb als Kulturzentrum finanziell bewältigen kann. Zuvor hatte bereits der Verwaltungsrat des Studentenwerks einem Kauf des KuZe zugestimmt.

Die Wirtschaftlichkeitsprüfung durch das Ministerium war Voraussetzung für den Erwerb des KuZe, das 2004 im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ als Förderprojekt des Bundes saniert und 2005 eröffnet wurde. Der Mietvertrag für das Kulturzentrum ist auf 25 Jahre angelegt und an eine studentisch-kulturelle Nutzung gebunden. Durch die Insolvenz der Eigentümergesellschaft hatte eine Zwangsversteigerung gedroht und die Gefahr, dass ein neuer Besitzer von einem möglichen Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen könnte. Bei einer anderweitigen Nutzung des Objekts wäre es wahrscheinlich zur Forderung nach Rückzahlung von Fördermitteln gekommen. Dieses Szenario würde durch den Verkauf an das Studentenwerk vermieden werden.

Wie Gudrun Wewetzer sagte, würden die Gespräche mit Eigentümer Dietrich Garski „bereits seit längerer Zeit laufen“. Garski habe bereits signalisiert, dass er an das Studentenwerk verkaufen wolle. Die Zustimmung des Ministeriums sei sehr erfreulich. „Nun können wir an die Umsetzung der Kaufabsicht herangehen.“ Einen Zeitplan für die Übernahme gebe es nicht, „aber wir hoffen, dass es zeitnah über die Bühne geht“. Sabine Finzelberg, Geschäftsführerin des KuZe, begrüßte den nun möglichen Besitzerwechsel. Studentenwerk und KuZe seien in den letzten Monaten „enger zusammengerückt“. (von Michael Erbach)

Erschienen in der PNN vom 11.07.2012

Alles blickt zum Ministerium

Heute soll das Prüfergebnis des Landes zum Rettungsplan für das Studentische Kulturzentrum vorliegen


Das Wissenschaftsministerium wird heute voraussichtlich mitteilen, ob es einem des Grundstücks Hermann-Elflein-Straße 10 durch das Studentenwerk zustimmt. Ziel des Handels ist die Sicherung des Studentischen Kulturzentrums (Kuze), das bei einer drohenden Zwangsversteigerung des Grundstücks akut gefährdet wäre. Ministeriumssprecher Martin Sand teilte gestern auf MAZ-Anfrage mit, dass heute das Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsprüfung vorliegen soll, die Voraussetzung für eine Entscheidung des Ministeriums ist. Die Zeit drängt. Das Amtsgericht entscheidet laut Pressesprecher Wolfgang Peters spätestens Anfang der nächsten Woche, ob die Eröffnung eines Zwangsvollstreckungsverfahrens zulässig ist.

Die Nutzer des Zentrums, neben den Studenten der Universität etwa der Offene Kunstverein, sind bereits seit Monaten alarmiert. Die private Eigentümergesellschaft des Grundstücks musste sich als Gegenleistung für eine öffentliche Förderung von fast einer Million Euro für den Ausbau des Hinterhofquartiers im Jahr 2004 zwar verpflichten, eine 25-jährige Nutzung für kulturelle Zwecke zu garantieren. Doch diese Zweckbindung ist bei einer Zwangsversteigerung hinfällig. Der Erwerber hätte Sonderkündigungsrechte. Weitergehende Sicherungen der öffentlichen Ansprüche etwa über die Eintragung des studentischen Kulturzentrums im Grundbuch waren mit dem Eigentümer zwar vertraglich vereinbart worden. Doch wurde bereits vor Monaten nach MAZ-Recherchen bekannt, dass statt dessen „Wohnnutzung“ eingetragen wurde. Vor einem Jahr waren im Zusammenhang mit der vom Berliner Bauunternehmer Dietrich Garski vertretenen Eigentümergesellschaft erstmals Insolvenzgerüchte öffentlich geworden.

Um das Kuze langfristig zu sichern, beschlossen die Stadtverordneten im vergangenen Spätsommer eine Änderung des Bebauungsplans. Schnelle Rettung bedeutete das aber nicht. Wenige Tage nach dem Beschluss teilte die Stadt auf MAZ-Anfrage mit, dass man für die Umsetzung des Beschlusses mit „einer Bearbeitungsdauer von zwei Jahren“ rechne. Im Februar 2012 beschloss der Verwaltungsrat des Studentenwerks den Erwerb des Grundstücks zur langfristigen Sicherung des Kuze. Dieser Kauf ist jedoch nur mit Zustimmung durch das Wissenschaftsministerium möglich. Das teilte Ende April mit, dass es wegen fehlendem Handlungsbedarf einstweilen nicht zustimmen werde. Anfang Juni bekräftigte der Verwaltungsrat des Studentenwerks seine Kaufabsicht. Umweltministerin Anita Tack (Linke) appellierte bereits Mitte Juni in einem der MAZ vorliegenden Schreiben an Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD), dem Kauf zuzustimmen. Gestern erklärte auch SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein, sie „unterstütze eine schnelle Entscheidung zugunsten eines Verkaufes an das Studentenwerk“. Wicklein war seinerzeit maßgeblich an der Entwicklung eines Konzepts zur Grundstücksnutzung unter Beteiligung der Studentenschaft beteiligt. (Von Volker Oelschläger)

Erschienen in der MAZ vom 10.07.2012

Das verflixte siebente Jahr

Fest auf der Elfleinstraße fällt ins Wasser, Veranstalter zieht nach dem Regen in den Hinterhof des Kuze um


Das verflixte siebte Jahr – diese Phrase galt in diesem Jahr für das Straßenfest in der Hermann-Elflein-Straße. Sintflutartige Regenfälle sorgten am Samstagnachmittag dafür, dass die 20 Straßenstände der Feier wieder abgebaut werden mussten. In der siebenten Auflage wurde das Straßenfest erstmals vom Verein zum Erhalt des studentischen Kulturzentrums (Kuze) in den Elfleinhöfen organisiert. War der Sturzregen ein böser Wink des Himmels? In die Entwicklung um einen möglichen Verkauf der Einrichtung an das Potsdamer Studentenwerk ist nach Aussage des Kuze-Kneipenbeauftragten Jens Gruschka und Linken-Stadtverordneten noch keine Bewegung gekommen. „Die Sache liegt beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Ich vermute, dass sie auch im Finanzministerium geprüft wird“, sagte Gruschka am Sonnabend. Wie berichtet, steht der Vermieter des Areals kurz vor der Insolvenz. Das Studentenwerk hatte die drohende Zwangsversteigerung bestätigt und sein Interesse an dem 2002 eröffneten Areal erneuert. In die Errichtung des Studentischen Kulturzentrums flossen 940 000 Euro aus dem Programm Soziale Stadt. Im Falle einer Zwangsversteigerung ist die Förderklausel hinfällig, nach der das Grundstück als Gegenleistung für die hohe öffentliche Förderung 25 Jahre kulturelle genutzt werden muss. „Im Vergleich zum jetzigen Eigentümer sieht das Studentenwerk bei dem Geschäft keinen finanziellen Hintergrund. Wir schätzen das Werk als verlässlichen Partner, ganz im Gegensatz zu unserem aktuellen Vermieter“, sagte Gruschka mit Blick auf den möglichen neuen Partner. Er verwies dabei auch auf die durch das Studentenwerk gesponserte Erstausstattung der Räume im Jahr 2005 und die jährliche Förderung für Bürobedarf. Die Kommunikation mit dem aktuellen Hauseigentümer sei hingegen „sehr schwierig“.

Wichtige Bausteine des Kuze sind seine Beratungsangebote. Diese würden rege genutzt, schildert Gruschka. „Seit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System und den drohenden Zwangsexmatrikulationen wegen der Abschaffung alter Studiengänge brummt vor allem die Prüfungsrechtsberatung.“ Jobberatung, Bafög-Beratung und Semesterticket-Beratung runden das Angebot ab. Ganz ohne Feier ging es am Samstag im Kuze dann aber doch nicht ab. Vorher musste allerdings kräftig improvisiert und umgeräumt werden. Nachdem zunächst der Saal des Zentrums als Ausweichspielstätte für das Straßenfest hergerichtet worden war, kam die Sonne wieder – und mit ihr viele Gäste. Das Programm des Straßenfestes mit Lesungen und Konzerten wurde nun im Hinterhof des Kuze und damit wieder unter freiem Himmel gegeben. (Von Stephan Reitzig)

Erschienen in der MAZ vom 09.07.2012

KuZe: Studenten warten auf Ministeriumsentscheid

Zwangsversteigerung noch nicht abgewendet. Vorstand des Kulturzentrums ist optimistisch


Angesichts der drohenden Zwangsversteigerung des studentischen Kulturzentrums KuZe drängt der Vorstand der Einrichtung auf eine schnelle Entscheidung des Landeswissenschaftsministeriums zugusten eines Verkaufs an das Studentenwerk. „Die Situation ist dringlich“, sagte KuZe-Vorstand Jens Gruschka am Rande des Straßenfestes am Samstagabend den PNN. Das Objekt in der Innenstadt, das 2004 im Rahmen der „Sozialen Stadt“ als Förderprojekt des Bundes saniert und 2005 eröffnet wurde, ist durch die Insolvenz des Besitzers und eine mögliche Zwangsversteigerung bedroht. Eiegntümer des Hauses ist eine Firma aus dem Umfeld des Berliner Immobilienunternehmers Dietrich Garski, Vermieter ist die Grundwert-Gesellschaft mit Sitz in der Breiten Straße.

„Das KuZe selbst läuft sehr gut“, sagt KuZe-Vorstandsmitglied Jens Gruschka. „Aber die Insolvenz des Eigentümers stellt uns vor Probleme.“ Dabei schien alles in trockenen Tüchern zu sein: Der 2005 geschlossene Mietvertrag hat eine Laufzeit von 25 Jahren und ist äußerst schwer kündbar, zumal das KuZe öffentlich gefördert wurde. Die Insolvenz der Eigentümergesellschaft führt jedoch zu einem Sonderkündigungsrecht – und dass ein Objekt in derart exponierter Lage automatisch Investoren anzieht, ist einleuchtend. „Die kulturelle Nutzung schmälert den Verkehrswert“, so Gruschka. Für einen profitorientierten Eigentümer rechne sich so etwas natürlich nicht, da die öffentliche Förderung mit einer Mietpreisbegrenzung einhergeht. Die Lösung des Problems besteht in der Hoffnung, dass das Studentenwerk das Objekt kauft – grundsätzlich wäre dieses wie berichtet auch dazu bereit. Allerdings muss das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK) dem Kauf zustimmen und vorher eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchführen: „Der Verwaltungsrat billigt keine Minusgeschäfte“, erläutert Gruschka. Da gehe es auch um eine Menge Dokumente, die eingereicht wurden, Papierkram eben, der brauche seine Zeit. Jens Gruschka hat dafür Verständnis, weiß aber auch, dass die Zeit gegen das KuZe spielt. Man hoffe nun, dass man sich einigen könne, bevor der Komplex in der Hermann-Elflein-Straße auf der Homepage des Zwangsversteigerungsportals ZVG ausgeschrieben werde. „Sobald das Haus online ist, gibt es auch automatisch Interessenten, die sicherlich lieber Luxuslofts als Kultur haben würden“, fürchtet Gruschka. Bisher ist jedoch keine Ablehnung vom MWFK erfolgt, weshalb der Optimismus überwiegt, das KuZe erhalten zu können. Anderenfalls droht der Stadt auch eine Fördermittelrückzahlung in Höhe von fast einer Million Euro.

Das KuZe selbst, welches neben dem Büro des ASta noch das Ekze e.V., den Verein zum Erhalt des Studentischen Kulturzentrums, und den Kunstverein „okev“ beherbergt, hatte am Samstag zum Straßenfest eingeladen. „Cafe Ingwa“ spielten unter dem aufreißendem Himmel, kurz darauf die großartige Leipziger Noiserock-Band „Don Vito“, gefolgt von den Potsdamern „Complete Crap“ und dem Headliner „Tiny Ghosts“. Geschäftsführerin Sabine Finzelberg wünscht sich, dass die Arbeit des KuZe auch die Wertschätzung erfährt, die sie verdient. So einfach könne das Kulturzentrum nicht verschwinden, hofft sie: „Das wäre ja, als ob man ein angefahrenes Kaninchen noch mal überfahren würde.“ Sie fügt hinzu: „Diese Stadt muss verstehen, dass ihre Studenten ein wichtiger Teil der Kultur sind, und nicht nur eine Randerscheinung.“ von Oliver Dietrich

Erschienen in der PNN vom 09.07.2012

Lebenswichtig

 

Es wäre ganz sicher die schlechteste aller Optionen: Eine Zwangsversteigerung könnte das Aus für das inzwischen gut etablierte studentische Kulturzentrum in der Hermann-Elflein- Straße bedeuten. Denn der Laden brummt offenbar und zumindest nach eigenen Angaben haben die Betreiber keine Schwierigkeiten, ihre Miete zu erwirtschaften. Ob sie die aber noch aufbringen können, wenn ein Investor das attraktiv gelegene Ensemble übernimmt, ist mehr als fraglich. Sicher, noch ist für lange Zeit eine Fördermittelbindung auf dem Haus, weil seine Sanierung für kulturelle Zwecke gefördert wurde. Seit Februar (!) bereits ist bekannt, dass das Studentenwerk das Grundstück kaufen würde – was mit Sicherheit die beste Lösung wäre. Nun liegt der Ball beim Wissenschaftsministerium. Das Haus muss dem Verkauf an das Studentenwerk zustimmen. Noch gibt es keinen Termin für die Zwangsversteigerung, doch das Ressort von Sabine Kunst, als Uni-Präsidentin bis vor kurzem noch selbst für Studenten zuständig, sollte sich mit der Wirtschaftlichkeitsprüfung beeilen. Kommt das Haus unter den Hammer, droht der Verlust studentischen Lebens in der City. Viel gibt es davon ohnehin nicht mehr. von Peer Straube

Erschienen in der PNN vom 09.07.2012

KuZe-Versteigerung: Land und Stadt müssten zahlen

Ministerin Tack rät Kollegin Kunst zu schnellem Kauf des Kulturzentrums durch das Studentenwerk

Die drohende Zwangsversteigerung des studentischen Kulturzentrums (KuZe) könnte die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg teuer zu stehen kommen. Darauf hat jetzt die Linke-Stadtverordnete Anita Tack, zugleich Landesministerin für Verbraucherschutz, ihre Kabinettskollegin Sabine Kunst (parteilos) hingewiesen. In einem Brief an Wissenschaftsministerin Kunst schreibt Tack, bei einer Zwangsversteigerung müssten Stadt und Land Fördermittel an den Bund zurückzahlen. 940 000 Euro seien im Jahr 2004 aus dem Förderprogramm Soziale Stadt ins KuZe investiert worden und für 25 Jahre zweckgebunden – im Falle einer Versteigerung würde diese Bindung erlöschen, warnt Tack.

Bereits am Donnerstag hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Potsdam vor einem Aus für das KuZe mit Sitz in der Hermann-Elflein-Straße 10 gewarnt, sollte es zu einer Zwangsversteigerung kommen. Das KuZe befindet sich im Eigentum einer Firma aus dem Umfeld des Berliner Immobilienunternehmers Dietrich Garski. Schon im vergangenen August hatte Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) über eine bevorstehende Insolvenz der Eigentümergesellschaft spekuliert.

Beim KuZe-Vermieter, der Grundwert-Gesellschaft mit Sitz in der Breiten Straße, konnte Verwalterin Katherina Köhne am Freitag keine Angaben zur Sache machen. Die Frage, ob eine Insolvenz der KuZe-Eigentümergesellschaft drohe, wollte sie weiterleiten.

Linke-Politikerin Tack ist zumindest alarmiert. Bei einer Zwangsversteigerung habe der neue Besitzer ein Sonderkündigungsrecht und könne dem jetzigen Mieter, dem AStA, ohne Angabe von Gründen kündigen. Als Lösung sieht Tack die vom Potsdamer Studentenwerk bereits im Februar veröffentlichte Offerte, das KuZe selbst kaufen zu wollen...

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 23.06.2012

Bangen um Kulturzentrum

Studentisches Domizil in der Elflein-Straße vor Versteigerung


Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Universität Potsdam bangt um sein innerstädtisches Kulturzentrum „Kuze“ in der Hermann-Elflein-Straße 10. Asta-Sprecher Daniel Sittler teilte mit, der Vermieter des Areals stehe kurz vor der Insolvenz. Demnach solle die Liegenschaft zwangsversteigert werden. Das Amtsgericht Potsdam wollte ein solches Verfahren nicht bestätigen. Die Immobilienverwaltung Grundwert-Gesellschaft in Potsdam dementierte zumindest auf MAZ-Nachfrage entsprechende Aussagen nicht.

Zu dem in einem Innenhof liegenden Kuze gehören unter anderem eine Kneipe, ein Theatersaal, eine Musikerwerkstadt und ein studentisches Beratungszentrum. Viele studentische Gruppen nutzen die Räume für ihre kulturelle und politische Arbeit.

Laut Asta hatte das Studentenwerk Potsdam das Areal bereits im Februar aufkaufen wollen. In diesem Zusammenhang will der Asta auch erstmals von einer drohenden Insolvenz seines Vermieters erfahren haben. Das Brandenburgische Wissenschaftsministerium hatte den Aufkauf damals nicht genehmigt, da keine dringende Notwendigkeit für solch eine Investition bestanden habe. Laut Hochschulgesetz hat das Ministerium beim Erwerb von Grundstücken durch das Studentenwerk ein Mitspracherecht.

Der Asta hofft jetzt, dass das Ministerium seine Entscheidung angesichts der veränderten Sachlage überdenkt. „Uns sind keine offiziellen Aussagen des Vermieters bekannt“, sagt Sittler. Die Studenten würden nach Sittlers Angaben das Areal aber gerne weiter nutzen. Mit dem Studentenwerk hätte man einen verlässlichen Vermieter, „der sich auch sehr für die studentische Kulturförderung interessiert“, so der Asta-Referent...

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 22.06.2012

Versteigerung des KuZe befürchtet

AStA moniert Entscheid des Ministeriums


Wieder Sorge um das Kulturzentrum: Der Studierendenausschuss der Uni Potsdam (AStA) sieht den Erhalt des studentischen Kulturzentrums (KuZe) gefährdet. Nachdem das Wissenschaftsministerium dem Studentenwerk Potsdam den Kauf des Kulturzentrums zunächst nicht genehmigt hatte, befürchtet der AStA die Zwangsversteigerung des zurzeit in Privatbesitz befindlichen Zentrums in den Elfleinhöfen. Das Ministerium habe keine Notwendigkeit für den Verkauf gesehen, da eine Zwangsversteigerung nicht absehbar gewesen sei, so die Studierendenvertreter. „Uns sind aber Aussagen des Gläubigers sowie das Aktenzeichen bei Gericht bekannt“, sagte am Donnerstag AStA-Kulturreferent Benjamin Mosebach. „Die Zwangsversteigerung steht unmittelbar bevor.“

Die Studenten erwarten vom Ministerium nun eine schnelle Neuprüfung des Sachverhalts. Signale des Ministeriums, sich der Sache noch einmal anzunehmen, begrüßt der AStA. Vom Wissenschaftsministerium war zu erfahren, dass nun tatsächlich eine Zwangsversteigerung bevorsteht. „Der Kauf des Kulturzentrums war zunächst nicht genehmigt, da zum damaligen Zeitpunkt laut Amtsgericht Potsdam keine Zwangsversteigerung beantragt war und daher kein besonderer Grund bzw. Eilbedürftigkeit für einen Kauf bestand“, erklärte Ministeriumssprecher Hans-Georg Moek gegenüber den PNN. „Dass jetzt eine Zwangsversteigerung droht, ist für uns Grund, die Wirtschaftlichkeit des geplanten Kaufs zu überprüfen“, so Moek. Das habe das Ministerium dem AStA bereits mitgeteilt. Die Wirtschaftlichkeitsüberprüfung soll Grundlage einer zügigen Entscheidungsfindung des Ministeriums sein...

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 22.06.2012

Zwangsversteigerung des KuZe droht

Der Potsdamer AStA warnt: Dem studentischen Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße droht die Zwangsversteigerung.


Davor hat am Donnerstag der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Potsdam gewarnt. Eigentlich sollte das KuZe längst an das Potsdamer Studentenwerk verkauft sein. Aber das Wissenschaftsministerium prüft, ob der Verkauf wirtschaftlich sinnvoll ist. Der AStA warnte, die Versteigerung stehe „unmittelbar“ bevor, nannte aber keinen genauen Termin. Im August 2011 hatten die Stadtverordneten im Bebauungsplan für das Kuze-Areal erneut eine kulturelle und soziale Nutzung festgelegt.

Treuegelübde am Grab

Nichten erinnern im Kuze an das Schicksal des Kommunisten Walter Klausch


Es ist lange her: Marianne Prochner steht am Grab ihres Onkels, des Kommunisten Walter Klausch, und nimmt Drewitzer Schüler in die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ auf. Am Grab von Klausch auf dem Friedhof in der Babelsberger Ernst-Thälmann-Straße, heute Großbeerenstraße, werden die Kinder mit einem feierlichen Ritual auf den Sozialismus und die Treue zur Sowjetunion eingeschworen. Prochner ist zu jener Zeit Pionierleiterin an der nach ihrem Onkel benannten Polytechnischen Oberschule „Walter Klausch“ in Drewitz.

Klauschs Grab in Babelsberg ist nach wie vor erhalten. Gestern, 79 Jahre nach seinem Tod, haben Verwandte dort Blumen gepflanzt. Überhaupt stand der gestrige Tag für Marianne Prochner und ihre Schwester Barbara Purschwitz im Zeichen ihres Onkels. Im studentischen Kulturzentrum Kuze in der Hermann-Elflein-Straße berichteten die beiden über ihren gemeinsamen Verwandten...

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 18.06.2012

Hoffnung für das Kuze

Studentenwerk will das Studentische Kulturzentrum in der Innenstadt kaufen


Gestern veröffentlichte das Studentenwerk den Beschluss des Verwaltungsrates, das Kuze zu übernehmen. Einstimmige Euphorie machte sich breit. „Wir freuen uns außerordentlich über diesen Beschluss“, sagt Benjamin Mosebach vom Studierendenausschuss (Asta). Sabine Finzelberg spricht als Geschäftsführerin des Kulturzentrums von „durchweg guten Erfahrungen“ mit dem Studentenwerk, das die kulturelle Einrichtung seit ihrer Gründung unterstützte. Mit dem Kauf des Häuserkomplexes will das Studentenwerk den Erhalt des Kuze sichern. Sprecherin Gudrun Wewetzer ist erfreut über den mehrheitlichen Beschluss, denn „dieses soziokulturelle Zentrum ist etwas ganz Besonderes für Studenten.“ Der Eigentümer der Immobilie in der Hermann-Elflein-Straße hat laut Studentenwerk mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen. Durch die drohende Zwangsvollstreckung wäre der Erhalt des Kuze in den angestammten Räumen nicht gesichert, heißt es...

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 23.02.2012

Studentenwerk will KuZe kaufen

Das Potsdamer Kulturzentrum soll für studentische Zwecke erhalten werden. Das Studentenwerk will dazu nun das KuZe erwerben.


Das Studentenwerk Potsdam beabsichtigt das studentische Kulturzentrum zu kaufen. Wie die Geschäftsführerin des Potsdamer Studentenwerks Karin Bänsch den PNN bestätigte, ist in der Verwaltungsratssitzung des Studentenwerk Potsdams die Kaufabsicht des Studentischen Kulturzentrums (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße beschlossen worden. Ziel sei es, das KuZe für studentische Zwecke zu erhalten. Nachdem das Kulturzentrum zum Verkauf stand, waren die Studierenden an das Studentenwerk herangetreten. Wie Bänsch sagte, soll am Charakter des Kuze nach dem Kauf nichts verändert werden. Der Kauf bedürfe noch der Zustimmung durch das Wissenschaftsministerium. Der Preis sei noch nicht endgültig ausgehandelt.

„Durch das neue Engagement werden studentische Freiräume in Potsdam gesichert“, sagte Benjamin Mosebach, Kulturreferent des Studierendenausschuss AStA der Uni Potsdam. Vorausgegangen waren Unstimmigkeiten mit dem bisherigen Eigentümer...

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 23.02.2012

2011                                                           nach oben

Studenten unterstützen Soziokultur

"Der geplante Ausbau der studentischen Kulturförderung an der Uni Potsdam ist auf Rückhalt unter Studierenden gestoßen. Nach Informationen des Studierendenausschusses AStA hat das Studierendenparlament am Dienstag den vom AStA eingebrachten Haushaltsentwurf ohne Änderungen mit einer breiten Mehrheit angenommen. Hauptaugenmerk wird hier auf das Studentische Kulturzentrum (KuZe) sowie das neu entstandene Projekt freiLand gelegt."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 28.10.2011

Schwerpunkt studentische Kultur

 

"Der im Sommer neu gewählte Studierendenausschuss der Universität Potsdam (AStA) will einen Schwerpunkt auf studentische Kulturförderung legen. In dem für die nächste Sitzung des Studierendenparlaments vorgeschlagenen Haushaltsentwurf, sollen das studentische Kulturzentrum (KuZe) und der Kulturstandort "freiLand" besonders bedacht werden, heißt es vom AStA. "Das studentische Kulturzentrum ist und bleibt das zentrale Projekt der Studierendenschaft", so AStA-Referent Steffen Brumme. Daran werde nicht gerüttelt. Auch wollen die Studierenden dabei helfen, "freiLand" den Start zu erleichtern, zumal die Studierenden den Kulturstandort selbst nutzen würden."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 21.10.2011

Im Theater der Sprachen

Sika Rautenberg bietet im "Kuze" Kurse an

 

Staub glitzert in den letzten Sonnenstrahlen. Auch sein Geruch hängt in der Luft. In einem kleinen Hinterhof, der fast zu malerisch scheint, stehen ein paar Stühle. An den Wänden rankt sich Efeu seinen Weg nach oben. Ein paar nackte Betonstufen führen hinauf zu einer dunklen Tür. Dahinter liegt ein Raum, der gefüllt werden soll, nicht mit Möbeln, sondern mit Sprache.

Schon in einer Sprache gibt es viele Möglichkeiten, sich auszudrücken und kreativ zu sein. Drei Sprachen aber bieten eine noch größere Vielfalt. Das "Theater der Sprachen" will genau das bieten. Seit Anfang September finden an zwei Tagen in der Woche Proben im "Kuze", dem Studentischen Kulturzentrum in der Hermann-Elflein-Straße 10, statt, montags in Englisch und mittwochs in Spanisch. Eine in Französisch soll noch folgen. "Ich möchte einen Raum schaffen, der jedem die Möglichkeit gibt, sich frei zu entfalten. Wo niemand Angst haben muss. Einfach einen Raum zum Sprechen", sagt Sika Rautenberg, Initiatorin und Leiterin des Projektes. Egal welchen Alters, ob Sprachenanfänger, Fortgeschrittener oder Muttersprachler, eingeladen zum Mitmachen ist jeder. Nur gewisse Vorkenntnis der jeweiligen Sprache sollte vorhanden sein. Durch das Sprechen in der Gruppe sollen die Teilnehmer gemeinsam ihre Sprachfähigkeiten verbessern. Deswegen darf auch kein Deutsch gesprochen werden. Der spielerische Aspekt des Theaters soll dabei helfen, den sprachlichen Umgang miteinander zu erleichtern."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 15.09.2011

Die Watsche

Volker Oelschläger über eine Stadt, die einfache Umgangsformen vergessen hat

 

"Wer annimmt, die Arbeit der Transparenzkommission habe sich mit dem Ende der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Ex-Stadtwerkechef Peter Paffhausen erübrigt, der irrt. Worum es dem Gremium gehen müsste, illustrieren zwei aktuelle Fälle. [...] Zweiter Fall ist das studentische Kulturzentrum Kuze, das in der jetzt bekannten Gemengelage das Zeug zur Affäre um eine Immobilie plus Subventionen hat. In beiden Fällen wäre ein wenig Transparenz, ein wenig Überschaubarkeit, Nachvollziehbarkeit, Erklärbarkeit sicher auch für die Stadt selbst ganz hilfreich. Egal ob Irrtum oder Absicht, die Ziele der Transparenzkommission erschließen sich dem Normalverbraucher nicht auf den ersten Blick. Einfacher könnte man sagen: Die Stadt bemüht sich um die Einführung von Anstandsregeln. Ein Baudezernent, der abduckt, wenn seine Behauptungen für den Gegenüber nachprüfbar werden, passt nicht in dieses Raster."

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 12.09.2011

Klipp in Erklärungsnot

Studentisches Kulturzentrum im Grundbuch gegen Vertragstext als "Wohnungsrecht" gesichert

 

In den Gesprächen zur langfristigen Sicherung des studentischen Kulturzentrums Kuze in der Hermann-Elflein-Straße 10 gerät Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) in Erklärungsnot. Wie berichtet, soll der Betrieb des Kulturzentrums durch eine Änderung des Bebauungsplans langfristig gesichert werden. Offene Fragen betreffen zunächst ein ungewöhnliches Entgegenkommen der Stadt gegenüber dem privaten Eigentümer des mit fast einer Million Euro geförderten Baugrundstücks im Sanierungsgebiet. So bestätigte Klipp auf MAZ-Nachfrage, dass die mit den Vertragsverhandlungen bekannt gegebene erstrangige Sicherung der öffentlichen Förderung im Grundbuch durch den Investor nicht erfolgt ist. Auch hatte sich der Eigentümer in dem 2004 abgeschlossenen Instandsetzungs- und Modernisierungsvertrag mit der Stadt verpflichtet, im Grundbuch per Grunddienstbarkeit eine "Teilnutzung als studentisches Kulturzentrum" für die Hermann-Elflein-Straße 10 festzuschreiben. Stattdessen jedoch wurde dort laut Klipp ein "Wohnungsrecht" gesichert. Klipp verteidigte diesen unter seiner Vorgängerin Elke von Kuick-Frenz (SPD) erfolgten Vorgang allerdings zunächst und verweigerte Auskünfte auf Nachfragen, nachdem die MAZ im Zuge einer Kontrollrecherche Einblick in von ihm zitierte Vertragsunterlagen nehmen konnte. Als Begründung ließ er ausrichten, dass "eine weiterführende Darstellung von Vertragsinhalten und grundbuchrelevanten Tatsachen keinen weiteren Erkenntnisgewinn für die Öffentlichkeit" erzeuge."

 

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 12.09.2011

KUZE: "Kein weiterer Erkenntnisgewinn"

Wie man Investoren entgegenkommt

 

Der Stadt droht mit dem studentischen Kulturzentrum Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10, ein selbst verschuldeter Scherbenhaufen. Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) ließ auf Nachfrage bestätigen, dass wesentliche mit der Förderung vereinbarte Sicherungen nicht vollzogen wurden. Zwar fallen die Ereignisse aus den Jahren 2003 und 2004 in die Zeit seiner Vorgängerin Elke von Kuick-Frenz (SPD), doch ist Klipp offenbar bemüht, Kritik nicht aufkommen zu lassen.

Wie berichtet, hat er einen Stadtverordnetenbeschluss erwirkt, nach dem der Bebauungsplan zur Sicherung des studentischen Kulturzentrums mit einer Festschreibung der Nutzung geändert wird. Das Kulturzentrum ist auf Basis eines im Juli 2004 zwischen Stadt und Grundstückseigentümer abgeschlossenen Fördervertrages in privat-öffentlicher Partnerschaft errichtet worden. Die Stadt übernahm damit die Verantwortung über rund 940 000 Euro Förderung."

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 12.09.2011

Stadt hilft dem KuZe

Ein neuer Bebauungsplan soll das Kuze sichern

 

"Aufatmen im Kuze: Ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom vergangenen Mittwoch soll die kulturelle Nutzung des Grundstücks festschreiben. Dazu wird nun der Bebauungsplan entsprechend geändert. "Wir begrüßen die zügige Entscheidung. Das sichert das Studentische Kulturzentrum gegen Risiken, etwa durch ein Sonderkündigungsrecht im Falle eines insolvenzbedingten Eigentümerwechsels", sagte Sabine Finzelberg, Geschäftsführerin des Kuze. Vorausgegangen waren Gerüchte über eine möglicherweise bevorstehende Insolvenz der privaten Eigentümergesellschaft, deren Räume das Kuze nutzt. Wie der Baubeigeordnete Matthias Klipp den Stadtverordneten sagte, sei die Änderung eine Möglichkeit, auch bei einer Möglichen Insolenz des Eigentümers eine kulturelle Nutzung zu sichern."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 06.09.2011

Kuze in Turbulenzen

 

"Sechs Jahre nach seiner Eröffnung befindet sich das studentische Kulturzentrum Kuze in der Hermann-Elflein-Straße 10 in Turbulenzen. Errichtet wurde es von der Studierendenvertretung der Universität Potsdam und einer Grundstückeigentümergesellschaft mit Unterstützung von Stadt und Land in einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Die von einem namhaften Berliner Immobilienexperten vertretene Eigentümergesellschaft steht, so Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) am Mittwochabend vor den Stadtverordneten, "kurz vor der Insolvenz". Er begründete damit eine Beschlussvorlage zur Änderung des Bebauungsplans für das Kuze in einem beschleunigten Verfahren, die ohne weitere Debatte bestätigt wurde."

 

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 02.09.2011

Zusatzsicherung für das "Kuze"

Änderungsvorlage zum Bebauungsplan

 

"Sechs Jahre nach seiner Eröffnung soll das studentische Kulturzentrum "Kuze" in der Hermann-Elflein-Straße 10 über eine Änderung des Bebauungsplans "dauerhaft für kulturelle und soziale Zwecke gesichert werden". Die Beschlussvorlage zur Einleitung eines beschleunigten Änderungsverfahrens steht für kommenden Mittwoch auf der Tagesordnung der Stadtverordneten.

Gegenstand des Beschlusses ist ein Block 12 im Sanierungsgebiet mit den Grundstücken Gutenbergstraße 1-6 und Hermann-Elflein-Straße 8-10, der als "besonderes Wohngebiet" ausgewiesen ist. Das heißt allgemein, dass neben dem Wohnen auch andere, damit verträgliche Nutzungen möglich sind. Mit der Änderung des Bebauungsplans sollen die Vorgaben für die Wohn-, ebenso wie für die kulturell genutzten Grundstücke präzisiert werden. So soll laut Beschlussvorlage für die Häuserzeile zur Gutenbergstraße ein "Mindestwohnanteil" festgelegt werden."

 

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 25.08.2011

Kritik am Kuze nach "Piraten"- Rausschmiss

 

"Die Empörung war auf beiden Seiten groß: Mitglieder des Potsdamer Kreisverbandes und der Hochschulgruppe der "Piraten" sind Anfang Juli in der Kneipe des studentischen Kulturzentrums Kuze in der Hermann-Elflein-Straße des Hauses verwiesen worden. Sie hatten sich dort - wie schon einige Male vorher - zum Stammtisch getroffen. Das Problem: Durch einen PNN-Artikel war der Termin diesmal öffentlich geworden - und damit in den Augen der Kuze-Betreiber zur Parteiveranstaltung. Die aber will das basisdemokratisch verfasste Nutzerinnenplenum des Hauses nicht zulassen."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 29.07.2011

Jugendkultur-Schauplatz

 

"Auch in diesem Jahr werden von der Stadtverwaltung wieder speziell kulturelle Jugendprojekte gefördert. Die erste bewilligte Veranstaltung heißt "Schauplatz Kulturarbeit", wird mit 1000 Euro unterstützt und findet am Samstag ab 14 Uhr im KuZe in der Hermann-Elflein-Straße statt."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 19.05.2011

Schauplatz Kulturarbeit

 

"Einblicke in die Arbeit des Studiengangs Kulturarbeit der Fachhochschule Potsdam gibt es am kommenden Samstag, dem 21. Mai, im KuZe, in der Hermann-Elflein-Straße 10 beim "Schauplatz Kulturarbeit". Als kultureller Marktplatz angelegt ist ab 14 Uhr eine interaktive Ausstellung mit ausgewählten Projekten der Kulturarbeit zu sehen..."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 18.05.2011

Einfach wirken lassen

Kunststudenten der Potsdamer Universität zeigen im studentische Kulturzentrum ihre Abschlussarbeiten

 

"Wenn man sich die aktuelle Ausstellung "4+4" im KuZe ansieht, entdeckt der aufmerksame Betrachter Glamouröses. Es glitzert und funkelt auf einigen Bildern. Der Künstler streute jedoch nicht rosa Glitter auf seine Gemälde, sondern verwendete eine Zutat, die sonst nur in der heimischen Küche Verwendung findet: Zucker.

Das studentische Kulturzentrum KuZe stellt momentan die Abschlussarbeiten der Potsdamer Studenten Jennifer Stephan, Katja Zschipke, Melanie Neumann und Jan Gasser aus."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 29.04.2011

Dressing Day - mehr Mode in Potsdam

Die 25-jährige Jungdesignerin Nora Fritz will Kreativarbeit, keine Massenware

 

"Genäht, gestrickt, gebastelt, gebaut, geschraubt - alles ist erlaubt zur kreativen Modeschau am morgigen Samstag im Theatersaal des Studentischen Kulturzentrum Potsdams (KUZE) in der Hermann-Elflein-Straße 11. Die Idee zu einer etwas anderen Show auf dem Laufsteg hatte die 25-jährige Jungdesignerin Nora Fritz und initiierte den ersten "Dressing Day"."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 01.04.2011

Mehr als heiße Luft

Das Trio "Föhn" zeigt ab heute im KunstWerk zum ersten Mal seine Malerei, Grafik und Fotografie

 

"Er wird zur Eröffnung mit im Rampenlicht stehen. Schließlich ist er der Namenspatron für die junge dreiköpfige Künstlercrew. Der monströse Föhn für Haustiere lag schon ausrangiert im Sperrmüll, als Sabine Finzelberg das eigentümliche Ding mit dem kanonenartigen Rohr aufstöberte, um es vielleicht als Kunstobjekt zu neuen Ehren zu führen. Doch kurz nach der Rettung leistete das hoch aufragende Unikum ganz in seinem ursprünglichen Sinne gute Dienste."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 18.03.2011

Fleischlust

Kollektiv Untergewicht mit "Ein Fleischstück" im KuZe

 

"Fleisch ist Symbol, ist Nahrung, ist die als Filet servierte gebändigte Natur. Fleischessen ist die Einverleibung des Anderen, ist die Aneignung der sprachlosen Kraft des Tiers, ist das Hybridwerden individueller Grenzen. Im industriellen Schlachtbetrieb wird der Akt des Tötens ausgeblendet, zwischen den Menschen und das Töten werden Paragraphen geschoben, die Distanz schaffen sollen. Die saubere Geruchlosigkeit von Hygienevorschriften, der kühle Klang von detaillierten Schlachtverordnungen verschleiern den Duft von Blut und Exkrementen. Das Töten wird dem Blick entzogen und das in Plastik verpackte Fleisch, das den Schlachthof verlässt, verschafft auch in großer Masse keine Befriedigung. Das Berliner Theaterkollektiv Untergewicht sucht mit seiner Inszenierung "Ein Fleischstück" die Momente, in denen das unbefriedigte Verlangen das labile Gebäude der Zivilisation sprengt, in denen das pulsierende Blut überkocht und der Mensch beginnt, nach etwas zu riechen. Der Ausbruch aus der eigenen Einsamkeit soll dabei zum Gewaltakt werden."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 17.02.2011

Wortakrobaten

"Potslam" im KuZe heißt jetzt "Potshow"

 

Der Theatersaal des KuZe platzte am Mittwoch wieder aus allen Nähten. Insofern hatte sich nichts verändert. Denn die Poetry-Slam-Nächte, die dort regelmäßig veranstaltet werden, ziehen vor allem Schüler, Azubis und Studenten in solchen Scharen an, dass der etwa 60 Quadratmeter große Saal fast immer überfüllt ist, wenn die Berliner Slammer Marc-Uwe Kling und Sebastian Lehmann den Potsdam-Ableger ihrer zahlreichen Aktivitäten veranstalten. Bisher lief das so, dass sie eigene Texte zum Besten gaben und einen Wettbewerb meist zwischen einem halben Dutzend Slammern veranstalteten, dessen Sieger natürlich vom Publikum gekürt wurden."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 04.02.2011

Das Image des KuZe aufpolieren

Ausschreibung für Veranstaltungsmanager

"Das studentische Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße soll künftig professioneller als bisher betrieben werden. Ab 1. März erhält der Komplex, zu dem eine doppelgeschossige Kneipe, Seminarräume und ein Veranstaltungssaal gehören, einen Veranstaltungsmanager. Eine Ausschreibung des Postens werde demnächst gestartet, sagte Roy Kreutzer vom Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) den PNN: "Wir wollen jemanden, der schon Berufserfahrung in dem Bereich hat." Die neue Stelle solle nicht in erster Linie im KuZe selbst, sondern im AStA-Büro am Campus am Neuen Palais angesiedelt sein. Geplant sei, dass sich Studenten bei dem neuen Angestellten melden, wenn sie im KuZe Seminare, Partys oder andere Veranstaltungen durchführen wollen. "Die neue Stelle ist dann für die grobe Koordinierung der Raumbelegung da, so Kreutzer. Im Zuge dessen sei auch eine "Verschiebung von Aufgaben" innerhalb des KuZes notwendig - unter anderem bei der Geschäftsführung des Hauses."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 21.01.2011

2010                                                           nach oben

Jeder zeigt, was er kann

Ambitioniert und liebenswert chaotisch: UnARTich mit „Flaschengeist“ und „Trash Puzzle“ zum zweiten Mal im Kunstwerk

 

Ein frech-sympathisches Mädchengesicht ist das Erkennungszeichen. Es ist als Schwarz-Weiß-Druck auf den T-Shirts der zahlreichen Helferinnen zu sehen. Irina Maslennikowa, die Mitorganisatorin des zweiten unARTich-Events, das am Wochenende im Kunstwerk in der Hermann-Elflein-Straße stattfand, hat dieses einprägsame Comic-Gesicht in ihrer Ausbildung als gestaltungstechnische Assistentin ursprünglich als Linolschnitt entworfen. Jetzt trägt es die 24-Jährige selbst auf der Brust und wuselt ab dem frühen Nachmittag ständig zwischen den Galerieräumen, dem Theatersaal und der KuZe-Kneipe hin und her, um die zahlreichen Aktionen von unARTich sowohl zu koordinieren als auch anzukündigen.

Das tut sie mit viel Aufmerksamkeit, aber auch bewusst unkonventionell. Mitmachen kann bei unARTich eigentlich jeder, der ausstellen will und so finden sich in den drei Kunstwerk-Etagen jede Menge Bilder, Fotografien, Grafiken und Collagen, die sowohl von gestandenen Potsdamer Künstlern wie Gosha Nagashima-Soden, Julia Brömsel oder Sabine Raetsch stammen als auch eine Vielzahl unbekannter Namen."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 21.12.2010

Frühaufsteher

Alexis Gideon und Shelley Short im Kuze

 

Diese Zeit war selbst für einen Sonntag ungewöhnlich. Und es hätte nicht viel gefehlt und man hätte sich in Erklärungsnot ob des verpassten Konzerts gebracht. Denn nicht wie üblicherweise um 20 Uhr, sondern bereits 17.30 Uhr sollten Alexis Gideon aus den USA und Shelley Short aus Kanada im Studentischen Kulturzentrum Kuze spielen. Entsprechend machte sich da Skepsis breit, ob so das entsprechende Publikumsinteresse geweckt werden könnte."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 14.12.2010

INTEGRATION: Zum Schluss profitiert jeder davon

Kinder aus Migrantenfamilien sind mit ihren Hausaufgaben gut aufgehoben – bei Studenten unterm Dach

 

Wer die Stiege bis unters Dach erklommen hat, hat die erste Hürde genommen. Es ist Dienstag, kurz nach 16 Uhr. Lässig und freundschaftlich grüßen Rosia und Sahar in den Raum. Ali sitzt schon am Computer. Die hübschen, aufgeschlossenen Schwestern aus Afghanistan strahlen Ephraim Desisa an. „Kommt Mathe-Robin auch?“, fragt Sahar. „Ich denk schon“, antwortet Desisa. Die Mädchen breiten ihre Schulsachen auf dem langen Tisch aus. Nach kurzem Schwatz werden sie ernst. Sahar aus der 13. Klasse muss eine Werbestrategie für ein Produkt erarbeiten. Schwester Rosia (9. Klasse) will Mathe machen. Ali recherchiert im Internet zu Orkanen für einen Vortrag. Die Gliederung fällt ihm schwer. „Was sollst du machen?“, fragt Ephraim. „Keine Ahnung“, sagt Ali. Das klingt wie ein Signal und schon stecken der angehende Englisch- und Französisch-Lehrer und der Elftklässler aus dem Libanon auf einem Potsdamer Dachboden die Köpfe zusammen. „Zuhause alleine googeln ist was anderes. Wenn man eine persönliche Frage hat, kann man die hier gleich los werden“, sagt Ali. Und die deutschen Mitschüler? „Die sind schon ok, aber die können es nicht so gut erklären, nicht so weitergeben“, findet Ali. Er kommt seit zwei, drei Jahren. Die Stimmung sei gut und „wenn man was lernen will, muss man das hier machen“."

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 23.11.2010

Eine studiert jetzt Jura

Die Potsdamer Universitätszeitung "PORTAL" über die Nachhilfe im KuZe:

 

"Ephraim Desisa ist ein gefragter Mann: Während er noch dem zwölfjährigen Omed erklärt, was rationale Zahlen sind, rufen schon zwei andere Schützlinge nach seiner Hilfe. An drei Tagen in der Woche für jeweils zwei Stunden sind der angehende Lehrer und seine derzeit elf Mitstreiter für Kinder aus Migrantenfamilien da, helfen bei Hausaufgaben und bereiten sie auf Tests vor. Die Schüler und ihre Betreuer treffen sich im Studentischen Kulturzentrum KUZE. Den Kontakt zwischen Kindern und Studierenden vermittelt die Flüchtlingshilfe der Diakonie Potsdam. Die Schüler kommen überwiegend aus Afghanistan oder sind Kurden aus dem Libanon und der Türkei. Die Hausaufgabenhilfe ist sehr gefragt. Derzeit sind es rund 20 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren, die jede Woche in der Hermann-Elflein-Straße vorbeischauen."

Zum vollständigen Artikel aus der PORTAL vom November 2010

Dass die Bächlein nie versiegen...

Offener Kunstverein und studentisches Kulturzentrum Kuze feierten gemeinsam Geburtstag


Die große Toreinfahrt in der Hermann-Elflein-Straße 10 wirkte am Freitagabend wie der Trichter eines Tornados, der vor allem junge Menschen aus dem Passantenstrom in sein Inneres riss. Im Hinterhof dann erwies sich die von Fackeln erleuchtete Szenerie als weitaus weniger bedrohlich, denn jetzt erinnerte das Geschehen an das Treffen eines Geheimbundes, der sich durch wechselseitiges Umarmen zu erkennen gab. Diese unübersehbare Herzlichkeit hatte einen guten Grund, denn die abendlichen Besucher feierten den 20. Geburtstag des Offenen Kunstvereins und das fünfjährige Bestehen des studentischen Kulturzentrums Kuze gemeinsam. Das freudige Ereignis wurde mit dem ohrenbetäubenden Lärm der Samba-Trommler von „Sexta Feira“ auch akustisch verortet."

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 15.11.2010

Eigene Schritte ins Leben

Der Offene Kunstverein und das studentische Kulturzentrum KuZe feierten gemeinsam Jubiläum in den Elfleinhöfen

 

„Die Geburtstagssause“ nannte das Studentische Kulturzentrum KuZe das gemeinsam mit dem Offenen Kunstverein gefeierte Jubiläum am Freitagabend in den „Elfleinhöfen“. Fackeln wiesen den Weg vorbei an der gemeinsam betriebenen Kneipe „exe“. Eine altbewährte Glitzer-Disko-Kugel warf ihr vielfach gebrochenes Licht in den steinalten Hinterhof, es roch nach gebranntem Holz. Allerlei Volk war zum Doppeljubiläum gekommen, junges, und altes.

Vor zwanzig Jahren, inmitten des Totalverfalls, begann hier der „Offene Kunstverein“ seinen alternativen Traum von unbegrenzter Freiheit und „Menschlichkeit“ zu träumen. Seit fünf Jahren kooperiert er mit dem KuZe unterm gemeinsamen Dach, welches sich selbst gern als „KunstWerk“ präsentiert. Die Gründergarde ist im Leben um zwanzig Punkte weitergerückt. Was bleibt da vom Ur-Impuls der „Subversion“, vom Freiraum Kunst, in den deutlich härter gewordenen Zeiten? Die Stadtverwaltung, treue Stütze der Elflein-Avantgarde, grüßte mit freundlichen Worten, das „Land“ hat sich längst verkrümelt, wird aber zurück erwartet. „Wir haben viel gemacht“, war in der obersten Etage zu hören, wo siebzehn große Fototafeln die Köpfe der Aktivisten und ihrer geistigen Kinder verewigt haben."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 15.11.2010

Offener Kulturstandort

Das studentische Kulturzentrum (KuZe) begeht heute sein fünfjähriges Jubiläum

 

Zu seinem fünfjährigen Bestehen hat das studentische Kulturzentrum (KuZe) für diesen Freitag und Samstag zur Geburtstagsparty „Fünfundzwanzig“ eingeladen. Was kein Rechenfehler ist, sondern vielmehr Ausdruck der engen Kooperation mit dem Offenen Kunstverein „KunstWERK“ Potsdam, der gleichzeitig seinen 20. Geburtstag begeht. So werden die Gratulationen heute Abend (ab 18 Uhr) dann auch in den gemeinsam genutzten Räumen in der Hermann Elflein Straße 10 stattfinden. Das Doppeljubiläum war den Kulturschaffenden Anlass genug, gleich eine zweitägige Party auszurufen.

Die Geschichte des KuZe reicht weit zurück in die Potsdamer Nachwendezeit. Bereits Mitte der 90er Jahre war den Studierenden der Universität Potsdam klar geworden, dass die peripheren Standorte der Uni am Neuen Palais, Golm und Griebnitzsee ein lebendiges Studentenleben in Potsdams Innenstadt von vornherein nahezu ausschließen. Einzig die Fachhochschule hielt bislang ihren Standort am Alten Markt, doch auch der wird in den kommenden Jahren komplett auf den Campus Pappelallee umziehen."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 12.11.2010

Eine Welt im Hinterhof

Der Offene Kunstverein und das Kulturzentrum Kuze habe ihre Geburtstage zusammengelegt

 

POTSDAM / INNENSTADT - „Im Hinterhof“ ist der Titel einer Fotoausstellung, die heute im „Kunstwerk“ in der Hermann-Elflein-Straße eröffnet wird. Was profan klingt, entpuppt sich rasch als Demonstration purer Lebensfreude einer enormen Ansammlung von Menschen quer durch alle Generationen, die mit Kunst als Kompass wirklich weltweit Freunde fanden. Das „Kunstwerk“ mit seinen Ateliers, Bühnen und Ausstellungsräumen bewährte sich dabei allemal als Basisstation.

Das „Kunstwerk“ ist die älteste feste Adresse der freien Kulturszene in dieser Stadt. Die Geschichte beginnt im November 1989, als der Lindenpark noch ein staatliches Jugendkulturhaus und ans Waschhaus oder die Tanzfabrik überhaupt noch nicht zu denken war, mit der Eröffnung einer dreiteiligen Ausstellung „Gurken in Blaulicht“in der vergessenen Brauerei Kanitzberg. Die „Erste unabhängige Kunstfabrik“ sollte Jahre später vor allem mit ihrer Aktion „Kunst im Stadtraum“ für Aufsehen sorgen, mit der die Innenstadt für Tage und Wochen zu einer echten Kunstmeile wurde."

Zum vollständigen Artikel aus der MAZ vom 12.11.2010

KuZe und Kunstverein feiern gemeinsam 25 Jahre

Sie werden 25. Das Studentisches Kulturzentrum und der Offener Kunstverein. Ihre zusammengezählten „Lebensjahre“, 5 plus 20, sind Grund zum gemeinsamen Feiern: am morgigen Freitag ab 18 Uhr in der Hermann-Elflein-Straße 10. Zum Auftakt wird die Fotoausstellung „Auf dem Hinterhof“ eröffnet, umrahmt von Sambaklängen der Gruppe „Sexta Feira“ im KunstWERK. Danach, um 19.30 Uhr, gibt es Improtheater mit „Rorschach“ und Maskentheater mit der Gruppe „Nadi“.

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 11.11.2010

KuZe bereitet Fünf-Jahres-Feier vor

Die Verantwortlichen im studentischen Kulturzentrum (KuZe) bereiten die Feierlichkeiten für das Fünf-Jahres-Jubiläum des Hauskomplexes vor. Zusammen mit offenen Kunstverein, der seinen 20. Geburtstag feiert und mit dem sich das KuZe die sanierten Elfleinhöfe teilt, soll am 12. und 13. November eine abwechslungsreiche Party organisiert werden. Laut dem vorläufigen Programmablauf sind etwa ein „Open Stage“-Musikabend, Film- und Hörspielkunst sowie zwei Konzerte mit anschließender Disko geplant.

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 15.10.2010

Solaranlage für das „KuZe“ liegt auf Eis

Innenstadt - Die für das studentische Kulturzentrum „KuZe“ in der Hermann-Elflein-Straße geplante Solaranlage liegt auf Eis. Auf der Homepage des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) erklärte der zuständige AStA-Ökoreferent Simon Wohlfahrt gestern, er werde sich von dem Vorhaben zurückziehen. Als Grund nennt er unter anderem „technische Unklarheiten“ und „die nicht zu verachtenden Kosten für einen Überspannungsschutz“, die das Projekt „in wirtschaftlicher Hinsicht unsicher“ machten. „Der Aufwand, um eine vergleichbar kleine Fläche für Photovoltaik zu nutzen, könnte viel größer werden, als der Nutzen.“ Bislang seien lediglich 120 Euro für die „Vorbereitungen zu einem Statikgutachten“ in das Projekt geflossen, so Wohlfahrt. Auch könnten künftige Studierendenvertretungen aus den bisherigen Planungen „lernen und eventuell auf dessen Grundlage das Projekt wiederbeleben“, erklärte Wohlfahrt.

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 12.10.2010

Oft mangelt es an Selbstvertrauen

Junge Potsdamer haben mit Unterricht für Flüchtlingskinder den Landes-Integrationspreis gewonnen

 

Für Ephraim Desisa begann alles mit einem Praktikum. Der Lehramtsstudent brauchte ein außerschulisches Praxissemester, über einen E-Mail-Verteiler der Uni Potsdam stieß er auf die studentische Hausaufgabenhilfe im „KuZe“ in der Hermann-Elflein-Straße. Das war vor anderthalb Jahren, sein Praktikum ist längst vorbei. Nachhilfe für Flüchtlingskinder gibt er immer noch. Nun haben er und seine elf Kollegen den Integrationspreis des Landes Brandenburg gewonnen.

Der Preis, der mit insgesamt 5000 Euro dotiert ist, wurde in diesem Jahr bereits zum dritten Mal vergeben. Ephraim und seine Mitstreiter setzten sich gegen 19 Mitbewerber durch. Dabei hatten sie sich gar nicht selbst um den Preis beworben, „das wäre einfach nicht unsere Art“, sagt Ephraim. Vorgeschlagen hatte sie ihre Ansprechpartnerin bei der Diakonie Potsdam, Uta Amme. Sie vermittelt die Kinder und Jugendlichen, die überwiegend aus dem Flüchtlingswohnheim in Potsdam kommen, bei Bedarf an die Hausaufgabenbetreuung.

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 30.09.2010

Potsdamer erhalten Preis für Integration

Der brandenburgische Integrationspreis ist in diesem Jahr nach Potsdam vergeben worden. Gewonnen hat ihn die „Studentische Initiative: Hausaufgaben- und Nachhilfe für Kinder aus Flüchtlingsfamilien“, teilte das brandenburgische Sozialministerium mit. Der Preis wurde gestern im Dom von Fürstenwalde verliehen.

 

Das Hausaufgabenhilfe-Projekt, das vornehmlich im studentischen Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße arbeitet, existiert nach Ministeriumsangaben seit fünf Jahren und wird von bis zu zwölf Studenten betreut. „Sie kümmern sich um etwa 20 Flüchtlingskinder und erleichtern ihnen mit umfangreichen Nachhilfe-Angeboten den Zugang zum deutschen Bildungssystem“, so das Ministerium. Gemeinsam mit anderen Sozialeinrichtungen in Potsdam würden die Studenten auch weitere Hilfen für den Alltag der Familien organisieren. „Die Studenteninitiative ist getragen von Menschen, denen das menschliche Miteinander und mitmenschliche Solidarität am Herzen liegen“, sagte Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (SPD) zur Preisverleihung. 3000 Euro erhalten die Studenten als Belohnung.

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 27.09.2010

Noch Fragen offen

Auseinandersetzung um Honorar für ehemaligen KuZe-Chef

 

Der Streit um ein Honorar für den Ex-Chef des Studentenkulturzentrums geht weiter. Der ehemalige Chef des studentischen Kulturzentrums (KuZe) Sven Brödno soll für die Einarbeitung seiner Nachfolgerin Sabine Finzelberg 1500 Euro erhalten (PNN berichteten). Die Grün-Alternative Liste (GAL) hatte zu dem vom Studierendenausschuss (AStA) beschlossenen Vertrag und zur Höhe des Honorars Zweifel angemeldet.

Nun hat sich Jens Gruschka, bis vor kurzem KuZe-Referent beim AStA und Stadtverordneter für die Linke, in die Diskussion eingeschaltet. „Mit ihrer Kritik beweist die GAL erneut politische und menschliche Verantwortungslosigkeit“, schreibt Gruschka in einer Pressemitteilung. Der Vertrag für Brödno sei wichtig für die Arbeit der neuen KuZe-Chefin Sabine Finzelberg, da sie trotz ihrer „langjährigen ehrenamtlichen Arbeit“ nicht alle Aspekte der Verwaltung des Veranstaltungshauses in der Hermann-Elflein-Straße kennen könne. Mit dem Vertrag werde der „professionelle“ Weiterbetrieb des KuZe garantiert, so Jens Gruschka."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 03.09.2010

Ärger um Honorar

1500 Euro für Einarbeitung der neuen KuZe-Chefin

 

Der Wechsel an der Spitze des studentischen Kulturzentrums (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße sorgt derzeit unter Studierenden für Ärger. Grund ist ein Ende Juli vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) beschlossener Werkvertrag über 1500 Euro für die Einarbeitung der neuen KuZe-Geschäftsführerin Sabine Finzelberg. Die Honorarsumme, sie entspricht etwa zwei Monatsgehältern für KuZe-Geschäftsführer, erhält Finzelbergs Vorgänger Sven Brödno.

Dagegen regt sich nun Protest. „Warum war hier eine Einarbeitung per Werkvertrag notwendig? Das ist so noch nie passiert“, sagte gestern Björn Ruberg, der mit der Grün-Alternativen Liste (GAL) im Studentenparlament (Stupa) in der Opposition sitzt. In der Vergangenheit hatte die Stupa-Opposition der linken AStA-Koalition, der auch Brödno und Finzelberg nahestehen, mehrfach Klientelpolitik vorgeworfen."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 27.08.2010

Neue Chefin für das KuZe gefunden

Sabine Finzelberg ist seit Donnerstag die neue Geschäftsführerin des studentischen Kulturzentrums KuZe in der Hermann-Elflein-Straße. Das teilte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Potsdam den PNN auf Anfrage mit. Die Lehramtsstudentin für Kunst- und Deutsch übernimmt den Posten von Sven Brödno, der die Stelle aus persönlichen Gründen verlässt.

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 02.07.2010

KOLLEKTIVANALOG

"Neuigkeiten gibt es auch von einem weiteren unabhängigen Konzertveranstalter in Potsdam. Die Jungs vom „Kollektivanalog“ haben sich unter www.kollektivanalog.de eine neue Internetseite zugelegt. Das Team organisiert seit Jahren Konzerte, unter anderem im studentischen Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße. Die handgemachte Musik an solchen Terminen klingt oft ungewöhnlich. Ein Beispiel ist das Konzert am Sonntag im KuZe: Dort spielt das kanadische Trio Marvin, ein Mix aus Hard Rock, Noise und Post Punk. Beginn des Konzerts ist 15 Uhr."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 08.04.2010

Kuddelmuddel um Studentenzentrum

Der AStA überlegt, das KuZe zu kaufen – doch der Hauseigentümer dementiert Verkaufsabsichten

 

Die gewählten Studentenvertreter der Universität Potsdam überlegen, ihr Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße zu kaufen – statt dafür, wie bisher, Miete zu zahlen. Nach PNN-Recherchen hat sich der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) in einem Gespräch mit Uni-Präsidentin Sabine Kunst erkundigt, ob und wie so ein Kauf möglich wäre. Dies bestätigte Uni-Sprecherin Birgit Mangelsdorf den PNN auf Anfrage – ein Prüfauftrag zu der Frage sei ausgelöst.

Zum Kauf des KuZe müsste der AStA wohl einen Kredit aufnehmen, so die Sprecherin. Ob das möglich ist, sei unklar. „Der Universität ist es als Körperschaft des öffentlichen Rechts aus haushaltsrechtlichen Gründen untersagt, sich zu verschulden“, sagte Mangelsdorf. Nun müsse die Frage geklärt werden, ob dies auch auf den AStA zutrifft – eine entsprechende Anfrage der Universität liege dem zuständigen Brandenburgischen Wissenschaftsministerium bereits vor, so die Sprecherin."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 26.03.2010

Ehrliche Gespräche mit Schmalzstulle

Die legendäre „Stube“ feierte ihren 30. Jahrestag

"Manches bleibt. Auch zum 30-Jährigen der „Stube“ gab es Schmalzstullen und Gurken auf die Hand, ein festes Glas für jeden Gast, in das nachgeschenkt wurde. Wie in den 80er-Jahren, erst unter dem Dach des Jugendkulturhauses Lindenpark in Babelsberg, kurz darauf unter den Balken des damals neu eröffneten „Spartakus“. Am Samstagabend wurde das 30-jährige Jubiläum wieder unter einem Dach gefeiert, diesmal im „Kuze“, dem studentischen Kulturzentrum

Legendär ist die „Stube“ für jene, die damals in tiefster DDR-Zeit allwöchentlich am Donnerstag jenen Kultur- und Diskussionstreffpunkt aufsuchten. Für Wolfram Arton, ehemals Schulze, ist es „damals die Suche nach einer Möglichkeit gewesen, ehrlich zueinander zu sein, wahrhaftiges auszutauschen, Künstler direkt zu treffen“, erinnert er sich an die Anfänge. „Und es sollte eine Atmosphäre wie im eigenen Wohnzimmer sein, deshalb auch der Name ,Stube’“, so Arton. Mit vier Freunden organisierte er 1980 erstmals eine „Stuben-Veranstaltung“. Premierengast: die Musik-Formation „Polka-toffel“."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 08.03.2010

Kraftvoll und sinnlich

Engagierte „Positionen der Kunst“ von Absolventen eines aussterbenden Studiengangs

 

 "Bei der Eröffnung der Ausstellung „Positionen der Kunst“ summt und brummt es im KunstWerk wie in einem Bienenstock. Zehn angehende Kunstpädagogen breiten in der Gruppenschau das ganze Spektrum ihrer künstlerischen Befähigung aus. Die zahlreich erschienenen Freunde und Angehörigen sorgen für angeregte Gespräche und dichtes Gedränge. Zu feiern gibt es die bestandene fachpraktische Prüfung als Abschluss der bildnerisch-künstlerischen Ausbildung.

Mit den gezeigten Arbeiten aus den Sparten Malerei, Zeichnung, Grafik, Computergrafik, Fotografie, Collage, Objektkunst, Video und Installation stellen die Studienabgänger eine stattliche Palette erlernter künstlerischer Techniken und Darstellungsformen unter Beweis. Im Rahmen ihrer fachpraktischen Prüfung hatten sie ein Generalthema eigener Wahl in vier unterschiedlichen künstlerischen Techniken und Verfahren zu bearbeiten. Für die Präsentation im KunstWerk haben sie aus ihren Prüfungsarbeiten eine Auswahl getroffen. In Themenwahl und Ausführung hat jeder seine ganz individuelle Position gefunden. Es gelingt beinahe ausnahmslos, sie in überzeugender Weise zum Ausdruck zu bringen."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 26.02.2010

Die zwei Gesichter des KuZe

Das studentische Kulturzentrum ist beliebter Jugendtreff – doch sein Mitmach-Konzept bleibt umstritten

 

Das Votum der Jungpolitiker zum studentischen Kulturzentrum (KuZe) klingt einmütig. „Wir nehmen die Entwicklung wohlwollend zur Kenntnis und danken besonders dem NutzerInnenplenum für die geleistete Arbeit, weil es eine breite Akzeptanz und Nutzung des Hauses erreicht hat.“ Einen Text dieser Art haben die Mitglieder im Studentenparlament (Stupa) der Universität Potsdam beschlossen, die sich einmal im Jahr auch im KuZe treffen und für das Haus jährlich 100000 Euro aus dem Semesterbeitrag der Studenten abzweigen. In dem Kulturzentrum in der Hermann-Elflein-Straße – so hat es bei der Sitzung am Dienstagabend gewirkt – gibt es keine Konflikte."

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 04.02.2010

2009                                                           nach oben

KuZe für Jugend gesperrt

Betreiber kritisiert verfehlte Jugendpolitik der Stadt

 

Zu ungewöhnlichen Maßnahmen sehen sich die Betreiber des studentischen Kulturzentrums (KuZe) genötigt: Die zweigeschossige Kneipe in der Hermann-Elflein-Straße ist ab sofort abends für Jugendliche unter 18 Jahren gesperrt. Das hat der KuZe-Trägerverein Ekze e.V. jetzt mitgeteilt. Ähnliche Regeln gibt es bereits in einigen Diskotheken. Im Januar werde überdies über den Umgang mit unter 18-Jährigen vor 20 Uhr entschieden, hieß es.

Zur Begründung zieht der Verein das Problem fehlender Freiräume für Jugendliche in der Potsdamer Innenstadt heran, dessen Lösung seit fast zwei Jahren auf sich warten lasse. So gäbe es seit der Schließung des Spartacus-Jugendhauses in der Schlossstraße in der Innenstadt keine frei zugänglichen Räume für Jugendliche mehr. „Das hat dazu geführt, dass immer mehr Jugendliche die KuZe-Kneipe als Ort entdeckten, in dem sie sich mit Freunden treffen konnten – und Teile von ihnen auch mal über die Stränge schlugen“, so Ekze-Sprecher Matthias Rothe. Das habe zu Schwierigkeiten für das ehrenamtlich tätige Tresenpersonal in der Studentenkneipe geführt, räumte Rothe ein. „Probleme, wie nicht verantwortungsvoller Genuss von Alkohol, Konflikte und Gewalt konnten von den Tresenkräften oft nicht bewältigt werden – und das kann in diesem Umfang auch nicht ihre Aufgabe sein“, so Rothe. Zudem sei das „Zielpublikum“ von der entstandenen Jugendclubatmosphäre abgeschreckt worden."

Opens external link in new windowZum vollständigen Artikel aus der PNN vom 11.12.2009

Sexarbeit

Szenische Lesung und Vortrag im „KuZe“

 

Ayscha arbeitet in einer türkischen Bar. Sylvia schafft seit 30 Jahren am Hamburger Fischmarkt an. Melanie ist im Hamburger Escort tätig. Katrin ist nach zehn Jahren Herbertstraße ausgestiegen. John arbeitet als Callboy in Stuttgart. Die Bordellbetreiberin Felicitas managt das Berliner Café „PSSST“ und Andreas ist Bordellchef in Hamburg. Auch die Frankfurter Prostitutionskunden Markus und Norbert kommen zu Wort, ebenso Ronny, ein auf St. Pauli geborener, ausgestiegener Zuhälter. Zehn Milieugeschichten, begleitet von einer Toncollage, tragen die Schauspieler Ulrike Johannson und Thor W. Müller in der szenischen Lesung „Sexarbeit – eine Welt für sich“ am Donnerstag, 17. September, 20 Uhr, im Studentischen Kulturzentrum „KuZe“, Hermann-Elflein-Straße 10, vor. Über die Hintergründe von Sexarbeit wird in einem anschließenden Kurzvortrag berichtet.

Opens external link in new windowZum vollständigen Artikel aus der PNN vom 11.09.2009

„Explosition“

Malerei und Collagen von Julius Ruge im Kunstwerk


 

"Die aktuellen Formate sind ziemlich groß, lebensgroß könnte man sagen, und so bemessen, dass eine aufrecht stehende oder lagernde Figur so gerade auf die Leinwand passt. Drei Figuren, ihrer Geschlechtlichkeit nach weiblich und dabei in ihrem ganzen Auftreten nichts Gutes verheißend, schließen sich zu einer Serie zusammen. Sie haben die Ausstrahlung von Skulpturen aus Stein, unnahbar und dämonisch, ihre Farbgebung setzt ganz auf Grau. Daneben ein Querformat: „23Starter“. Gelb hervorlugend die Augäpfel einer verquält schauenden Frau.

 

Im ersten Raum der Ausstellung „Explosition“ von Julius Ruge im Kunstwerk ist einem nicht nach Lachen. Daran kann auch der so genannte „lustige Akt auf rotem Stuhl“ nichts ändern. Diese Malerei ist gegenständlich, der Figur und dem konkreten Motiv verpflichtet, ohne sich dabei auf ein Thema festzulegen. Bildtitel wie „black jesus“ oder „Engel in der Mondumlaufbahn“ spielen eher mit der freien Assoziation, als dass sie das Bildsujet auf eine Bedeutung festlegen."

Opens external link in new windowZum vollständigen Artikel aus der PNN vom 12.06.2009

2008                                                           nach oben

AStA will Anwalt gegen Garski einschalten

Auch nach drei Jahren noch Baumängel am Studentischen Kulturzentrum (KuZe)

 

Der Konflikt zwischen Studentischem Kulturzentrum (KuZe) und ihrem Vermieter Dietrich Garski, ein bekannter Bauinvestor, droht sich zuzuspitzen. Tamas Blenessy als Sprecher des Allgemeine Studierendenausschusses (AStA) kündigte während der Sitzung des Studentenparlaments (Stupa) am Montagabend an, dass demnächst ein Fachanwalt konsultiert werde. „Mit ihm beraten wir die weiteren Schritte“, so Blenessy.

Zuvor hatte KuZe-Geschäftsführer Sven Brödno minutenlang über angebliche Versäumnisse von Garski gesprochen. So gäbe es auch drei Jahre nach Öffnung des Hauses in der Hermann-Elflein-Straße noch kein Abnahmeprotokoll. Baumängel würden den Betrieb des KuZe stören, etwa die Brandmelder, die grundlos Fehlalarme produzieren würden. Ebenso gäbe es eine Stelle, an der Regen ins Gebäude eindringe. Seit einem Jahr werde wegen der Mängel weniger Miete bezahlt. „Wir brauchen eine grundlegende Änderung“, so Brödno. Zustimmung erhielt er von Sabine Raetsch vom Offenen Kunstverein. Der Verein hat seinen Sitz ebenso im Kuze. „Eine härtere Gangart gegen Garski ist notwendig“, so Raetsch. Der Vermieter versuche, die KuZe-Führung hinzuhalten.

Während der Sitzung wurde bekannt, dass sich KuZe-Führung und Garski auch über die Höhe der Betriebskosten 2006 streiten. Ebenso soll ein unabhängiger Bausachverständiger des AStA im kommenden Jahr den Zustand des Gebäudes prüfen, hieß es. Garski war gestern nicht zu erreichen. HK"

 

Aus der PNN vom 18.12.2008

Originale

Lange Nacht des Offenen Kunstvereins

 

"Shoppend, Bratwurst essend und Glühwein trinkend schiebt sich eine riesige Menschenmenge durch die Innenstadt. Doch nur wenige Meter von der Brandenburger Straße entfernt, auf der wie immer um diese Zeit der längste Weihnachtsmarkt der brandenburgischen Landeshauptstadt tobt, herrscht fast besinnliche Adventsstille. Nur wenige Menschen nehmen den „Umweg“ über die Gutenbergstraße, um vielleicht an solche Ziele zu gelangen, die eine Alternative zum alljährlichen vorweihnachtlichen Konsumterror bieten.

Doch ruhig und menschenleer ist es an diesem Samstagabend auf dem Gelände des Kunstwerkes in der Hermann-Elflein-Straße auch nicht. Auf drei Etagen und in der KUZE-Kneipe findet hier die lange Nacht des Offenen Kunstvereins statt. Zu Theateraufführungen, einer Feuershow, Poetry Slam, Filmen, Konzerten und Lesungen haben die rührigen Macherinnen um Ewa Kowalski, Sabine Raetsch und Ulrike Schlue eingeladen.

Und schon eine halbe Stunde, bevor der Poetry Slam überhaupt losgehen soll, sind nahezu alle Sitzgelegenheiten im Theatersaal mit Menschen oder Kleidungsstücken belegt.Hier wartet eine Schar Eingeweihter gespannt auf das, was kommen soll. Um dem Andrang Herr zu werden, geben die Veranstalter kurz vorher sogar noch die Bühne für die etwa 90 jungen und jung gebliebenen Zuhörer frei. Zwei Stunden lang folgen die mit großem Amüsement den tiefsinnigen und kurzweiligen Wettbewerbsbeiträgen von insgesamt zehn Slamern, die in ihren selbst geschriebenen Texten wirklich originelle Gedanken bieten, die allesamt frappante Wortakrobaten sind und dazu auch noch gekonnt vortragen können.

Bei Jana kriegt nicht nur der Potsdamer Weihnachtsmarkt sein Fett weg, Julian und Tommy watschen in einer großartigen Dialoglesung Bayern so richtig ab und der durch das Publikum gekürte Gewinner Felix überzeugt nicht nur mit seiner „Eheballade“ sondern auch mit seinem überaus skurrilen Traum, in dem der Deutschen größter Dichter ein wesentlicher Protagonist ist. Fast parallel zum Slam liest Oma Helga, die Mutter von Sabine Raetsch, im obersten Ausstellungsgeschoss vor der Kunstwerkfamilie eine witzige und berührende Weihnachtsgeschichte.

Hier gibt es auch leckeres Essen, den ganzen Abend lang improvisierte Klaviermusik und eine nicht ganz ernst gemeinte Tombola. Am Stand mit Grafiken und selbst gestalteten Kalendern kann man die Ergebnisse der Grafikwerkstatt des Vereins bewundern und gestalterische Kleinode mit lauter Originalen erwerben. In Siebdrucktechnik haben Kinder und Jugendliche die bekannte Geschichte von der „Schönen und dem Tier“ illustriert. Bisher unbekannt war dagegen die extravagante Geschichte vom Fliegenhirten und einer Herde Fruchtfliegen, die Philipp Baumgarten erdachte und gemeinsam mit Max Buschner in Szene gesetzt hat. Ein menschlicher Tannenbaum, die gegenwärtige Krise und der Mittelstand sowie ganz viel Obst spielten darin eine Zwerchfell erschütternde Rolle. Bei so viel originellen Ideen und der ungemein entspannten Atmosphäre wünscht man sich unbedingt eine Fortsetzung der Langen Nacht im nächsten Advent."

Aus der PNN vom 09.12.2008

Lange Kulturnacht des Offenen Kunstvereins im Kunstwerk

"Wer immer von bösen Ahnungen über den Zustand der heutigen Jugend geplagt ist, der hätte am Samstagabend zur „Langen Nacht des Offenen Kunstvereins“ alle Zweifel entsorgen können. Während Heerscharen von Weihnachtslaunigen zwischen Bratwurstbudendampf und Abgaswolken nebenan in der Brandenburger und ihren Seitenstraßen erst nach Geschenken und später nach ihren Autos suchten, begann im Hinterhof der Hermann-Elflein-Straße 10 der handgestrickte Kulturabend junger und kreativer Potsdamer.

 

Nach der Passage einer ansehenswerten Ausstellung von Bildern und witzigen Plastiken von Gesa Foken und Jean Drache luden im Obergeschoss leckere Häppchen und ein dampfender Kessel mit Punsch zur Stärkung ein.

Viel Gedränge gab es, als der Kampf um Karten und Plätze im viel zu kleinen Theatersaal begann. Das hauseigene „Theater AK 689“ spielte dort eine Variation ihres Stücks „Fliegenfeinde“. Die im Namen versteckten Ziffern Sechs, Acht und Neun stehen für die Buchstaben des hiesigen Alphabets und versprechen als Abkürzung kompletter die Worte Freiheit, Heiterkeit und Irrsinn.

Diesem hohen Anspruch wurden die neun Darsteller auf der Bühne und die zwei jungen Damen an Piano und Cello dann tatsächlich gerecht, weil ihr ganzes Spiel eine einzige Liebeserklärung an das so heiß geliebte Theater war. Unverkrampft haben Max Buschner und Philipp Baumgarten ihren Darstellern einen theatralischen Rahmen organisiert, der vor allem die Welt der Erwachsenen persiflierte. Der beziehungstechnische Zusammenstoß zweier befreundeter Ehepaare am Weihnachtsabend produzierte immer neue Heiterkeitswellen und trieb etlichen Zuschauern Lachtränen aus den Augenwinkeln. Unglaublich, wie die dem Fliegenwahn Anheimgefallenen mit ihren Beißwerkzeugen aus einem Früchtekorb ein regelrechtes Schlachtfeld des Fresswahns machten, bevor sie dem baffen Publikum den Schlussapplaus von der Hinterbühne vorklatschten.

Der kulturelle Marathon bot im Laufe des Abends fast alle Spielarten künstlerischer Betätigung. Die Band „Maschinenstürmer“ und poppige Klänge von Christian Uibel bedienten das Genre Konzert, als Ein-Mann-Unternehmen gab Felix Dubiel am Piano sein Bestes. Der Dichternachwuchs konnte sich beim „Poetry-Slam“ messen, mehrere Filme und eine Märchenlesung komplettierten einen überzeugenden Abend im Kunstwerk." (Von Lothar Krone)

Aus der MAZ vom 08.12.2008

Ein bisschen Spartacus im KuZe

"Ein bisschen Spartacus ist wieder da. Die Veranstalter aus dem geschlossenen Jugendhaus in der Schloßstraße wollen im studentischen Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße zumindest einen Abend pro Monat gestalten. Jeden zweiten Mittwoch im Monat soll es demnach einen Spartacus-Tresen geben, teilte der Spartacus e.V. gestern mit. Der erste Termin war gestern, der nächste ist am 14. Dezember. Die Abende sollen nicht wie normale Kneipenbesuche ablaufen. So wurde gestern der Dokumentarfilm „Feiern“ gezeigt: Ein Werk über Menschen, deren Nächte 72 Stunden dauern, weil sie so lang zu Techno tanzen, selbst Platten auflegen oder an Türen stehen. Die Geschichte solcher Typen wurde in mehreren Gesprächen gezeigt. Und obwohl der Film in Berlin spielt, hat er auch einen Bezug zu Potsdam: Seine junge Regisseurin Maja Classen studiert an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) „Konrad Wolf“ in Babelsberg."

 

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Für mehr Selbstvertrauen

Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder im KuZe

 

Sahar Galamdin weiß, was sie in ihrem Leben erreichen will: „Erst mal Abi machen und dann studieren, vielleicht Jura oder Medizin.“ Die 19-Jährige kam im Jahr 2000 aus Afghanistan nach Deutschland, mit ihrer Familie flüchtete sie vor den Taliban. Eine Schule hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie betreten, denn „das war Mädchen verboten“. Heute, acht Jahre später, spricht sie fließend Deutsch und besucht die 11. Klasse an der Lenné-Schule. Wenn sie in Mathe nicht mehr weiter weiß, geht die junge Frau ins Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße. Dort hilft eine Gruppe von Studenten an drei Nachmittagen in der Woche Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben.

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Eine Frage der Wahrnehmung

Das studentische Kulturzentrum steht in der Kritik – und ist Teil des Streits zwischen AStA und Opposition


Wenn Potsdamer Studenten in die Kneipe vom studentischen Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße gehen wollen, stehen sie manchmal vor verschlossenen Türen. Auch Björn Ruberg ist so etwas schon zu Ohren gekommen. Dann ärgert sich der junge Potsdamer Hochschulpolitiker. Auch deswegen, weil er an den Zuständen im KuZe nichts ändern kann. Denn im Studentenparlament (StuPa) der Potsdamer Universität sitzt Ruberg mit der Grün-Alternativen Liste (GAL) in der Opposition. Die Mehrheit hat eine als links geltende Koalition, die den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) bildet, der unter anderem auch das KuZe betreiben soll. Laut Ruberg steckt der AStA in das Kulturzentrum allerdings nur viel Geld hinein, „ohne dass ein Großteil der Studenten davon profitiert“.

Denn nicht allein die unregelmäßigen Öffnungszeiten der Kneipe des Studentenzentrums stören Ruberg und die GAL: Ihre Kritik stellt die Struktur des Hauses in Frage. Besonders kritisieren sie das sogenannte NutzerInnen-Plenum. Diese nicht gewählte Arbeitsgruppe fällt die Entscheidungen für das Haus: Wer darf Partys veranstalten, wer soll sauber machen, welche Aktionen stehen an? Das Plenum gilt wie der AStA als politisch deutlich links, viele Akteure der zwei Gremien gehören zur alternativen Szene Potsdams. „Alle Studenten der Uni zahlen für das KuZe, haben aber auf den Inhalt keinen Einfluss“, so Ruberg.

Das so kritisierte Haus existiert seit mehr als drei Jahren. Zuvor wurden die Elfleinhöfe für rund 1,2 Millionen Euro umgebaut. Jährlich kostet das KuZe die Uni-Studenten rund 100 000 Euro, die vom Semesterbeitrag abgehen. Vor allem deswegen sieht sich Björn Ruberg im Recht mit seiner Kritik. Nach einer GAL-Umfrage haben bislang nur ein Fünftel aller Potsdamer Studenten schon einmal das KuZe besucht.

Die Frage des Erfolgs sieht AStA-Sprecher Tamas Blenessy völlig anders. „Die Kneipe im KuZe läuft besser, als anfangs gedacht: Mittlerweile gibt es sogar einen Café-Betrieb ab 15 Uhr.“ Auch Geschäftsführer Sven Brödno spricht vom „Erfolgsmodell“ KuZe – nirgendwo sonst in Deutschland gäbe es so ein Haus als „Experimentierfeld“ für Studenten.

Doch nicht jeder Versuch gelingt. Wer mit KuZe-Verantwortlichen redet oder Einblick in den internen Mailverkehr erhält, hört von vielen Problemen. Einige existieren wegen des Gebäudes an sich, dass auch nach drei Jahren Nutzung nicht endgültig abgenommen ist. Mal klemmen Türen oder sind Schließknöpfe kaputt, mal verstopfen die Klos, oft springt der Brandmelder ohne Grund an und alarmiert die Feuerwehr. Wegen der nahen Nachbarn müssen die KuZe-Macher dazu noch Lärmauflagen beachten.

Manche Schwierigkeiten sind offenbar auch hausgemacht. „Verantwortungsleere“, sagt eine Studentin zur Situation der Tresendienste, die jeden Tag ehrenamtlich Bier ausschenken sollen. Manchmal kommen zwei Mannschaften, manchmal wird aber auch dringend nach Personal gesucht. Notfalls muss die Kneipe eben zubleiben. Ebenso gibt es Kritik an der Unordnung in den Räumen, weil oft niemand weiß, wer zuständig ist. Dazu herrsche im KuZe viel zu oft „Jugendklub-Atmosphäre“, heißt es: Viele Besucher und manchmal auch Tresenkräfte seien kaum älter als 18 Jahre alt, wohl wegen der niedrigen Alkoholpreise.

Es sind solche Probleme, die auch der Studentenklub Pub á la Pub in der Breiten Straße kennt – allerdings von früher. „Auch bei uns hat die Organisation Jahre gebraucht“, heißt es dort. Inzwischen hält der Betreiberverein das Pub ohne Fördergeld jeden Tag das Haus offen. Dazu gibt es eine Karte für Studenten und höhere Preise für alle anderen: „Das zeigt Wirkung, nun sind vor allem Studenten da.“

Eine Zusammenarbeit mit dem Pub-Team gibt es nicht. Auch das kritisiert Björn Ruberg. KuZe-Chef Sven Brödno hält dagegen. Pub und KuZe seien nur schwer vergleichbar, weil das Pub eben nur Kneipe, das KuZe aber noch viel mehr sei – gerade wegen seines Theatersaals, der Siebdruckwerkstatt oder den Probenräumen. „Solche Räume nutzen unter der Woche rund 200 Leute für ihre Ideen.“ Allerdings gäbe es ein „Wahrnehmungsproblem“, dass vor allem die Kneipe das Bild des KuZe präge. Die Idee, diese Bar stärker als jetzt auf Studenten auszurichten, lehnt Brödno aber ab. Seine Begründung: „Das KuZe war immer auch als Verbindung zwischen Uni und Stadt gedacht.“ Gleichzeitig dürften die Standards im Haus nicht zu sehr professionalisiert werden, weil sonst der experimentelle Charakter des KuZe verloren gehe. Bei diesem Argument bezieht sich der Geschäftsführer auch auf das ursprüngliche Konzept für die Elfleinhöfe. Darin steht, im KuZe solle ein „Schmelztiegel aus Kultur, Wissenschaft und Politik“ entstehen. Über ein NutzerInnen-Plenum steht in dem Papier dagegen kein Satz.

Wohl auch deswegen fällt die Kritik von Ruberg an dem nicht gewählten Gremium besonders heftig aus. Neue studentische Initiativen würden dadurch nur schwerlich einen Zugang ins KuZe finden, eben weil es von einer „alteingesessenen Truppe“ und dem Plenum geführt werde. Dazu gäbe es keine Kontrollinstanz, sagt Ruberg: „Das Studentenparlament kann nicht einmal eine Aufsichtsfunktion übernehmen.“ Dagegen wirft KuZe-Chef Brödno der GAL und Ruberg vor, dass Plenum zwar zu kritisieren, aber kaum einmal dort gewesen zu sein: „Das Gremium gibt es extra dafür, dass sich Studenten möglichst ohne Hürden am KuZe beteiligen können und nicht erst in den AStA gewählt werden müssen.“ Auch Tamas Blenessy vom AStA lobt den „basisdemokratischen Prozess“ im Plenum, wo wöchentlich solange diskutiert werde, „bis alle mit einer Veranstaltung oder Entscheidung leben können“. Diese Stunden ehrenamtlichen Engagements seien nicht selbstverständlich. Unterschiedlicher können Sichtweisen kaum sein.

Daneben ist das KuZe auch nur ein Thema, bei dem die Fronten zwischen AStA-Koalition und der GAL verhärtet sind. Denn nachdem die GAL bei den Stupa-Wahlen zwar auch dieses Jahr stärkste Kraft geworden ist, die Koalition aber zum wiederholten Mal ohne sie gebildet wurde, schießen beide Lager nun fast wöchentlich gegeneinander. Der schwerste Vorwurf der Opposition lautet dabei Vetternwirtschaft: Bewerbungen für Posten des AStAs würden nach politischer Gesinnung vergeben. Das Gremium betreibe überdies Klientelpolitik bei der Vergabe von Fördergeld. Dagegen spricht AStA-Sprecher Blenessy davon, dass Jobs in dem Gremium nach Qualifikation vergeben worden seien. Und verweist auf den Landesrechnungshof, der dem AStA eine „ordnungsgemäße Haushaltsführung“ bescheinigt habe. „Wir waren sogar so gut, dass es keinen Prüfbericht geben wird“, sagt Blenessy.

Wer mit Claas Hasslinger vom konservativen Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) über das KuZe spricht, bekommt ein etwas differenzierteres Bild. Vor zwei Jahren war er der dafür zuständige AStA-Referent. Schon damals wusste der RCDS-Politiker um das Image als linker Laden, um die Probleme, ehrenamtliche Arbeit geregelt zu organisieren und doch von Fördergeld abhängig zu sein. Dagegen tun konnte er nur wenig: „Das Problem ist, dass selbst ein anderer AStA als jetzt kaum Chancen hat, dort etwas zu ändern, ohne die Strukturen zu sprengen.“ Dies sei der Balanceakt, es sich trotz nötiger Reformen nicht mit dem Plenum zu verscherzen, weil sonst die Arbeit im KuZe erlahmen würde, so Hasslinger: „Ein Strukturwandel kann nur besonnen und vorsichtig funktionieren.“

Kuze droht zeitweise Schließung

Vermieter soll Lampen der Notausgänge warten


"Dem studentischen Kulturzentrum (Kuze) in der Hermann-Elflein- Straße droht die zeitweise Schließung durch die Bauaufsicht. Der Grund klingt banal: Die Notausgangslampen funktionieren seit mehr als einem Jahr nicht. Für diese Lampen ist aber nach Ansicht der Kuze-Betreiber ihr Vermieter Dietrich Garski zuständig, dem das Haus gehört. Diese Situation ist nun einem für das Kuze zuständigen Bau-Sachverständigen von einem Ingenieurbüro aus Treuenbrietzen aufgefallen. Entsprechende Informationen der PNN bestätigte gestern Abend der Geschäftsführer des Kuze, Sven Brödno: „Wenn es bis Montag keinen Vertrag mit dem Vermieter gibt, dass die Lampen regelmäßig gewartet werden, dann will der Sachverständige die Bauaufsicht verständigen.“ Dann könnte die Schließung drohen."

 

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Lieber schön als dumm!? Geschmackssache

"Fast jeder kennt das Phänomen, dass gutaussehende Menschen auf Parties oft im Blickpunkt stehen, unbewusst andere Menschen als zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein, als schön oder hässlich bewertet werden oder dass auch der eigenen Körper als hässlich wahrgenommen wird Manche fühlen sich deswegen verunsichert und unglücklich.

50 Kinder, Jugendliche und Künstler fahren vom 20. - 30. August auf den Bauernhof Klinkenmühle bei Gottsdorf und werden sich dort kreativ mit dem Thema „Lieber schön als dumm! Geschmacksache, sprach Lieschen und fraß Popel!“ auseinandersetzen. Inspiriert durch alltägliche Erfahrungen, das Kennenlernen von anderen Völkern und ihren oft sehr fremden Schönheitsidealen durch Literatur, Dokumentarfilme, Gespräche, Fotografien, Märchen- und Spielfilme werden sich die jungen Menschen während der Kinder-und Jugendkunsttage – ein Projekt des Offenen Kunstvereins e.V. – mit ihren eigenen und fremden Ansichten und Vorurteilen auseinandersetzen."

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Stadt(ge)sicht

Julia Brömsel und Maria Wilke im Kunstwerk


"Potsdam einmal anders. Gesehen und porträtiert von zwei Frauen, die sich schon die Hälfte ihres Lebens kennen und deren Weg sich nun, in Potsdam, erneut kreuzt. Nach Jahren der Ausbildung kehrten die beiden Künstlerinnen, nunmehr in den Endzwanzigern, dorthin zurück, wo sie gemeinsam ihre ersten künstlerischen Schritte taten. Der Offene Kunstverein, der ihnen damals dafür den Raum gab, lieferte nun auch die Idee einer gemeinsamen Ausstellung. Somit schließt sich im vereinseigenen „Kunstwerk“ unter dem Motto „stadt(ge)sicht… eine ausstellung von julia brömsel & maria wilke“ nach 15 Jahren der Kreis.

Die beiden Ausstellungsflächen des Kunstwerks sind mit Malerei von Julia Brömsel sowie Grafik und Textilarbeiten der Designerin Maria Wilke dicht bestückt. Die Arbeit am eigenen Potsdam-Bild ist für beide Frauen zu einem Prozess geworden, der sie in der vertrauten Stadt neu Anker werfen ließ. Die mit neuen Augen gesichteten Sehenswürdigkeiten und anderen Potsdamer Orte haben beide Künstlerinnen zu originellen Bildschöpfungen stimuliert."

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Fernes, unbekanntes Land

Momente einer Ansicht“: Chinesische Künstler im KunstWERK


"Eine ziemlich lange Reihe stolzer Pferde mit ebensolchen Reitern kommt eine chinesische Straße entlang. Stoisch und wegessicher traben die Frauen und Männer an den Fuhrwerken und Autos vorbei, hinein in eine Ausstellungshalle, in der Halle von Bild zu Bild und wieder hinaus. Draußen geben sie sich dem Polospiel aus dem Sattel hin. Merkwürdig, diese Performance, die Zhang Wei aus Bejing, zu dem wir früher Peking sagten, aus einem Sprichwort entwickelte und dann abfilmte. Er wolle damit das Polospiel wieder in das gesellschaftliche Bewusstsein bringen, sagt der Begleitzettel. Reizvoller scheint uns Europäern der Besuch einer Ausstellung hoch zu Ross – aus dem Reitsitz hat man eine andere Perspektive auf das Werk, bleibt in Bewegung und erhaben – so dass man sich vor der hehren Kunst nicht mehr fürchten muss.

Das zumindest ist eine Anregung, die aus dem Reich der Mitte per Video zu uns gelangt, und sofort fällt dem Potsdamer der Kunstraum ein, in den die Pferde-Performance gut passen würde. In die Ausstellung „Momente einer Ansicht“ vereint im Kunstwerk zurzeit sechs chinesische und zwei deutsche Künstler. Schon im vergangenen Jahr wurden dort junge chinesische Künstler vorgestellt – der offene Kunstverein setzt diese Reihe nun mit Blick auf eine mögliche interkulturelle Begegnung junger Menschen aus China und Potsdam fort."

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2007                                                           nach oben

„Land unter“ an der Klinkenmühle

„Mehr Meer“: Ausstellung zum Sommerprojekt des Offenen Kunstvereins ab morgen im KunstWERK


"Nichts scheint mehr am rechten Platz: Pinguine retten sich auf schmelzenden Schollen ans grasgrüne Ufer, Riesenquallen pumpen sich durch die Luft, an der Wäscheleine hängen Fische zum Trocknen und eine Seejungfrau steckt ihren Kopf in Aspik ... „Land unter“ herrschte zwei Wochen lang an der Klinkenmühle, einem Bauernhof bei Luckenwalde, auf dem Potsdams Offener Kunstverein seit vielen Jahren schon sein Sommerlager aufschlägt. Fünfzig Kinder und Jugendliche aus den Mal- und Theaterkursen ließen hier die Quellen ihrer Kreativität sprudeln, öffneten alle Schleusen, bis der Hof mit allerlei Flusstieren und eigenartigen Meeresbewohnern überschwemmt war. Jetzt gelangen die in der Natur nur sehr selten zu beobachtenden Wasserwesen in eine Ausstellung nach Potsdam, zu sehen ab morgen um 19 Uhr im KunstWERK in der Hermann-Elflein-Straße.

Was auf dem Bauernhof zwischen Schweinen und Schwalben skurril und unwirklich anmutete, erhält in der Galerie einen künstlerischen Rahmen. „Mehr Meer“, so der Titel der Ausstellung, versammelt Zeichnungen und Malerei, Figuren aus Styropor und Pappmaschee, Installationen und Miniaturwelten in Konservendosen, allesamt angeregt vom diesjährigen Kulturlandthema „Faszination Wasser“."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 31.08.2007

Guter Mutterboden

Botanischer Garten spendete Erde für das Kuze


Unbürokratisch Hilfe leisteten die Stadtwerke, vertreten durch die STEP, und der Botanische Garten der Uni Potsdam für das Studentischen Kulturzentrum. Wie der Verein zur Erhaltung eines Studentischen Kulturzentrums in den Elfleinhöfen (ekze e.V.) mitteilte, hatte man dort schon seit einiger Zeit nach einem Weg gesucht, den beklagenswerten Zustand der Grünanlagen zu verbessern."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 22.06.2007

Der Zwang zum Schönsein

Eine Doppelausstellung im studentischen „KuZe“ thematisiert Sexismus in der Werbung und im Alltag


„Ex und Hopp“, ist die Anzeige einer Biermarke betitelt. Dazu räkelt sich eine kaum bekleidete, blonde Frau im Bett. Der Mann auf dem Bild hat sein Hemd schon ausgezogen. Darunter stellen die findigen Werbetexter die Frage, „Was dagegen?“ Sahra Dornick hat was dagegen. Die Soziologie-Studentin hat mit weiteren Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Sexismus in der Werbung“ eine Doppelausstellung im studentischen Kulturzentrum „KuZe“ organisiert. „Wir sind ständig mit sexistischer Werbung konfrontiert“, so Dornick. Die Ausstellung thematisiert diese Situation, die wir im Alltag kaum noch bewusst wahrnehmen. Während im Erdgeschoss ein Berliner Projekt das Thema eher theoretisch angeht, erlebt der Besucher beim Gang in den ersten Stock eine wahre Reizüberflutung.

 

Die gewundene Treppe in die oberen Räume des „KuZe“ ist zu einem „Tunnel“ geworden. Hundertfach blicken einen schöne Menschen an, die für Parfüm, Fernsehzeitungen, Uhren und sogar Reifen werben sollen. AStA-Mitglieder der Universität und engagierte Studierende aus Potsdam haben das Material gesammelt, sagt Sahra Dornick. Die Vielfalt der Bilder ist beeindruckend. Sie erstreckt sich über die gesamte erste Etage des „KuZe“. Die Spannweite reicht dabei von ironischen Provokationen bis zu reiner Pornographie. Es soll in der Ausstellung aber nicht nur um Sexualität gehen, erläutert Dornick. Es gehe eher um eine kritische Diskussion von Hierarchien in der Gesellschaft. Dafür sei die Werbung ein Symptom. Es sei aber nicht immer leicht, diese Hierarchien zu erkennen und zu entschlüsseln, gibt Dornick zu bedenken.

 

Als Beispiel nennt sie eine sehr erfolgreiche Kampagne für Körperpflege. Die Firma hielt sich zugute, dass sie keine Models für ihre Werbung verwendete. Sondern „normale“ Frauen. „Die Frauen erscheinen trotzdem in Unterwäsche“, wendet Dornick ein. Soll das nun „gute“ sexistische Werbung sein? Die Ausstellung will solche Fragen stellen, ohne einfache Antworten zu geben. Sie soll Besucher und Kneipengäste aufrütteln. Wer das Gespräch sucht, kann dann einen der begleitenden Vorträge oder einen Workshop besuchen."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 12.01.2007

2006                                                           nach oben

Das Ende einer Party

„Kuze“ entspricht nicht den Lärmbestimmungen

 

"Innenstadt - Die Betreiber des kürzlich eröffneten studentischen Kulturzentrums in den Elfleinhöfen (Kuze) stehen vor einem gravierenden Problem: Die von ihnen beabsichtigte Nutzung der Räumlichkeiten entspricht nicht den behördlichen Bestimmungen. Diese genehmigen lediglich einen regulären Kneipenbetrieb – wochentags bis 22 Uhr, am Wochenende bis 24 Uhr. Dennoch fanden in der letzten Zeit Partys statt, bei denen die Lautstärke deutlich über dem Geräuschpegel eines normalen Kneipenbetriebs lag. Damit ist nun vorerst Schluss. Denn der Asta, Träger und Hauptnutzer des Kuze, muss zur Erweiterung der Nutzung ein Lärmgutachten einholen. Aus diesem wird dann hervorgehen, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen, damit erweiterte Kneipenzeiten genehmigt werden können. Das bisherige Problem: Da sich in den Räumen keine Lüftungsanlagen befinden, kann eine Entlüftung nur über das Öffnen der Fenster erfolgen. Dabei dringt zwangsläufig Lärm nach außen. Deshalb war es schon zu Beschwerden von Anwohnern gekommen."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 19.01.2006

2005                                nach oben

Um das KUZE beneidet man uns schon

Studentisches Kulturzentrum in Elfleinstraße 10 für 1,2 Millionen Euro / Fördermittel gestatten Billigmiete


Die Vorgeschichte ist eine siebenjährige, gebaut wurde dann nur noch ein Jahr. Und wenn es laut Baubeigeordneter Elke von Kuick-Frenz auch noch ein paar kleine Nacharbeiten gibt – gestern wurde das studentische Kulturzentrum Elfleinhöfe 10 in der Potsdamer City mit großem Programm eröffnet. Die ganze nächste Woche soll durchgefeiert werden mit Kleinkunst, Konzerten, Lesungen und Seminaren. Künftig gibt es auch Beratungen durch den Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) der Universität Potsdam über Recht, Soziales BaföG und Jobs.

 

Das Kulturzentrum, das sehr schnell seinen Namen KUZE weg hatte, umfasst knapp 900 Quadratmeter Fläche. Es gibt mehrere Werkstätten, einen großen Seminarraum für Treffen und die Zeitungsmacher, ein AStA-Büro, ein Feministisches Archiv und einen Raum für die Alternativ-Uni, an der Studierende für Studierende da sind. Einbezogen in das studentische Projekt ist der offene Kunstverein im Hinterhaus. Der AStA wird 3,50 Euro pro Quadratmeter Miete zahlen und den Studierenden dafür laut Beschluss 2,50 Euro pro Semester abknöpfen."

 

Zum vollständigen Artikel aus der PNN vom 19.11.2005